Gebrauchtwagentest Mercedes CLK

Gebrauchtwagentest Mercedes CLK

— 23.11.2007

Den können Sie sich gönnen

Zehn Jahre nach dem Start werden gebrauchte Mercedes CLK erschwinglich. Und zeigen erstaunliche Qualitäten.

Ganz nüchtern betrachtet, sind Coupés alles andere als vernünftig: Weniger Auto für mehr Geld, wofür soll das gut sein? Rationale Gebrauchtwagen-Käufer machen einen Bogen um die schnittigen, aber eher unpraktischen Zweitürer. Die stehen dafür bei allen hoch im Kurs, denen Eleganz wichtiger ist als dröger Nutzwert. Das gilt besonders für Exemplare mit dem Stern auf der Motorhaube. Bislang hat es nämlich noch jedes Mercedes-Coupé zum Klassiker gebracht. Ob das der CLK trotz hoher Stückzahlen schafft, wird die Zukunft zeigen. Das Zeug dazu hat er jedenfalls. Zum einen, weil seine Linie auch noch zehn Jahre nach ihrem Debüt unaufgeregt und stilvoll wirkt. Und zum anderen, weil dieser Mercedes mit beachtlichen Langzeitqualitäten aufwarten kann.

Insbesondere die Korrosisonsvorsorge scheint bei dem in Bremen gebauten Coupé deutlich besser zu sein als bei den C- und E-Klasse-Modellen Ende der 90er-Jahre. Die kämpfen heute zum Teil mit heftigen Rostproblemen. Der CLK ist in diesem Punkt jedoch ein unauffälliger Typ, selbst in unserem Kummerkasten finden wir hierzu keine Beschwerden. Und auch die Mechanik macht vergleichsweise selten Kummer. Die aus der ersten C-Klasse-Generation stammenden Technik-Komponenten sind robust und haltbar. Das gilt vor allem für die Motoren, die bei guter Pflege hohe Laufleistungen schaffen, allerdings häufiger mal zu Ölverlust neigen. Egal – dafür lässt sich selbst dem stark belasteten Kompressor von CLK 200/ 230 bislang keine auffällige Schadenhäufigkeit nachweisen.

Vier gewinnt: die Vierzylinder überzeugen

Damit sind die etwas brummigen, aber durchzugsstarken Vierzylinder erste Wahl, wenn Verbrauch und Unterhaltskosten im Rahmen bleiben sollen. Die oft nur wenig teurer gehandelten Modelle mit dem laufruhigen Sechszylinder oder gar der 430er mit dem bärenstarken V8-Triebwerk verlangen dem Halter bei den laufenden Kosten jedenfalls wesentlich mehr ab.

Keine Spaßmacher sind auch die manuellen Schaltboxen, die zwar gut durchhalten, aber mit ihrer hakeligen Bedienung nerven. Aber das war auch den Neuwagen-Käufern schon bekannt: Deshalb überwiegen bei den Gebraucht-Offerten die CLK mit Automatikgetrieben, die meist anstandslos funktionieren. Nur bei Modellen der Jahrgänge 1998 und 1999 sind vereinzelte Ausfälle bekannt. Immer gut für Ärger ist allerdings die Elektronik. Das Repertoire der Misslichkeiten erstreckt sich von defekten Wegfahrsperren, Lichtmaschinen und Anlassern über spinnende Motorsteuergeräte bis hin zu ausfallenden Komfortfunktionen wie Fensterhebern und E-Sitzen. Bei der Besichtigung eines gebrauchten CLK sollten daher alle elektrischen Helfer akribisch auf ihre Funktion gecheckt werden. Beim Cabrio ist darüber hinaus noch eine eingehende Prüfung des aufwendigen Verdecks zu empfehlen. Risse und spröde Dichtungen setzen im Alter auch hochwertigen Verdecken wie der CLK-Kapuze zu. Und sind ein triftiger Grund, nach einem anderen Exemplar Ausschau zu halten, denn allein das Original-Verdeck kostet schon 7500 Euro – ohne Einbau.

Zum Glück sind richtig heruntergekommene Exemplare beim Mercedes CLK eher selten. Im Gegenteil, sowohl Coupé als auch das Cabrio profitieren von der zumeist reiferen Erstkäufer-Klientel, die diesen Autos meist überdurchschnittlich viel Pflege und Wartung zukommen lässt. Dann dürfen auch nüchterne Gebrauchtwagenkäufer zugreifen. Selbst wenn sie für weniger Auto mehr bezahlen. Im Fall des CLK ist das auf lange Sicht vernünftig.

Fazit von Uli Holzwarth, AUTO BILD-Gebrauchtwagen-Experte

Ein Mercedes-Coupé ist immer etwas Besonderes. Das trifft auch auf den CLK zu. Allerdings nicht wegen des zeitlosen Designs, der kräftigen Motoren oder der Fahrsicherheit. Nein, das Besondere am CLK ist für mich die Langzeitqualität. Dabei stammt er aus einer Zeit, als es damit bei einigen Mercedes-Baureihen spürbar bergab ging. Doch im Gegensatz zu den C- und E-Klasse-Modellen jener Tage ist beispielsweise Rost beim CLK kein Thema. Wer nicht unbedingt das Platzangebot einer Limousine braucht, sollte den CLK also in die engere Wahl ziehen. Er ist den Mehrpreis wert.

Mercedes-Benz CLK 200 K: robuste Mechanik, anfällige Elektrik

Hubraum 1998 cm³ • Leistung 120 kW/163 PS • Höchstgeschwindigkeit 230 km/h • Testverbrauch  10,9 Liter Super/100 Kilometer • CO2-Verbrauch 256 g/km • ab 8000 Euro

Schnörkellos: Die elegante Linienführung überzeugt noch heute, ebenso der Komfort und das sichere Fahrverhalten.

Das im Bremer Mercedes-Werk gebaute CLK Coupé ist technisch eng mit der ersten C-Klasse des Typs W 202 verwandt. Deren Mechanik ist grundsätzlich solide und robust, weshalb der Antrieb des CLK auch nur selten ernsthafte Probleme bereitet. Ölverlust ist zwar immer mal wieder festzustellen, doch bei sachgemäßer Behandlung und regelmäßiger Pflege sind die Motoren gut für hohe Laufleistungen. Selbst vom Kompressor der Vierzylindermotoren ist keine Schadenauffälligkeit bekannt. Gelegentlich werden allerdings defekte Automatikgetriebe aus den Modelljahren 1998/99 gemeldet, vereinzelt auch gerissene Steuerketten.

In unserem Kummerkasten spielen solche gravierende Schäden jedoch keine Rolle. Dafür ärgern sich Leser häufiger über ausgefallene Zentralinstrumente, spinnende Comandsysteme, defekte Generatoren und Anlasser sowie über Fehler im Motormanagement. Ein Hauptaugenmerk bei der Besichtigung gilt daher der Elektrik. Im Gegensatz zur C-Klasse ist der CLK jedoch sehr gut gegen Rost geschützt. Die Achsen sind ebenfalls stabil und haltbar.
Unterhaltskosten
Inspektion 200 bis 500 Euro
Haftpflicht (14) 514 Euro (1)
Teilkasko (22) 188 Euro (1)
Vollkasko (20) 832 Euro (1)
Kfz-Steuer (Euro 4) 135 Euro
1) Onlinetarif der HUK24-Versicherung, Zulassung in Berlin, Fahrer: Versicherungsnehmer + Partner (30Jahre alt), jährliche Fahrleistung 15.000 Kilometer, Beitragssatz 100 Prozent
Ersatzteilpreise (2)
Lichtmaschine (AT) 584 Euro
Anlasser (AT) 459 Euro
Wasserumpe (AT) 401 Euro
Zahnriemen entfällt, Kette
Endschalldämpfer 497 Euro
Kotflügel vorn, lackiert 605 Euro
Bremsscheiben und -klötze vorn 478 Euro

Mercedes-Benz CLK Cabrio: komfortabel durch den Wind

Gebrauchtwagenkäufer müssen beim offenen CLK tiefer in die Tasche greifen.

Gebrauchtwagenkäufer müssen beim offenen CLK deutlich tiefer in die Taschen greifen als beim Coupé. Doch der Aufpreis lohnt sich für passionierte Sonnenanbeter. Denn selbst mit dem serienmäßigen elektrohydraulischen Stoffdach ist der CLK solide und alltagstauglich. Pluspunkte sind auch hier der gute Komfort und die hohe Fahrsicher-heit sowie die Verwindungssteifigkeit der Karosserie. Nur auf der Rückbank wird es etwas eng. An den Langzeitqualitäten des bei Karmann gebauten CLK Cabrios gibt es nichts zu kritisieren. Wie bei allen Cabrios können aber auch beim CLK Verdeck und Dichtungen im Alter rissig werden. Also Vorsicht, denn der Austausch ist teuer.

Modellgeschichte Mercedes-Benz CLK

Juni 1997 Start des Mercedes CLK Coupés (Typ C 208). Lieferbar sind zunächst zwei Vierzylinder-Triebwerke (CLK 200 mit 136 PS, CLK 230 Kompressor mit 193 PS) und der CLK 320 mit dem 218 PS starken V6-Motor, außerdem zwei Ausstattungslinien (Sport oder Elegance). Technische Neuheit ist das serienmäßige elektronische Fahr- und Zugangsberechtigungssystem ELCODE, das im CLK seine Premiere feiert. Die Preisliste beginnt bei 55.890 Mark für den CLK 200.

Juni 1998 Markteinführung des CLK Cabrios (Typ A 208), das bei Karmann in Osnabrück gefertigt wird. Zur Auswahl stehen die bereits vom Coupé bekannten Motoren und Ausstattungslinien. Serienmäßig ist unter anderem der Überschlagschutz mit sensorgesteuerten, ausfahrbaren Kopstützen im Fond. Die Preise des CLK Cabrios starten ab 68.208 Mark. Beim Coupé ergänzt ein 4,3-Liter-V8-Triebwerk mit 279 PS die Motorenpalette. Der CLK 430 kostet ab 99.992 Mark.

August 1999 Leichte Überarbeitung der CLK-Modellreihe. Neu: Gestaltung der Stoßfänger vorn und hinten, Außenspiegel mit integrierten Blinkern, ESP grundsätzlich Serie, umfangreichere Serienausstattung. Die Ausstattungslinie "Avantgarde" ersetzt die "Sport"-Ausführung. Der 4,3-Liter-V8 ist nun auch für das Topmodell des CLK Cabrios erhältlich. Das CLK 430 Cabriolet kostet ab 112.172 Mark. Neues Spitzenmodell beim Coupé ist der CLK 55 AMG, dessen 5,5-Liter-Achtzylinder-Triebwerk beeindruckende 347 PS leistet.

Kräftige Basis: Der Zweiliter-Kompressor gefällt mit seiner Durchzugskraft.

Juni 2000 Verbesserte Vierzylinder-Motoren. Neues Einstiegsmodell ist der CLK 200 Kompressor mit 163 PS, der den 200er-Saugmotor ersetzt (ab 63.336 Mark). Der überarbeitete 2,3-Liter-Kompressormotor leistet jetzt 197 PS und erfüllt nun wie alle verfügbaren CLK-Triebwerke die Euro-4-Abgasnorm. Die Vierzylinder-Modelle sind ab Werk mit einem neuen Sechsgang-Schaltgetriebe ausgestattet.

Mai 2001 Sondermodell "Master Edition" des CLK Coupés mit 17-Zoll-Alu-Rädern, AMG-Verkleidungen an Front, Heck und Schwellern und weiteren sportlichen Ausstattungsdetails. Die Preise: ab 37.352 Euro (CLK 200 Kompressor "Master Edition").

März 2002 Sonderserie "Final Edition" der CLK Cabrios mit Leder-Alcantara-Sitzen, speziellen 17-Zoll-Alurädern, Holz-Leder-Lenkrad und vielen weiteren speziellen Ausstattungsdetails (alle Motorvarianten, ab 33.408 Euro).

Mai 2002 Start der Zweitauflage des CLK Coupés (Typ C 209).

Mai 2003 Markteinführung des neuen CLK Cabrios (Typ A 209).

Autor: Uli Holzwarth

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