Gebrauchtwagentest: Mercedes CLS — 18.10.2011

Luxus wird bezahlbar

Das teure Designerstück Mercedes CLS war für Normalverdiener bisher nicht erreichbar. Doch heute beginnt das Angebot Gebrauchter bei rund 18.000 Euro. Was sind die Stärken, was die Schwächen des Coupés?

Allein über das Design hat sich ein Mercedes in den vergangenen 125 Jahren nie verkauft, die Marke stand immer für technische Innovationen und gestalterische Solidität. Bis zum Juni 2004, als der CLS kam: gestreckt, niedrig, mit traumhaften Rundungen. Als hätten Designer von Jaguar und Maserati den Schwaben gezeigt, welche Blech-Skulpturen sich erschaffen lassen. Unter dem edlen Kleid entspricht der CLS (Baureihe W 219) der 2001 eingeführten E-Klasse (W 211). Vierzylinder waren tabu, los ging es mit dem 350er als V6-Benziner ab rund 55.000 Euro. Eine identisch motorisierte E-Klasse war 8000 Euro günstiger, Schönheit hat eben ihren Preis. Gebraucht ist das viertürige Coupé heute ab 18.000 Euro zu haben, allerdings mit früherem Baujahr und höherer Laufleistung, als unser hier gezeigtes Fotomodell aufweist.

Unser Testwagen: Mercedes CLS

Unser Testwagen stammt vom Mercedes-Händler Schulz AG in Zeven (Niedersachsen). Der 350 CDI Grand Edition von 2009 ist allerdings nicht für 18.000 Euro zu haben, 44.800 Euro werden hier fällig. Doch vor 20 Monaten ...

Mercedes CLS 1 von 4
Bei Tachoständen von 150.000 bis 200.000 Kilometern ist der besonders gründliche Technik-Check Pflicht, eine Untersuchung bei TÜV oder DEKRA ratsam. Und ein korrektes Scheckheft sollte der Anbieter auch vorweisen können. Weit verbreitet sind auch die 500er mit V8, oft kaum teurer als der 350er. Das obere Ende bilden die AMG-Versionen, mit maximal 514 PS im CLS 63. Wirtschaftlicher sind die Diesel, 320 oder 350 CDI (ab 2009) besitzen den gleichen Dreiliter-V6, auch wenn die Typenbezeichnung anderes suggeriert. Allerdings wurden die oft von Vielfahrern geordert, entsprechend hoch sind nach ein paar Jahren die Tachostände. Schnäppchen lassen sich eher bei den Benzinern finden, wie beispielsweise der CLS 350, auf den wir uns hier bei Kosten und technischen Daten beziehen (siehe Tabellen unten). Und deren geschliffener Motorklang passt ohnehin besser zu einem Gleiter wie dem CLS als der kernige Slang der Diesel. Übrigens, manche Kunden hatten doch etwas zu meckern. Als Ende 2010 die Nachfolge-Generation des Coupés vorgestellt wurde, maulten nicht wenige: Der Alte sah aber besser aus!

Der Mercedes CLS im autobild.de-Gebrauchtwagenmarkt

Kosten für die empfohlene Motorvariante CLS 350 (200 kW/272 PS)
Unterhaltskosten
Testverbrauch – CO2 13,0 l S/100 km – 241 g/km
Inspektion 250 bis 650 Euro
Haftpflicht (22)* 828 Euro
Teilkasko (28)* 338 Euro
Vollkasko (28)* 1886 Euro
Kfz-Steuer (Euro 4) 236 Euro
* Onlinetarif der HUK24-Versicherung, Zulassung in Hamburg, Fahrer: Versicherungsnehmer und Partner (25 Jahre alt), jährliche Fahrleistung 15.000 km, Beitragssatz 100 Prozent.
Ersatzteilpreise*
Lichtmaschine (AT) 960 Euro
Anlasser (AT) 645 Euro
Wasserpumpe 470 Euro
Zahnriemen entfällt, Kette
Endschalldämpfer (beide) 1240 Euro
Kotflügel vorn, lackiert 755 Euro
Bremsscheiben und -klötze vorn 585 Euro
*inklusive Lohnkosten und 19 Prozent Umsatzsteuer
Technische Daten
Motor V6/vorn längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4
Hubraum 3498 ccm
kW (PS) bei U/min 200 kW (272 PS) bei 6000/min
Nm bei U/min 350 Nm bei 2400/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
0–100 km/h 6,6 s
Getriebe/Antrieb Siebenstufenautomatik/Hinterradantrieb
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 80 l/Super
Länge/Breite/Höhe 4910/1870/1375 mm
Kofferrauminhalt 505 l
Leergewicht/Zuladung 1770/425 kg
Hendrik Dieckmann

Hendrik Dieckmann

Fazit

Ich gebe es zu: Es war Liebe auf den ersten Blick. Diese Linie, diese Rundungen. Doch im Alltag ist ein CLS wie ein Topmodel, das nicht kochen kann – unvollkommen. Der niedrige Einstieg nervt, die schlechte Übersichtlichkeit auch. Dann doch lieber eine preiswertere E-Klasse.

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