Gebrauchtwagentest Kompaktsportler

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Gebrauchtwagentest Kompaktsportler

— 07.12.2007

Die kompakten Kracher, stark und solide?

Sie sind praktisch. Sie sind sportlich. Oft sind Opel Astra OPC, Ford Focus RS, Audi S3 und VW Golf R32 als Gebrauchte erstaunlich günstig. Lohnt sich das Zugreifen?

Die GTI-Monokultur war gestern – auch bei leistungshungrigen Gebrauchtwagen-Käufern. Heute heißen die sportlichen Überflieger in der Kompaktklasse S3, RS, OPC, Cupra oder R32. Und bringen zwischen 200 und 241 PS auf die Straße. Doch so viel Kraft muss man sich erst mal leisten können. Wobei die sportlichen Spitzenmodelle von Audi A3, Ford Focus, Opel Astra, Seat Leon und VW Golf IV nach rund vier Jahren erstaunlich günstig sind. Ein Problem sind dafür die hohen Kosten für den Unterhalt. Besonders die Versicherer langen kräftig zu, weil die kompakten Kracher oft in Unfälle verwickelt werden. Aber auch Secondhand-Käufer müssen mit erhöhtem Schadensrisiko rechnen. Denn besonders sportliche Autos werden oft artgerecht bewegt – so zügig, dass sie schnell verschleißen. Unabhängig von den typischen Schwächen des jeweiligen Modells ist deshalb bei der Besichtigung von S3, Cupra, RS & Co eine genaue Prüfung von Kupplung, Kraftübertragung, Fahrwerkkomponenten und Bremsen unerlässlich. Das gilt vor allem für Autos mit Chiptuning, das gerade bei den Besitzern der Turbo-Modelle Audi S3, Ford RS und Opel Astra OPC populär ist. Die vergleichsweise kostengünstige Dopingmaßnahme geht oft zu Lasten der Lebensdauer.

Am liebsten serienmäßig und scheckheftgepflegt – dann macht der Audi S3 eine Menge Freude.

Ebenfalls mit Vorsicht zu genießen sind tiefergelegte Exemplare, weil deren oftmals knüppelharte Abstimmung selbst die solideste Karosserie im Zeitraffer weichklopft. Bei solchen Gebraucht-Offerten empfehlen wir Kaufinteressenten, dem Vorbesitzer zusätzlich ein paar Aussagen zu dessen Fahrgewohnheiten zu entlocken. Prahlt der beispielsweise mit seiner Nürburgring-Dauerkarte oder den besonders sportlichen Fahreigenschaften, sollte es vielleicht doch ein weniger strapaziertes Stück sein. Denn auch die Preise für Ersatz- und Verschleißteile liegen zum Teil beträchtlich über jenen der zivilen Brüder. Bei gebrauchten Kompakt-Krachern raten wir deshalb, die Wahl ausschließlich auf serienmäßige, scheckheftgepflegte Exemplare aus seriösem Vorbesitz zu beschränken. Das galt übrigens auch schon gestern, als die GTI noch das Maß aller Dinge waren.

Audi S3 quattro: solider Allrounder mit mächtig Qualm

Hubraum 1781 cm³ • Leistung 165 kW/225 PS • Höchstgeschwindigkeit 243 km/h • Testverbrauch 12,3 Liter Super Plus • CO2-Ausstoß 285 g/km • ab 15.000 Euro bei Laufleistungen um 60.000 Kilometer

Der allradgetriebene Audi S3 macht auf Understatement. Unter der Motorhaube sorgt der aus dem TT stammende 1.8 T mit 225 PS für richtig Dampf. Im Vergleich mit seinen Konkurrenten ist der S3 zwar nicht der Sportlichste, überzeugt aber mit seiner Ausgewogenheit. Motor und Getriebe sind grundsätzlich robust und haltbar, wenngleich gerissene Zahnriemen, Turboladerschäden und defekte Wasserpumpen sowie Ölverlust mitunter für Kummer sorgen. Die Elektrik macht häufiger Ärger: Störungen im Motormanagement, defekte Wegfahrsperren, Kraftstoffpumpen, Fensterheber und Luftmassenmesser. Weitere Schwächen: wackelnde Sitze, poröse Bremsschläuche, ausgeschlagene Vorderachslager.

Ford Focus RS: seltene Sportkanone mit sensationellem Fahrwerk

Hubraum 1988 cm³ • Leistung 158 kW/215 PS • Höchstgeschwindigkeit 232 km/h • Testverbrauch 14,7 Liter Super Plus • CO2-Ausstoß 341 g/km • ab circa 13.000 Euro bei Laufleistungen um 60.000 Kilometer

Eine echte Sportskanone, dieser Focus RS. Knallhart abgestimmtes Fahrwerk, perfekte Straßenlage – und trotz Vorderradantriebs enorm viel Grip.

Eine echte Sportskanone, dieser Focus RS. Knallhart abgestimmtes Fahrwerk, perfekte Straßenlage – und trotz Vorderradantriebs enorm viel Grip. Passend dazu: der gierige Turbomotor. Mit dem Focus RS hat Ford das Thema des Kompakt-Krachers sehr konsequent umgesetzt. Motor und Getriebe: Piloten mit dem richtigen Händchen für die Hochleistungstechnik werden mit dem RS lange Freude haben. Die Kupplung ist aber ein typisches Verschleißteil. Fahrwerk/Bremsen: Die Brembo-Bremsen verschleißen rasch, ebenso die Lager der Radaufhängungen. Weitere Schwächen: Elektrikstörungen, undichte Scheinwerfer, gammelnde Abgasanlagen, Ölverlust.

Opel Astra OPC: flott, aber nicht sportlich

Hubraum 1998 cm³ •  Leistung 147 kW/200 PS • Höchstgeschwindigkeit 240 km/h • Testverbrauch 12,5 Liter Super Pluxs • CO2-Ausstoß 290 g/km • ab circa 9500 Euro bei Laufleistungen um 60.000 Kilometer

Unter Druck: Mit Hilfe des Turboladers bringt der Vierzylinder des Astra OPC vergleichsweise unspektakuläre 200 PS auf die Straße.

Im direkten Vergleich wirkt der Astra OPC eher unspektakulär. Flott im Alltag bei noch ordentlichem Komfort, fehlt es dem Rüsselsheimer jedoch etwas an Sportlichkeit. Die Lenkung arbeitet indifferent, und die Schaltung ist ziemlich hakelig. Motor und Getriebe: Der aufgeladene Zweiliter ist prinzipiell haltbar. Der Zahnriemen ist jedoch anfällig und sollte turnusgemäß gewechselt werden. Ebenfalls nicht selten: Ölverlust. Fahrwerk: Ausgeschlagene Lagerbuchsen an der Vorderachse und zu viel Spiel in der Lenkung sind typische Astra-Probleme. Weitere Schwächen: rasch rostende Abgasanlagen, Störungen in der Motorsteuerung, Defekte an Generatoren, Wegfahrsperren, Kraftstoffpumpen und Klima-Kompressoren, Risse am Abgas-Krümmer.

VW Golf R32: Bulle mit betörendem Sound

Hubraum 3189 cm³ • Leistung 177 kW/241 PS • Höchstgeschwindigkeit 247 km/h • Testverbrauch 14,5 Liter Super Plus • CO2-Ausstoß 336 g/km • ab circa 15.000 Euro bei Laufleistungen um 60.000 Kilometer

Leistungs-Primus: Mit 241 PS ist der Sechszylinder des Golf R32 das stärkste Triebwerk der kompakten Kracher.

Mit kernig-dumpfem Sound setzt sich der bärenstarke 3,2-Liter-Sechszylinder des R32 nicht nur in puncto Leistung an die Spitze, sondern auch akustisch. Die Fahrleistungen sind fulminant, der Grip dank Allradantriebs hervorragend. Top: die komplette Ausstattung. Motor und Getriebe: Der VR6 schöpft seine Kraft aus dem Hubraum, schluckt aber viel. Die Steuerketten sind anfällig, längen sich frühzeitig (ab 60.000 Kilometern) und reißen mitunter, was kapitale Motorschäden zur Folge hat. Nicht selten ist zudem Ölverlust. Fahrwerk: klasse Traktion, aber viel zu hart gefedert. Die Traggelenke und Querlenkerbuchsen vorn sowie die Hinterachsaufhängung sind nicht sehr haltbar. Weitere Schwächen: Störungen an Elektrik, Klimaanlage und Fensterhebern, Klappergeräusche.

Seat Leon Cupra R: das spanische Brüderchen

Hubraum 1781 cm³ • Leistung 165 kW/225 PS • Höchstgeschwindigkeit 237 km/h • Testverbrauch 12,3 Liter Super Plus • CO2-Ausstoß 285 g/km • ab circa 11.350 Euro bei Laufleistungen um 60.000 Kilometer

Vergleichsweise günstig: Der Seat Leon Cupra R ist das Schnäppchen unter den Kompaktsportlern.

Beim Vergleich der kompakten Sportler darf der beliebte Seat Leon Cupra R natürlich nicht fehlen. Technisch ist der frontgetriebene Spanier sehr eng mit dem gleich motorisierten Audi S3 verwandt. Dementsprechend ausgewogen fährt er sich auch. Motor und Getriebe sind mit dem Audi S3 nahezu identisch. Daher teilen sie sich auch die typischen Problemzonen. Weitere Schwächen des Seat: siehe Audi A3 und VW Golf.

Fazit von AUTO BILD-Gebrauchtwagen-Experte Ulli Holzwarth: Die Fahrleistungen eines Sportwagens in der Hülle eines gewöhnlichen Kompakten – das macht nicht nur Spaß, sondern ist auch schön praktisch. Was stört, sind die zum Teil deftigen Unterhaltskosten. Wer den Sport liebt, findet im raren Ford Focus RS den konsequentesten Kompakt-Kracher. Der bullige VW Golf R32 kommt ihm nahe, ist aber gelassener - und leider nicht unproblematisch. Fast zu zahm wirkt der Opel Astra OPC. Sehr ausgewogen präsentieren sich hingegen der Audi S3 und der vergleichsweise günstig gehandelte Seat Leon Cupra R. Beide sind für mich die erste Wahl im Alltag.

Autor: Ulrich Holzwarth

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