Gebrauchtwagen-Test Subaru Forester — 30.09.2008
Taugt der Förster als Billiglöhner?
Seit seinem Verkaufsstart 1997 gilt der Subaru Forester als unprätentiöser und zuverlässiger Begleiter. Der Checker spürt ein Frühwerk auf – und klärt, ob es dem sauberen Ruf gerecht wird.
Das günstigste Angebot: 4590 Euro
Mit diesen Fragen im Kopf begebe ich mich auf die Suche. Sie führt mich einmal mehr ins Netz, wo ich in der Klasse bis 6000 Euro auf 72 Forester stoße. Was sich oben präsentiert, ist klar: Exemplare ab 2000 Euro aufwärts mit sechs bis zehn Erdumrundungen auf der Uhr und folglich längst abgelaufener Halbwertzeit, außerdem Unfallschäden und unseriöse Lockvögel. Danke, nein. Dann kommen, heute aufgrund der Gewährleistungsverordnung so nervig wie unvermeidlich, die "Nur-für-Export"- Händlerofferten. Bei denen lässt sich tricksen, logisch. Ist aber nicht mein Job – einmal mehr zählt nur die saubere Nummer. Das günstigste Angebot, das diesen Anspruch trifft und mit 118.000 Kilometern eine sehr akzeptable Laufleistung bietet, ist mit 4590 Euro ausgepreist. Was sonst noch drin steht? 2.0 GL, Topzustand, Scheckheft, Wartung mit Zahnriementausch im Januar 08, Handschalter, Garantie.Dieses Auto werde ich mal inspizieren. Bevor es losgeht, ein paar Worte zu den potenziellen Baustellen. Wie gesagt: ein paar. Denn typspezifische oder konstruktive Mängel gibt es bei diesem Modell tatsächlich so gut wie gar nicht. Generell gilt: je mehr Leistung und weniger Gänge, desto neuralgischer. Heißt: Beim S-Turbo (170 PS) winkt der Antrieb eher mal ab als beim Sauger mit 122 PS (125 ab 10/98), die Automatik ist – Stichwort Bremsbänder – weniger durabel als die manuelle Box, deren Synchronisierung höchstens mal unter aggressiven Schnellschaltern leidet. Doch die sind wiederum untypisch für die Klientel: Der Forester-Fahrer ist üblichenfalls älteren Semesters. Und kauft gern neu, was den hohen Wertverfall erklärt. Nächster und letzter Mangelpunkt: die Abgasanlage, die geländegefährdet ist. Das war's.
Einziges Manko: die Kupplung
Ich erreiche eine alt eingesessene, familiär geführte Karosseriewerkstatt, die eher nebenbei mit Gebrauchten handelt. Sein Bruder schmeiße den Verkauf, sagt der Meister, sei aber im Urlaub. Ansehen? Aber gern. Probefahrt? Um Gottes willen – die C-Klasse muss raus, gleich kommt der Gutachter, der Audi-Kunde wartet, der Forester ist von vier Autos zugeparkt ... Muss sein? Allerdings, es muss, quäle ich den armen Mann. Bevor die Hälfte ungecheckt bleibt. Nach widerwilligem Rangieren ist der Subaru befreit, ich prüfe Innen- und Motorraum, Blech, Lack, alle E-Funktionen. Resultat: Abgesehen von zwei winzigen Dellen präsentiert sich der Forester als extrem gepflegt und unfallfrei. Diesen Eindruck bestätigt auch meine Ausfahrt. Einziges Manko: Die Kupplung ist schwergängig. Ein bekannter Befund, waren die 98er-Modelle doch mit fehlerhaften Druckplatten bestückt. Die einst auf Garantie getauscht wurden – außer bei diesem Auto, wie ein späterer Anruf beim ergrauten, seriös klingenden Vorbesitzer bestätigt. Der Eigner davor war übrigens nochmals älter. Und ebenso nie offroad unterwegs. Ergo ein ganz normaler Forester-Lebenslauf.Wie auch immer: Wer sich an der Kupplung stört, den kostet der Ersatz etwa 450 bis 500 Euro. Doch auch damit liegt der "Förster" noch klar im Rahmen. Zumal ich seinen Wert auf rund 6000 Euro taxiere. Gut möglich also, dass er demnächst seinen Liebhaber findet. Was den genervten Meister, dessen Bruder den Subaru viel zu pessimistisch kalkuliert hat, hoffentlich besänftigen wird. Denn dass ich das Auto trotz großen Wohlwollens am Ende nicht nehme, versteht er überhaupt nicht.

































