Gebrauchtwagentest Lada Niva (seit 1976)

Gebrauchtwagen Lada Niva Gebrauchtwagen Lada Niva

Gebrauchtwagentest Lada Niva (seit 1976)

— 30.09.2003

Schätzchen mit Macken

Der Lada – russisch für Schätzchen – unter den Geländewagen ist vor allem eins: superbillig in Anschaffung und Unterhalt. Aber er strapaziert die Nerven seiner Besitzer allzu häufig mit zahlreichen Pannen und Problemen.

Technik und Elektrik

Wie die Zeit vergeht: 27 Jahre ist es schon her, dass der russische Hersteller Volzhskiy Avtomobilnyi Zavod (Automobilwerk an der Wolga) unter der Exportbezeichnung Lada Niva einen kleinen Geländewagen präsentierte. Karosserie, Zylinderkopf und Verteilergetriebe waren eine Eigenentwicklung von VAZ, der Rest stammt aus einem russischen Lizenzbau des seligen Fiat 124.

Gegen diese Basis wäre im Prinzip nichts einzuwenden, denn der aus dem Jahr 1966 stammende Fiat war zuverlässig und robust. Jedoch verwenden die Russen beim Lada Niva eben ihre eigenen Wälzlager, eigene Dichtungen und eigene Gussformen. Und genau darin scheint das Problem zu liegen. Die Getriebe- oder auch die Kardanwellenlager halten oft nicht einmal 50.000 Kilometer.

Die minderwertigen Kühlwasserschläuche platzen zuweilen schon im dritten Sommer. Die billigen Bremssättel der vorderen Scheibenbremsen gehen bereits nach Standzeiten von wenigen Wochen fest. Aber auch die russische Elektrik macht den Niva-Fahrern große Sorgen. Mancher hat nach knapp 90.000 Kilometern bereits die vierte Lichtmaschine und den dritten Anlasser eingebaut. Und so billig sind die Russenteile auch nicht. Einziger Vorteil: Oft lassen sich die Teile von kundigen Mechanikern der alten Schule reparieren.

Motor und Getriebe

Die neuzeitliche Ex-und-Hopp-Mentalität findet sich bei den Lada-Werkstätten generell so gut wie nie. So sind auch immerhin 78 Prozent der Niva-Fahrer mit den Vertragswerkstätten zufrieden. Eine große Inspektion kostet durchschnittlich 260 Euro – so wenig ist das allerdings nun auch wieder nicht.

Auch wirklich teure Bauteile wie der Motor genießen beim Niva nicht das ewige Leben. Der Benziner hat zwar einen robusten Motorblock, der konstruktiv von Fiat stammt. Der von Lada selbst entwickelte Zylinderkopf ist jedoch recht empfindlich. Mehr als 150.000 Kilometer hält er selten. Dann ist oft die oben liegende Nockenwelle eingelaufen, sind die Ventile undicht. Die minderwertige Zylinderkopfdichtung kommt in der Regel auf nicht einmal die Hälfte dieser Kilometerleistung.

Wer deshalb vorhat, auf den auch im Verbrauch deutlich günstigeren Niva 1.9 D auszuweichen, sei gewarnt. Der von Peugeot stammende Saugdiesel ist zwar in der Tat wesentlich zuverlässiger als der Lada-Benzinmotor, aber die Dieselmaschine erzeugt an anderen Stellen zusätzliche Probleme. Starke Vibrationen des Selbstzünders setzen Schalt- und Verteilergetriebe offenbar derart zu, dass die ohnehin kurze Lebensdauer dieser Teile oft noch halbiert wird.

Niva im Leserurteil

Zudem nistet sich der Rost im Diesel-Niva noch schneller ein, da die Vibrationen die Schweißnähte und Konservierungen der selbsttragenden Karosserie weit stärker belasten als beim Benziner. Das gilt auch für die beim Diesel arg durchgeschüttelte Auspuffanlage.

Trotz dieser Probleme sind Niva- Besitzer offenbar Überzeugungstäter, denn für immerhin 35 Prozent ist das derzeitige Exemplar bereits das zweite. Vielleicht spielt dabei auch eine Rolle, dass rekordverdächtige 74 Prozent im Besitz eines Zweitwagens sind, der im Falle eines Niva-Streiks aushelfen kann.

Treue lässt sich auch bei der Wahl des nächsten Autos erkennen, denn satte 82 Prozent wollen wieder zum Niva greifen. Knapp die Hälfte davon wartet dabei sehnsüchtig auf den angekündigten Niva 2123. Der Rest, also 18 Prozent, wendet sich hin zu Suzuki Jimny oder Land Rover Defender – und sagt dem Schätzchen endgültig Ade.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 1976 Modelleinführung des Niva; LxBxH 3,72x1,68x1,65 m; 1,6-Liter-Benziner mit Vergaser und 73 PS; Vier-Gang-Schaltung 1985 nun auch mit 5-Gang-Schaltung erhältlich 1989 1.6 erhält ungeregelten Katalysator 1991 1.6 nun mit elektronisch geregeltem Vergaser und geregeltem Kat 1995 1.7i-Benziner mit Einspritzung (80 PS); 1.9-Saugdiesel (64 PS) von Peugeot; neue Heckklappe mit tieferem Ausschnitt, neue Heckleuchten, neue Instrumente und Sitze, leichtgängigere Lenkung 1997 Dieselversion 1.9D wird nicht mehr in Deutschland angeboten 2001 neue Zünd- und Einspritzanlage für 1.7i (82 statt 80 PS)

Schwachstellen • Ölundichtigkeiten sind ein lästiges Problem am Niva (47 Prozent der Leserfahrzeuge) • Wasserverlust kommt meist von den minderwertigen Schläuchen • Rost ist ein großes Problem. Insgesamt 83 Prozent der Leser klagen über Korrosion, davon 68 Prozent über leichten Rost, 15 Prozent über erheblichen • die Getriebereparaturen können ins Geld gehen. 18 Prozent der Leser waren davon betroffen. Besonders der 1.9D strapaziert das Getriebe mit Vibrationen • weitere Schwachstellen: Kugelbolzen der Vorderachse (31 Prozent), Lichtmaschine (29 Prozent), Bremssättel (21 Prozent), Anlasser (16 Prozent), Heizungsregler (14 Prozent) • die Zuverlässigkeit des Lada ist bestürzend schlecht: Insgesamt 36 Prozent der Leser blieben unterwegs liegen. Die Gründe sind vielfältig: Lichtmaschine, Getriebe, Zündung (1.6), Keilriemen (1.9D), Antriebswellen, Magnetventil der Einspritzung (1.7i). Einziger Lichtblick: problemloser Start beim 1.9D.

Reparaturkosten Preise inklusive Mehrwertsteuer am Beispiel eines Lada Niva 1.7i, Baujahr 1997. Wirklich billig sind lediglich Bremsenteile und der kurzlebige Auspuff. Für Lichtmaschine und Anlasser muss man ordentlich in die Tasche greifen.

Fazit und Technik

Fazit "Wer Niva fahren will und sich nicht selbst zu helfen weiß, sollte die Telefonnummer der Pannendienste auswendig wissen. Das Risiko, mit dem Lada liegen zu bleiben, ist hoch. Man muss sich trösten mit dem unübertroffen niedrigen Preis und der superbilligen Versicherung. Der 1.7i ist die empfehlenswerteste Version: billiger als der 1.9D, zuverlässiger als der 1.6." Martin Braun, Redakteur AUTO BILD alles allrad

TechnikAllradantrieb: Permanenter Allradantrieb über manuell sperrbares Zentraldifferenzial (Kraftverteilung v:h 50:50); Geländereduktion; keine Achssperren oder Traktionshilfen • Aufbauweise: selbsttragende Stahlblech-Karosserie mit Unterzügen • Verbrauch: 1.6/1.7i: 12,5/11,5l/100 km Normal; 1.9D: 8,5l/100 km Diesel • Höchstgeschwindigkeit: 1.6: 130 km/h; 1.7i: 136 km/h; 1.9 D: 128 km/h

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.