Gebrauchtwagencheck

Land Rover Defender 90 Td5 Land Rover Defender 90 Td5

Gebrauchtwagencheck

— 01.01.2008

Alter Bekannter mit neuen Einsichten

Land Rover Defender 90 Td5: die Modellwahl des Checkers in Folge zwölf. Er durchsucht Annoncen – und findet ein Exemplar, das ihm bestens bekannt ist. Deshalb geschieht sein Test erstmals nicht anonym.

Ups, gibt es ja wohl nicht, das ist doch ... tatsächlich, er ist es. Stolpere ich beim Spüren nach inserierten Land Rover Defender Td5 doch glatt über die Karre, die mir tagtäglich den Parkplatz klaut. Na, wenn das keine Chance zur Rache eines frustrierten Nachbarn ist. Gut für den Besitzer, dass ich charakterlich gefestigt bin. Abgesehen davon wäre eine Rache nicht sehr professionell; auch vor meiner Tür darf es um nichts anderes gehen als um die nüchterne Bewertung eines Gebrauchten. Aber zunächst muss ich Andy – den mit dem Landy – fragen, ob er mitspielt. Gilt es doch einmal mehr, die üblichen Baustellen des Modells aufzuzeigen und das exemplarische Beispiel daraufhin zu entblößen. Was für den Anbieter nicht angenehm sein muss.

Andys Landy wühlte sich durch amtliche 4x4-Parks

Extras innen: Raid-Lenkrad, Sitzheizung und E-Fenster.

Sein Okay kommt spontan. So erführe er wenigstens, wie es um sein Auto steht, sagt er. Andy ist halt ein total entspannter Typ. Muss er auch sein, der Land Rover Defender 90 Station Td5 (so der offizielle Modellname) ist sein einziges Auto. Das er bisweilen sogar als Langstrecken-Geschäftswagen nutzt. Vor allem scheucht er die urige Kiste häufig durch Terrains, für die sie einst ersonnen wurde. Ob "Wurzelsepps Crossstrecke" in Peckfitz (Sachsen-Anhalt) oder das Offroadcamp Karenz (Meck-Pomm): Andys Landy wühlte sich schon durch einige amtliche 4x4-Parks. Und wird auch schon mal bei der wilden Radi Trophy in Lettland auf seine Ambitionen hin überprüft. Bei diesem Auto dient der Begriff Geländewagen eben als nüchterne Funktionsbeschreibung, anstatt als Alibi einer asphaltierten Modeströmung gegelter Schattenparker herhalten zu müssen. Das verdient Respekt. Und eine genaue Beleuchtung der Technik. Denn auch wenn das Gebein des Defenders enorm hart im Nehmen ist: Kreuz- wie Kardanwellengelenke werden offroad beschleunigt verschlissen, Proben im gestreckten Galopp (dröhnt es?) beziehungsweise unter Lastwechsel und in engen Kurven (knackt es?) sind hier gefragt.

Der Landy besteht die Funktionsprüfung mit Bestnoten

Fett: 255/85 R 16 und Discovery Felgen.

Übrigens war dieser Landy, wie ich erinnere, schon mal bis zur Gürtellinie abgetaucht. Kardinalfrage deshalb: Ist die Elektronik geschädigt? Vorab: ist sie nicht. Denn Andy hatte die unter dem Fahrersitz verbaute Halbleitersteuerung vorsorglich versiegeln lassen. Und zwar bei der Offroad Manufaktur Hamburg, einer Spezialfirma für Extremkraxler. Dort erhielt der Landy auch reichlich Geländezubehör sowie bislang zwei Schutzfettflutungen. Wir reden hier also von einem sorgsam präparierten Grenzgänger. Zu den weiteren potenziellen Problemen des Defender Td5. Getriebe: Ölaustritt wie bei sämtlichen Aggregaten möglich, hier allerdings auch unsichtbar Richtung Verteilergetriebe, hoher Verschleiß und Totalschäden der Schaltbox sind übliche Folgen. Elektrik/Elektronik: nicht übertrieben anfällig, aber so unglaublich kompliziert, dass Diagnosen häufig ins Blaue geschehen. "Unbekannter Fehler": eine übliche Meldung des Prüfwerkzeugs, wenn mal wieder ein Geistesblitz der offenbar zügel- und planlos operierenden Entwickler hakt. Wie etwa der thermostatisch gesteuerte Kraftstoffkühler. Notprogramm bei Festdrehzahl 1100 ist dann ein mögliches Symptom. Oder Ruckeln. Oder Auspuffqualm. Oder schlechte Übergänge. Oder Startprobleme. Oder sonst was.

Mein grüner Parkplatzklauer mit dem weißen Dach zeigt nichts von alledem. Er fährt exakt so, wie er soll – auch wenn sein Pflegezustand anderes verheißt. Vor allem aber ist er dank der Kriechfettkuren praktisch frei von der traditionellen Kontaktkorrosion, die sich zwischen dem Stahltragwerk und der Alubeplankung frühzeitig einnisten kann. Ergebnis: Der Wagen sieht für sein junges Alter recht mitgenommen aus, steht substanziell aber astrein da und besteht meine Funktionsprüfung mit Bestnoten. 27.000 Euro zahlte Andy Ende 2003 für den Neuwagen, 18.490 Euro ruft er jetzt auf. Ob der Landy schnell weggeht, ist ihm ziemlich wurscht. Nicht jedoch einigen unserer Nachbarn. Nämlich den Spießern, die Schnappatmung bekommen, wenn er mal wieder als bereifter Lehmhaufen den Wohnwert ihrer heilen Welt ruiniert. Sie könnten sich zu früh freuen: Andy liebäugelt mit einem Defender 110.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Wolfgang Blaube

Für Straßennutzer mit Pflegeanspruch ist der Preis zu hoch. Wer indes das Offroad-Zubehör schätzt und die Schrammen zahlreicher Unterholzkontakte ignoriert, ist mit dem Kurs reell bedient. Zumal dieser Defender technisch überzeugt. Und die stark schwankende Verarbeitung hier durchweg im grünen Bereich liegt.

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