Gebrauchtwagen-Test Opel Astra F und G

Gebrauchtwagen-Test: Opel Astra F und G Gebrauchtwagen-Test: Opel Astra F und G

Gebrauchtwagen-Test Opel Astra F und G

— 14.09.2006

Gute Besserung!

Opels erster Astra war qualitativ eine Katastrophe. Die zweite Generation kann den angeschlagenen Ruf jedoch retten. AUTO BILD testete gebrauchte Opel Astra F und Opel Astra G.

Neuer Name, neues Design, neue Technik – mit dem Astra (Typ F) griff Opel zu Beginn der 90er-Jahre nach den Sternen in der Kompaktklasse. Und erlebte prompt eine Bauchlandung. Kein Wunder, steht doch der von 1991 bis 1997 währende Produktionszeitraum des Kadett-Nachfolgers für den absoluten Tiefpunkt in der Opel-Historie. Verantwortlich für diese Qualitätsmisere waren vor allem übereifrige Rotstiftakrobaten, die traditionelle Opel-Werte wie Zuverlässigkeit und Solidität wegrationalisierten, um die Produktivität zu erhöhen. Mit unübersehbaren Folgen. Der Astra F war von Beginn an ein Auto voller Mängel und Probleme, die von der Konstruktion über die Materialauswahl bis hin zur Verarbeitung reichten.

Viele Astra gammeln an allen Ecken und Enden

Heute sind die Mängellisten vieler gebrauchter Astra-F-Modelle bisweilen länger als so mancher Groschenroman. Das umfangreichste Kapitel behandelt dabei das Thema Rost. Neun Jahre nach Produktionsende gammeln nämlich überdurchschnittlich viele Exemplare an allen Ecken und Enden.

Rost, Rost, Rost – Korrosion ist einer der häufigsten Mängel des Astra F.

So frisst die braune Pest nicht nur an Radläufen, Auspuff, Tank und Türkanten, sondern durchlöchert immer öfter auch tragende Teile der unzureichend konservierten Karosserie. Zum Modelljahr 1995 versprach Opel zwar Besserung, aber passiert ist nur wenig, wie unser reichlich rostendes Fotomodell aus jenem Jahr beweist. Es offenbart darüber hinaus weitere, für diese Baureihe typische Schwächen. Wie zum Beispiel Undichtigkeiten, die nicht nur den Motor und das Getriebe betreffen, sondern auch das Lenkgetriebe und die Servopumpe. Eine kleckernde Wasserpumpe gehört ebenfalls zu den Klassikern im Mängel-Repertoire dieses Opel und hat nicht selten eine durchgebrannte Zylinderkopfdichtung zur Folge.

Noch teurer wird es, wenn der Zahnriemen reißt. Das tat er beim F-Modell auffallend oft vor dem vorgeschriebenen Zeitpunkt des turnusmäßigen Wechsels, weshalb Gebrauchtwageninteressenten diesen Punkt besonders kritisch prüfen sollten. Fehlt ein Nachweis über den letzten Tausch, ist ein Preisabschlag von rund 200 bis 300 Euro für die umgehend zu erledigende Reparatur gerechtfertigt. Gebrauchte Astra F kämpfen zudem sehr häufig mit frühzeitig verschlissenen Stoßdämpfern, umfangreichen Klappergeräuschen, Rissen im Krümmer der 1,4- und 1,6-Liter-Benzinmotoren, streikenden Lichtmaschinen, ausgeschlagenen Federlagern und Traggelenken an der Vorderachse sowie einer bisweilen spinnenden Elektrik.

Die guten Seiten verblassen angesichts der vielen Mängel

Keine Qual der Wahl: Die zweite Astra-Generation (rechts) ist deutlich besser als die erste.

Keine Offenbarung zudem die lauten und sehr rau laufenden Dieselmotoren. Die stammen von Isuzu und machen den Astra endgültig zur Rappelkiste. Zahlreiche Rückrufaktionen aufgrund von Konstruktionsfehlern, unter anderem wegen Feuergefahr beim Tanken, erschütterten zusätzlich das Vertrauen in diese Baureihe. Angesichts dessen verblassen die durchaus vorhandenen positiven Seiten. Der gute Komfort, das ordentliche Platzangebot, die recht sparsamen Motoren oder die bequemen Sitze sind heute jedoch zu wenig, um auf dem Gebrauchtwagenmarkt gegen ähnlich günstige, jedoch viel zuverlässigere Japaner vom Schlag eines Mazda 323 oder Toyota Corolla bestehen zu können.

Solchen Vergleichen hält die zweite, ab 1998 angebotene Astra-Generation dagegen locker stand. Weil Opel aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hatte und mit dem intern Typ G genannten Modell wieder einen soliden Kompaktwagen auf die Räder stellte. Der war zu Beginn zwar auch nicht ganz fehlerfrei, die Mängel hielten sich aber im überschaubaren Rahmen und wurden größtenteils abgestellt. So verhindern geänderte Spannrollen Spannrollen seit Modelljahr 1999, dass der Zahnriemen vorzeitig reißt, was bei Exemplaren aus dem ersten Baujahr öfter geschah. Interessenten sollten diesem sensiblen Bauteil bei der Besichtigung dennoch die gebührende Aufmerksamkeit widmen.

Beim Astra G ist Rost passé

Neben dem 2.2-Benziner ist auch der 1.6 16V empfehlenswert.

Keine Probleme gibt es mit dem kräftigen 2,2-Liter-Benziner. Der sparsame und laufruhige 147-PS-Alu-Motor treibt die beiden Nockenwellen nämlich über eine wartungsfreie Steuerkette an. Empfehlenswert sind jedoch auch die kleineren Vierzylinder. Im Dauertest überzeugte der 1.6i 16V mit 100 PS jedenfalls mit spritzigen Fahrleistungen, kaum messbarem Verschleiß und günstigem Verbrauch.

Dank Vollverzinkung ist Rost beim Astra G passé. Selbst die Schalldämpfer erweisen sich als sehr resistent. Probleme machen jedoch immer mal wieder die Lenkung (knackende Geräusche), quietschende Bremssättel an der Hinterachse, defekte Klima-Kompressoren (bis Modelljahr 2000), rissige Krümmer und defekte Abgasrückführungsventile. Okay, die Elektronik spinnt auch beim Opel manchmal. Und Risse im Türblech einiger Dreitürer (bis 2000) erinnern an die unseligen alten Zeiten. Im Großen und Ganzen ist ein regelmäßig gewarteter Astra G jedoch ein guter und empfehlenswerter Gebrauchtwagen. Auch wenn es zum Griff nach den Sternen wiederum nicht gereicht hat.

Schwächen, Kosten, Historie, Wertung

Opel Astra 1.6i Typ F, Baujahr 1991 bis 1997

Schwachstellen Die erste Astra-Generation steht für den Tiefpunkt der Opel-Qualität. So kämpft fast jeder Astra mit einer klappernden Innenausstattung und Rost bis hin zum Lochfraß an Radläufen, Türen, Tank, Auspuff und tragenden Teilen der Karosserie. Weitere typische Mängel: undichte Motoren, Getriebe und Servolenkungen, defekte Wasserpumpen und Lichtmaschinen, Auspuffkrümmer mit Rissbildung und – besonders fatal – vorzeitig reißende Zahnriemen.

Preis ab 2000 Euro (Laufleistung um 80.000 km)

Technische Daten Hubraum: 1598 cm³, Leistung: 75 PS, Höchstgeschwindigkeit: 168 km/h

AUTO BILD-Urteil: * (max. fünf Sterne)

Opel Astra 1.6 16 V Typ G, Baujahr 1998 bis 2004

Trotz Schwächen um Welten besser: die zweite Generation.

Schwachstellen Die zweite Astra-Generation gelang Opel um Welten besser. Dennoch leistet sich diese ebenfalls einige Schwächen: So häuften sich vor allem bei den ersten Modellen Zahnriemenrisse. Kritik gibt es zudem öfter für reißende Auspuffkrümmer, leckende Motoren, Knackgeräusche aus der Lenksäule und defekte Klimakompressoren bis Baujahr 2000. Darüber hinaus ärgern sich Astra-Fahrer über quietschende hintere Bremsen und kleinere Elektrik-Störungen.

Preis ab 4500 Euro (Laufleistung um 80.000 km)

Technische Daten Hubraum: 1598 cm³, Leistung: 101 PS, Höchstgeschwindigkeit: 188 km/h

AUTO BILD-Urteil: **** (max. fünf Sterne)

Das Opel Astra-Dossier enthält viele Versionen, Ausstattungen, Motoren und alle Erfahrungen und Testergebnisse, die wir mit der Rüsselsheimer Kompaktklasse in den vergangenen Jahren gesammelt haben. Jetzt als PDF downloaden.

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Autor: Ulrich Holzwarth

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