Gebrauchte Colt, Micra, Starlet

Gebrauchtwagentest Starlet, Micra, Colt

— 17.10.2007

Auch im Alter noch bekömmlich?

Japanische Kleinwagen haben den Ruf, besonders zuverlässig zu sein. Deutlich wird das auch bei den Gebrauchten um 3000 Euro. Mitsubishi Colt, Nissan Micra und Toyota Starlet im Gebrauchtwagentest.

Nach den Statistiken der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leben die Japaner besonders lange. Das bestätigt auch der TÜV - nur meint der nicht die Menschen, sondern die Autos. Und auch die Pannenstatistiken bestätigen immer wieder die Haltbarkeit der Wagen aus Nippon. Während die Menschen von ihrer gesunden Ernährung profitieren, verzichten die japanischen Autos auf anfällige Technik – gut für ein sorgenfreies Alter. Besonders deutlich wird das bei den gebrauchten Kleinwagen der Billig-Preisklasse um 3000 Euro. Egal ob Mitsubishi Colt, Nissan Micra oder Toyota Starlet – alle drei Japaner bedienen sich der ausgereiften Technik ihrer Vorgängermodelle. Sind also japanische Stadtflitzer immer die bessere Wahl, wenn die finanziellen Mittel beim Gebrauchtkauf begrenzt sind?

Nicht immer. Selbst die gesündeste Ernährung kann einem auf den Magen schlagen, und der anspruchsloseste Billigwagen entpuppt sich womöglich als fiese Grotte. Auffällig ist beispielsweise die Rostanfälligkeit vieler Modelle, besondere bei Mitsubishi Colt und Nissan Micra. In diesem Punkt, der natürlich in keiner Pannenstatistik auftaucht, scheinen die japanischen Hersteller die Kostenbremse etwas zu fest angezogen zu haben. Auch bei gebrauchten Mazda 121, Daihatsu Sirion oder dem Zwillingspärchen Suzuki Swift und Subaru Justy empfiehlt es sich, alle sensiblen Stellen wie Blechkanten, Unterboden und Auspuff sehr genau zu kontrollieren.

Schwächen zeigen einige Typen (Colt, Micra, Swift, Starlet, 121) auch bei der Kraftübertragung. So sind Kupplung und Getriebe dem Alltagsstress nicht immer gewachsen - und zerkleinern womöglich viel Geld in der Werkstatt. Dafür macht die Elektronik kaum Ärger. Wie sollte sie auch - viele komplexe Bauteile sind gar nicht erst an Bord. Beim Toyota Starlet fehlt beispielsweise das ABS. Kein Wunder, unter dem zaghaft gestrafften Blechkleid des Typs P9 steckt die bewährte, aber schon im Erscheinungsjahr 1996 veraltete Technik der Vorgängermodelle.

Der Preis für die hohe Zuverlässigkeit: wenig Platz, schlappe Bremsen und fehlende Sicher-heitseinrichtungen - Seitenairbags gibt es nicht. Dennoch ist ein gepflegter Starlet für preissensible Secondhandkäufer eine gute Wahl, weil kaum Risiken drohen. Auch Micra oder Colt zählen letztlich zu den Kleinwagen mit Nehmerqualitäten. Zeigt das besichtigte Gebrauchtexemplar keine der angesprochenen Schwächen, lässt sich auch mit diesen Autos gut leben. Statistisch betrachtet sogar besser als mit vielen anderen. Eine Garantie für sorgenfreie Fahrt gibt es aber nicht. Denn Statistiken haben nun mal den Fehler, dass bedauernswerte Einzelschicksale in der Masse untergehen.

Mitsubishi Colt 1300: Innen eng, unten oft rostig 

Hubraum 1299 cm³ • Leistung 55 kW/75 PS • Höchstgeschwindigkeit 170 km/h • Testverbrauch 8,0 Liter Benzin/100 Kilometer • CO2-Ausstoß 186 g/km • ab 3000 Euro bei Laufleistungen um 60.000 Kilometer

Nur mit zwei Türen: Der Colt ist innen ein Kleinwagen, hat außen aber fast Kompakt-Maße.

Der nur zweitürig erhältliche Mitsubishi Colt (Typ EJ0) ist ein ordentlich verarbeiteter Kleinwagen mit wenig Platz auf der Rückbank und im Kofferraum. Er gefällt mit braven Fahreigenschaften und einem übersichtlichen Cockpit, federt aber rustikal, bremst nicht toll und nervt mit rauem Motorlauf. Dafür hält das Triebwerk ewig, sofern der Zahnriemen und die Spannrollen rechtzeitig getauscht werden. Für Probleme sorgen bei höheren Laufleistungen mitunter mürbe Zündkabel und defekte Verteilerkappen. Austauschreif sind dann meist auch die Stoßdämpfer, unter Umständen - bei viel Stadtverkehr - auch die Kupplung. Gern schlagen im höheren Alter die Antriebswellen aus; es schwächeln die Synchronringe des Getriebes, die Bremsen und der Auspuff. Achtung: Bei ungepflegten Typen ist Rost an tragenden Teilen ein ernstes Problem. Genau hinsehen!

Das AUTO BILD-Urteil Im Preisbereich um 3000 Euro ist beim Colt in der Regel nur der 1300er-Basismotor mit 75 PS zu bekommen. Der raue Dreiventiler ist ausreichend flott und relativ sparsam. Außerdem überzeugt der Motor mit seiner langlebigen Konstruktion.

Nissan Micra 1.3: Auch er kann ordentlich gammeln

Hubraum 1275 cm³ • Leistung 55 kW/75 PS • Höchstgeschwindigkeit 170 km/h • Testverbrauch 7,8 Liter Super/100 Kilometer • CO2-Ausstoß 181 g/km • ab 3300 Euro bei Laufleistungen um 80.000 Kilometer

Klassisches Erscheinungsbild: Der Nissan Micra ist ein Kleinwagen der althergebrachten Art.

Der Nissan Micra des Typs K11 zählt zu den Frauenverstehern unter den Autos. Die lieben den Kleinen vor allem für die Übersichtlichkeit und sein flinkes Handling in der Stadt. Außerdem gibt es den Micra auch mit vier Türen - sehr praktisch. Punkte sammelt der Nissan darüber hinaus mit seinem sicheren Fahrverhalten und dem akzeptablen Komfort. Hinten und im Kofferraum wird es jedoch eng. Weniger gut ist es auch um die Dauerhaltbarkeit der adrett gestylten Karosse bestellt, denn werkseitig fehlt ein ausreichender Rostschutz. Mit älteren Micra kann es deshalb Trennungsangst vor TÜV-Terminen geben. Schwächen zeigt der Micra auch bei den Bremsen. Hoher Verschleiß, schlechte Wirkung, rostende Bremsleitungen - hier müssen Interessenten bei der Besichtigung eines Gebrauchten dreimal hinschauen. Ebenfalls bekannt sind kratzende Getriebe (defekte Synchronringe), verschlissene Kupplungen, Ölverlust am Antriebsstrang, streikende Anlasser und Fensterheber sowie defekte Zylinderkopfdichtungen beim Einliter-Basismotor. Kleiner Trost: Dafür entfallen dank Kette teure Zahnriemenwechsel.

Das AUTO BILD-Urteil Der Micra ist in der Preisklasse um 3000 Euro meist nur mit dem Einliter-Basismotor zu haben. Der genügt in der Stadt, ist aber auf der Autobahn nicht richtig vollgasfest. Wer oft längere Strecken fahren muss, nimmt lieber den 1.3 mit 75 PS.

Toyota Starlet 1.4: Solide Technik, aber wenig Platz

Hubraum 1332 cm³ • Leistung 55 kW/75 PS • Höchstgeschwindigkeit 170 km/h • Testverbrauch 8,2 Liter Super/100 Kilometer • CO2-Ausstoß 190 g/km • ab 2800 Euro bei Laufleistungen um 60.000 Kilometer

Schön ist anders: Der Starlet lock mit inneren Werten, weniger mit seinem Äußeren.

So unscheinbar Toyotas Starlet auch wirkt, in den TÜV-Statistiken ist der kleine Japaner ein ganz Großer. Bei den Hauptuntersuchungen schneidet der Starlet seit jeher überdurchschnittlich gut ab. Dennoch ist der Statistik-Primus kein Typ für alle Fälle - weil das Platzangebot und der Fahrkomfort eher bescheiden ausfallen. Insassen über 1,80 Meter haben mangels Verstellmöglichkeiten Probleme, eine entspannte Sitzposition zu finden. Nicht weit her ist es auch mit der Sicherheit. ABS gab es nicht, und der Beifahrer-Airbag war erst ab 1998 Serie. Dafür zickt die Technik des Starlet nur selten. Der nicht besonders sparsame Motor ist ein robuster Langläufer, selbst der Zahnriemen - bei vielen Konkurrenten immer wieder ein Pannengrund - ist kein auffälliges Bauteil. Probleme gibt es höchstens bei Exemplaren, die viel im Stadtverkehr laufen: Die Kupplung ist nicht allzu standfest. Weitere Schwächen: mürbe Zündkabel, defekte Schlösser, Beleuchtungsausfälle. Rost ist dagegen untypisch und höchstens an Auspuff und Schnittkanten zu finden. Top: das stabile Fahrwerk.

Das AUTO BILD-Urteil Toyotas Starlet gibt es seit 1990 nur mit einer Motorisierung. In der fünften Generation (1996 bis 1999) war es der 1.4, ein anspruchsloses und robustes Triebwerk. Besonders empfehlenswert sind Modelle ab 1998 mit Doppelairbag ab Werk.

Uli Holzwarth, AUTO BILD-Gebrauchtwagen-Experte, zum Toyota Starlet Wer mit ganz besonders spitzem Bleistift rechnen muss, macht mit einem der japanischen Kleinwagen grundsätzlich nichts falsch. Völlig frei von Problemen sind sie jedoch nicht - trotz guter Platzierungen in der Pannenstatistik. Wem es nur darum geht, möglichst billig und zuverlässig von A nach B zu kommen, der sollte nach einem guten Toyota Starlet suchen - trotz dessen veralteter Technik.

Weitere Kleinwagen aus Japan: Daihatsu Sirion

Daihatsu Sirion: ab 3000 Euro bei Laufleistungen um 50.000 Kilometer.

Der Daihatsu Sirion der ersten Generation (Typ M1) wirkt zwar etwas hausbacken, versteckt unter seinem betulichen Äußeren aber zuverlässige Technik. Die Mechanik bereitet kaum Probleme, wenngleich Motor und Getriebe öfter mal unschöne Ölspuren zieren. Besonders Sparfüchse kommen beim hochmodernen Einliter-Basistriebwerk auf ihre Kosten. Der Dreizylinder begnügt sich nämlich bei etwas zurückhaltendem Gasfuß mit rund sechs Litern. Weniger überzeugend: karger Komfort, knapper Gepäckraum, schwacher Rostschutz - und die vereinzelt auftretenden Elektronikstörungen.

Honda Logo

Honda Logo: ab 4200 Euro bei Laufleistungen um 50.000 Kilometer.

Der nur von 1999 bis 2001 angebotene Honda Logo ist als Gebrauchtwagen relativ selten anzutreffen. Ein Grund ist sicher die hohe Zufriedenheit der Besitzer. Denn der eher einfach gestrickte und nur als Zweitürer erhältliche Kleinwagen zählt zu den zuverlässigsten Autos auf dem Markt, Schwächen der Mechanik sind unbekannt. Dem Logo fehlt es jedoch an Variabilität und Platz auf der Rückbank sowie im Kofferraum. Seitenairbags sucht man ebenso vergeblich, außerdem ist der Verbrauch des 1300ers ein wenig zu hoch. Gut gelungen sind dafür das Fahrwerk und die Bremsen mit ABS.

Mazda 121

Mazda 121: ab 1500 Euro bei Laufleistungen um 80.000 Kilometer.

Charakter-Typen wie der Mazda 121 tun sich in der Kleinwagenklasse schwer. Okay, das Äußere des pummeligen Viertürers mit dem kleinen und unpraktisch zu beladenden Stummelheck ist sicher nicht jedermanns Sache. Doch Platz- angebot, Temperament und Fahr- spaß können in der 72-PS-Variante durchaus überzeugen, was nicht zuletzt am riesigen Faltdach liegt. Das ist im Alter jedoch selten in Ordnung. Außerdem kämpft der 121 mit Rost. Wenig standfest sind darüber hinaus Auspuff, Kupplung, Getriebe und Achslager. Weitere Schwächen des Rundstücks: Ölverlust, Elektronikstörungen, Zahnriemenprobleme.

Subaru Justy

Subaru Justy: ab 2800 Euro bei Laufleistungen um 60.000 Kilometer.

Der Subaru Justy ist nicht sehr weit verbreitet. Das Besondere an ihm ist zweifellos der Allradantrieb, weshalb der Justy vor allem in bergigeren Regionen anzutreffen ist. Im Flachland hingegen erfreut sich der baugleiche Suzuki Swift mit Vorderradantrieb einer größeren Beliebtheit. Bei den beiden Zwillingen handelt es sich um rustikale Kleinwagen nach altem Strickmuster. Finessen in Sachen Variabilität und Raumkonzept? Gibt's nicht. Kupplung und Getriebe schwächeln für einen Japaner erstaunlich oft, ebenso einige Elektronik-Bauteile. Und im Alter sorgt Rost häufig für Probleme.

Autor: Ulrich Holzwarth

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