Gebrauchtwagen-Test VW Golf I bis V

— 20.12.2006

Treffen der Generationen

Der VW Golf ist seit fünf Generationen eine Erfolgsgeschichte. Zweithand-Käufer sollten sich davon nicht blenden lassen: Einige Typen sind im Alter mit Vorsicht zu genießen.



Familientreffen sind manchmal der reinste Horror. Auf den ersten Blick ein Fest der Freude und des unverkrampften Miteinanders. Unter dem Deckmantel der Harmonie lauern jedoch mitunter Neid und Missgunst. Hier der strahlende, zum Vorbild erkorene Erfolgstyp. Dort die angepassten Mitläufer, die nicht weiter auffallen wollen. Und mittendrin das schwarze Schaf der Sippschaft, das alle am liebsten aus ihren Reihen verbannt sähen. Wie würde wohl ein Treffen der fünf Golf-Generationen aussehen? Beginnen wir mit dem Begründer der Wolfsburger Kompaktklassen-Dynastie, dem Golf I. Der ist heute mehr rostig als rüstig. Meist sind die Altersgebrechen so stark ausgeprägt, dass ihn nur noch die rettenden Hände enthusiastischer Youngtimer-Fans vor dem Exitus bewahren können. Die päppeln den Greis in mühevoller Arbeit wieder auf, um an den großen VW-Familientreffen – etwa am Wörthersee – teilzunehmen. Dort lässt dann der Einser-Golf die wilden 70er-Jahre wieder aufleben. Und erzählt von der Zeit, als er die Klassen-Konkurrenten nach Belieben vernaschte und reihenweise Testsiege einfuhr. Oder von den potenten 110 PS unter der GTI-Haube, die damals die Herrschaft über die linke Spur bedeuteten.

Eine schrecklich nette Familie

Ein listiger Fuchs, der Alte, weiß er doch auf diese Weise geschickt von seinen typischen Macken abzulenken. Denn der Golf I hat nicht nur ein überaus rostiges Wesen, sondern auch die peinliche Angewohnheit, Öl und Wasser nicht halten zu können. Den teuren Schmierstoff blasen die Motoren zudem gern an den erschlafften Ventilschaftabdichtungen vorbei in die Umwelt. Erblindete Scheinwerfer und streikende Radbremszylinder, kratzende Getriebe – im Alter macht der Großvater unter den Gölfen wirklich nur noch Schraubern und Youngtimer-Freaks mit 07er-Kennzeichen Freude.

Schon viel solider als der Ur-Golf: die zweite Generation

Bis heute relativ robust: die zweite Generation des Golf.

Sein direkter Nachkomme, der Golf II, hat zwar nicht mehr den eckigen Charme des Ersten, ist dafür aber viel solider. Der für damalige Verhältnisse vorbildliche Korrosionsschutz und die robuste Mechanik verhelfen der zweiten Generation zu einer überzeugenden Langzeitqualität. Altersbedingte Wehwehchen gibt es dennoch. Denn bei mangelnder Pflege rostet natürlich auch dieser Golf. Rund 15 Jahre nach Produktionsende zeigen sich die braunen Altersflecken insbesondere an mechanisch beanspruchten Stellen wie Kabeldurchbrüchen, Fenstergummis und am Unterboden. Öltriefende Motoren und Getriebe, labbrige Stoßdämpfer, versprödete Bremsschläuche, leckende Wasserpumpen und verschlissene Antriebswellen sind ebenfalls typische Alterserscheinungen.

Der Sparzwang bei Generation drei ging auf die Langzeit-Qualität.

Bei guter Pflege sind speziell mit dem harmonischen, 90 PS starken 1,8-Liter-Benziner freilich Laufleistungen von mehr als 400.000 Kilometern möglich. Was den Golf II im Kreise der Familie noch heute zu etwas Besonderem macht, wie selbst die jüngeren Mitglieder neidlos anerkennen. Denn die peinliche Vorstellung des Nachfolgers ist vielen noch in Erinnerung. Der Golf III präsentierte sich 1991 nämlich als echter Hallodri, der sich viele ungewohnte Schwächen leistete: Klappergeräusche, Motorenprobleme – vor allem bei den TDI-Modellen – und defekte Radaufhängungen nagten heftig am guten Ruf, den sich der Golf mit dem Zweier aufgebaut hatte.

Zu allem Überfluss kehrte mit dem Golf III auch wieder das Rostgespenst zurück, weshalb Gebrauchte der ersten Baujahre nur mit Vorsicht zu genießen sind. Was nützen ABS, Airbags oder ein VR6 unter der Haube, wenn zahllose Verarbeitungsmängel oder Motorschäden die Bilanz dieses Modells vermiesen?

Rost ist bei Nummer IV und V kein Thema mehr

So trat 1997 die vierte Generation an, um die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Was aber trotz vollverzinkter Karosserie, edel wirkendem Ambiente, vier Airbags und serienmäßigem ESP (ab 2000) nur zum Teil gelang. Zwar ist Rost seitdem kein Thema mehr, aber wackelnde Sitze, klappernde Armaturenbretter, Elektrik-Spinnereien, streikende Fensterheber, defekte Luftmassenmesser und etliche Motorschäden wegen gerissener Zahnriemen enttäuschten erneut viele Besitzer. Dem selbst ernannten Premiumanspruch macht die relativ hohe Mängelquote somit einen Strich durch die Rechnung, wenngleich die meisten Golf IV mehr oder weniger problemlos laufen.

Bleibt noch die jüngste Golf-Generation in unserer Familienrunde. Die hatte 2003 einen eher verhaltenen Start. Zu bieder das Design, zu offensichtlich der verstärkte Einsatz von Hartplastik im Innenraum. Mittlerweile hat sich der Golf V etabliert und zählt wieder zu den zuverlässigen Autos. Auch um die Langzeitqualität ist es offenbar gut bestellt. Klagen über Elektronikprobleme oder Klappergeräusche sind jedenfalls selten. Mal sehen, ob der Golf V beim nächsten Familientreffen noch so gut dasteht.

Fazit von AUTO BILD-Gebrauchtwagenexperte Ulrich Holzwarth

Zu Recht ganz vorne: Der aktuelle Golf macht den besten Eindruck.

Wenn sich fünf Generationen des VW Golf den kritischen Gebrauchtwagen-Käufern stellen, trennt sich rasch die Spreu vom Weizen. Der Golf I scheidet als Alltagsauto aus, ist aber ein unbedingt erhaltenswerter Youngtimer mit Kultpotenzial. Viel solider ist der Golf II. Er ist die eigentliche Überraschung, weil ein gepflegtes Exemplar für wenig Geld noch lange mobil macht. Enttäuschend hingegen der Golf III als Gebrauchter. Auch die vierte Generation zeigt viele Schwächen. Unsere Empfehlung: der bislang überzeugende Golf V.

Schwächen, Kosten, Daten, Urteile

VW Golf I (Typ 17E, 1974–83)

Kantig und kultig: Der Einser-Golf ist etwas für Sammler.

SCHWACHSTELLEN Alltagstauglich ist ein Golf I zwar immer noch, aber für den täglichen Einsatz eigentlich nicht mehr geeignet. Zu hoch die Steuern, und die Abgaswerte passen auch nicht mehr in die feinstaubbelasteten Metropolen. Außerdem befinden sich die meisten Exemplare in einem bemitleidenswerten Zustand.

Gravierende Rostschäden an tragenden Teilen, Ölverlust, hoher Ölverbrauch durch verschlissene Ventilschaftabdichtungen, dazu defekte Zylinderkopfdichtungen, Abgasanlagen, Scheinwerfer und Thermoschalter – einen Golf I können wir als Gebrauchtwagen nicht mehr empfehlen. Er ist jedoch ein prima Youngtimer für erfahrene Schrauber, die den mittlerweile selten gewordenen Golf hoffentlich noch lange erhalten.

PREIS ab 100 Euro (bei Laufleistungen um 180.000 Kilometer) • TECHNISCHE DATEN Hubraum: 1457 cm³, Leistung: 70 PS, Höchstgeschwindigkeit: 158 km/h • AUTO BILD-Urteil: nur für Sammler

UNTERHALTSKOSTEN VW Golf I Typ 17E, Baujahr 1974 bis 1983
Testverbrauch 9,5 l Normal/100 km
Inspektion 50 bis 300 Euro
Haftpflicht (15) 573 Euro
Teilkasko (10) 67 Euro
Vollkasko (10) 289 Euro
Kfz-Steuer 380 Euro

VW Golf II 1.8 (Typ 19E, 1983–92)

Gutmütig: Sind die Dämpfer okay, klappt's auch mit den Kurven.

Gutmütig: Sind die Dämpfer okay, klappt's auch mit den Kurven.

SCHWACHSTELLEN Der Golf II hat gute Anlagen als Langzeitauto. Insbesondere der Korrosionsschutz war damals vorbildlich. Mangelnde Pflege kann im Alter dennoch Rost zur Folge haben. Außerdem kann ein überalterter Zahnriemen reißen. Weitere Schwächen: undichte Wasserpumpen, ausgeleierte Stoßdämpfer, leckende Radbremszylinder, poröse Bremsschläuche, Ölverlust am Antrieb.

PREIS ab 700 Euro (bei Laufleistungen um 100.000 Kilometer) •
TECHNISCHE DATEN
Hubraum: 1781 cm³, Leistung: 90 PS, Höchstgeschwindigkeit: 176 km/h • AUTO BILD-Urteil: *** (max. fünf Sterne)

VW Golf III 1.6 (Typ 1HXO, 1991–97)

Golf III: Je später das Baujahr, desto eher ist er zu empfehlen.

Golf III: Je später das Baujahr, desto eher ist er zu empfehlen.

SCHWACHSTELLEN Der Sparzwang bescherte dem Golf III viele Qualitätsprobleme. Die Verarbeitung ist nicht langzeitstabil. Speziell die Karosserien früher Baujahre rosten mitunter heftig. Weitere Schwächen der dritten Generation: reißende Zahnriemen, zu viel Spiel an der Hinterachse, anfällige Bremsschläuche, Ölverlust an Motor und Getriebe, Lecks im Kühlkreislauf sowie mannigfaltige Klappergeräusche.

PREIS ab 4500 Euro (bei Laufleistungen um 60.000 Kilometer) • TECHNISCHE DATEN Hubraum: 1595 cm³, Leistung: 101 PS, Höchstgeschwindigkeit: 185 km/h • AUTO BILD-Urteil: ** (max. fünf Sterne)

VW Golf IV 1.9 TDI (Typ 1J, 1997–2003)

Zeitlos: Die vierte Generation ist nicht veraltet. Macht aber leider häufig Ärger.

Zeitlos: Die vierte Generation ist nicht veraltet. Macht aber leider häufig Ärger.

SCHWACHSTELLEN Die edle Anmutung täuscht, der Golf IV hat ein breites Spektrum typischer Mängel: reißende Zahnriemen, insbesondere beim TDI, Getriebeprobleme, defekte Fensterheber, Elektronik-Störungen, Verarbeitungsschwächen (Klappergeräusche, knackende Türschlösser, wackelnde Sitze), Ölverlust am Antrieb, Undichtigkeiten im Kühlkreislauf. Gut hingegen der Rostschutz.

PREIS ab 8000 Euro (bei Laufleistungen um 60.000 Kilometer) • TECHNISCHE DATEN Hubraum: 1896 cm³, Leistung: 90 PS, Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h • AUTO BILD-Urteil: *** (max. fünf Sterne)

VW Golf V 1.6 FSI (Typ 1H, seit 2003)

Macht bisher einen guten und zuverlässigen Eindruck: der aktuelle Golf.

Macht bisher einen guten und zuverlässigen Eindruck: der aktuelle Golf.

SCHWACHSTELLEN Die Innenraummaterialien wirken zwar nicht mehr so edel wie beim Vorgänger, dafür nahmen aber die Klagen über Verarbeitungsmängel – nach anfänglichen Schwierigkeiten – ab. Klappernde Armaturenbretter sind selten. Ärgerlich: ablösender Softlack an einigen Plastikteilen des Innenraums, Korrosionsansätze an Fahrwerkteilen und Elektrik, Elektronik-Störungen.

PREIS ab 12.000 Euro (bei Laufleistungen um 40.000 Kilometer) • TECHNISCHE DATEN Hubraum: 1598 cm³, Leistung: 115 PS, Höchstgeschwindigkeit: 192 km/h • AUTO BILD-Urteil: **** (max. fünf Sterne)

Diesen Beitrag empfehlen

Artikel bewerten

Bewerte diesen Artikel

Fremde Bewertungen

Anzeige

Versicherungsvergleich

Zur Motorradversicherung

Neuwagen

NEUWAGEN zu Top-
Konditionen, mit voller
Herstellergarantie
und zu attraktiven
Zinsen finanziert.

Hier klicken zu den Top-Angeboten

Gebrauchtwagen

Günstige Gebrauchtwagen-Angebote

Finden Sie Ihren Gebrauchtwagen.

Gebrauchtwagen-Angebote
Anzeige