Gebraucht-Test Skoda Octavia 4X4

Gebrauchtwagen-Test: Skoda Octavia 4X4 Gebrauchtwagen-Test: Skoda Octavia 4X4

Gebrauchtwagen-Test Skoda Octavia 4X4

— 02.04.2007

Der Halbbruder

Das lockt seit Jahren die Käufer an: Technik aus dem Allrad-Golf, gepaart mit einem großen Kofferraum, das Ganze zum günstigen Preis. Auch die Gebrauchtkäufer stehen beim Skoda Octavia 4x4 Schlange.

Technisch gesehen ist der Skoda Octavia 4x4 nichts anderes als ein in Tschechien gebauter VW Golf 4motion mit anderer Karosserie und größerem Kofferraum. Das gilt für Motoren, Getriebe, Allradantrieb, Elektrik und Fahrwerk. Die Frage ist nur, ob die VW-Technik für den Gebrauchtkäufer wirklich ein Vorteil ist. Noch immer erwartet der Volkswagen-Interessent wie selbstverständlich ein besonders zuverlässiges und langlebiges Fahrzeug. Das mag zu Zeiten des seligen Typ 1 (Käfer) mit Heckmotor so gewesen sein. Aber seit einigen Jahren kommt VW ins Gerede: übertrieben ausgebeutete Turbodieselmotoren, Zahnriemenrisse, streikende Billigelektrik, defekte Kupplungen, vorzeitig verschlissene Bremsscheiben. Derlei Ärgerlichkeiten können wegen der engen technischen Verwandtschaft auch die Besitzer eines Skoda treffen.

Der Octavia 4x4 macht da keine Ausnahme. Da Deutschland jedoch VW-fixiert ist, kann der Konzern sich solche Patzer leisten und am Markt trotzdem hohe Preise durchsetzen. Um die zu umgehen und dennoch ein Auto mit VW-Technik zu fahren, kaufen die Leute einen Skoda. Kein Wunder also, dass bei unserer Fragebogenaktion satte 40 Prozent der Octavia-fahrenden Leser angeben, zuvor einen VW oder Audi besessen zu haben. Sieben Prozent kommen von Subaru – weil die Japaner immer noch keine Dieselversionen anbieten können. Die große Liebe scheint Skoda aber nicht wecken zu können, denn gerade einmal vier Prozent geben an, dass sie die tschechische Marke mögen.

Mangels Konkurrenz sind die Gebrauchtpreise hoch

Es zählt die Vernunft. Und vernünftige Vorteile hat der Octavia 4x4 in der Tat reichlich. Diese Kombination aus komfortablem Allrad-Kombi mit äußerst sparsamem Dieselmotor bietet zu diesen Preisen kein anderer Hersteller – bis heute nicht. So verwundert es nicht, dass auch der Wertverlust gering ist und die Gebrauchtpreise relativ hoch. Denn auch der Gebrauchtkäufer hat keine Alternative. Bei aller Kritik: Ein korrekt gewarteter und vernünftig bewegter Octavia 4x4 kann bei hoher Zuverlässigkeit exorbitante Kilometerleistungen erreichen. Nicht wenige unter den Lesern haben bereits über 300.000 Kilometer abgespult. Die empfindlichen Stellen sind auch bei den Dauerläufern die Kupplung, die Bremsscheiben und die Radlager. Der TDI-Motor hält – vernünftige Fahrweise ohne Dauervollgas, sorgfältiges Warmfahren und penibles Einhalten der Wechselintervalle des Zahnriemens vorausgesetzt. Das Schaltgetriebe muss dagegen meist nach rund 200.000 Kilometern ausgetauscht werden. Es gibt zwar ein im Preis reduziertes Austauschteil (überholtes Altaggregat), das kostet aber immer noch über 2700 Euro plus Einbaukosten.

Schäden am Boden gibt es wegen geringer Bodenfreiheit

Mehr als die Hälfte der Befragten gibt an, den Octavia 4x4 auch im Gelände einzusetzen. Nicht ehrenrührig, aber: Trotz serienmäßiger Höherlegung gegenüber dem Frontantriebs-Bruder kommt der Allrad-Octavia nur auf eine bescheidene Bodenfreiheit. Deshalb sind Schäden an der Unterseite vorprogrammiert. Immerhin 21 Prozent der Leser haben deshalb eine nachträgliche Höherlegung vornehmen lassen, die es auch beim Skoda-Händler gibt. Die geringe Auswahl in dieser Klasse zeigt sich auch bei der Wahl des nächsten Autos: Die Skoda- Händler dürfen sich schon freuen, denn die Octavia-4x4-Besitzer der ersten Generation wollen zu 61 Prozent auf die seit 2005 lieferbare zweite Generation umsteigen. Immerhin sieben Prozent wollen aufsteigen auf einen teureren VW oder Audi mit Allradantrieb. Die Enttäuschten suchen ihr Heil bei den Asiaten und wandern zu Subaru, Suzuki, Hyundai oder Kia ab.


Modellgeschichte

• 1997 Einführung der Frontantriebsversion des Skoda Octavia • 1999 Einführung des Skoda Octavia 4x4 Combi, 1,9-Liter-Turbodiesel mit Direkteinspritzung (el. Verteilereinspritzpumpe) und 90 PS, stets mit Schaltgetriebe; L/B/H 4,51/1,73/1,51m; 23 mm Höherlegung gegenüber dem Frontantriebs-Octavia • 2000 1.9 TDI Turbodiesel mit 100 PS und Pumpe-Düse-Direkteinspritzung löst den 1.9 TDI mit 90 PS ab; zusätzlich 1,8-Liter-Turbo-Benziner (1.8T) mit 150 PS und 2.0-Benziner mit 115 PS; alle Motoren ausschließlich mit Schaltgetriebe • 2005 Einführung des neuen Skoda Octavia II 4x4; Octavia I 4x4 TDI wird als preisgünstiges Einstiegsmodell weitergebaut • 2006 Octavia I 4x4 1.9 TDI wird nicht mehr produziert

Schwachstellen/Zuverlässigkeit

Der Octavia teilt sich mit dem VW Golf die typischen Wehwehchen: defekte Fensterheber und Lichtmaschinen, undichte Motorölwannen, defekte Luftmassenmesser am Motor, streikende Türverriegelungen, zerbröselte Radlager. Ärgerlich, aber nicht extrem häufig. Der TDI-Turbodiesel macht die üblichen Probleme mit gerissenen Zahnriemen und defekten Turboladern. Wichtig ist die penible Einhaltung der Riemenwechselintervalle. Der TDI überfordert außerdem gern die Kupplung, vor allem bei Anhänger- oder Geländefahrt. Mit Rost gibt es beim Skoda Octavia 4x4 nur extrem selten Probleme. Die Zuverlässigkeit ist mit zwölf Prozent Pannen auf freier Strecke nur mittelmäßig: Schuld an den Ausfällen haben meist Defekte am und um den TDI-Motor: Zahnriemenrisse, Turbolader, aber auch defekte Kupplungen. Dafür ist der Octavia ein sehr zuverlässiger Starter, der – geladene Batterie vorausgesetzt – stets tadellos anspringt.

Reparaturkosten

Preise inklusive Mehrwertsteuer am Beispiel eines Octavia 4x4 1.9 TDI, Baujahr 2001. Ein komplettes Programm von Austauschteilen hält die Ersatzpreise für wichtige Aggregate in Grenzen. Teuer ist der Auspuff – er hält durchschnittlich sechs Jahre.

Technik


• Allradantrieb Permanent über zentrale Mehrscheibenkupplung im Ölbad (System Haldex); Kraftverteilung v:h 100:0 bis 50:50; elektronische Schlupfregelung durch automatischen Bremseingriff vorne • Aufbauweise selbsttragende Stahlblech-Karosserie • Verbrauch 2.0: 9,5 Liter Superbenzin/100 km; 1.9 TDI: 7,0 Liter Diesel/100 km • Höchstgeschwindigkeit 2.0: 193 km/h; 1.8T: 211 km/h; 1.9 TDI: 184 km/h

Praxis-Tipp: Octavia prüfen leicht gemacht

• Ölverluste sind nicht selten und teuer zu beseitigen. Achten Sie auf Ölflecke am Stellplatz des Vorbesitzers.
•Wegen der konstruktionsbedingt extrem hohen Belastung muss der Zahnriemen regelmäßig kontrolliert und gewechselt werden. Überprüfen Sie die Eintragungen im Wartungsheft.
• Viele Octavia 4x4 werden auch im Gelände gefahren. Unvorsichtige Fahrer ruinieren dabei Kupplung, Auspuffanlage und Radaufhängungen. Vorsicht bei Schürfspuren an der Unterseite.

Konkurrenten

Ein Audi A4 1.9 TDI quattro wird rund 30% teurer gehandelt als der Skoda. Gegenwert: Mehr Platz gibt es kaum, aber mehr Prestige und einen aufwendigeren Allradantrieb mit Torsen-Zentraldifferenzial. Interessant: Ein Golf IV 4motion kostet gebraucht nicht mehr als der Skoda, hat die gleichen Fehler.

Urteil

Sind die hohen Gebrauchtpreise für einen Octavia 4x4 1.9 TDI gerechtfertigt? Ja und nein. Ja deshalb, weil er zumindest als Diesel praktisch ohne Konkurrenz dasteht. Und nein, weil die Zuverlässigkeit wegen der VW-Technik nicht japanisches Niveau erreicht. Man muss Glück haben und ein sorgsam behandeltes Exemplar ergattern.

Autor: Martin Braun

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