Gebrauchtwagentest VW Touareg — 22.01.2009
Die Elektronik ist schuld
Mechanische Schäden an einem gebrauchten VW Touareg sind selten, dafür kann es Probleme mit der Elektrik geben. Das ist wohl der Preis für die unzähligen Komfortextras des großen SUV.
Phaeton und
Touareg — beide Luxus-Volkswagen waren zu Beginn dieses Jahrzehnts nicht nur eine Sensation, sondern auch eine Mutprobe für
VW. Zumindest im Falle Touareg hat es sich auch wirtschaftlich gelohnt, denn der wuchtige Geländewagen verkaufte sich von Beginn an so gut, dass Volkswagen bereits mit der ersten Generation Gewinn macht. Aber der Touareg schaffte noch mehr: Er machte
VW auch jenseits der 50.000-Euro-Marke salonfähig und brachte den VW-Händlern Kunden ins Haus, die früher nie an einen
VW dachten. Dies zeigt auch unsere Fragebogenaktion zum Touareg.
Wichtiger Kaufgrund für den Touareg: das Design
Das vollwertige Reserverad am seperaten Träger kostet stets Aufpreis.
Nur 29 Prozent unserer Touareg-Besitzer fuhren schon zuvor einen VW, wobei nicht wenige nun schon den zweiten Touareg vor der Tür stehen haben. 21 Prozent der Touareg-Besitzer kamen von der teuren VW-Tochter
Audi, 14 Prozent von Mercedes und 5 Prozent von
BMW. Insgesamt 33 Prozent hatten bereits zuvor einen Geländewagen, nicht selten eine ältere Mercedes
M-Klasse, einen
Mitsubishi Pajero, einen
Land Rover Discovery oder einen
Nissan Patrol. Und warum wurde dann der Touareg angeschafft? Ganz wichtig waren Aussehen (93 Prozent), Wintertauglichkeit (68 Prozent), Geländetauglichkeit (47 Prozent), Zuverlässigkeit (43 Prozent) und — ein heutzutage gern unterschätztes Argument — die Nähe zur nächsten Vertragswerkstatt (41 Prozent).
| Modellgeschichte
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| 2002 |
Einführung des VW Touareg als 3.2 V6 (220 PS) oder als 5.0 V10 TDI (313 PS)
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| 2003 |
Weitere Motorisierungen: 2.5 R5 TDI mit Fünfzylinder-Turbodiesel (174 PS) und 4.2 V8 (310 PS)
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| 2004 |
zusätzlich 3.0 V6 TDI mit V6-Turbodiesel (225 PS), 3.2 V6 nun 241 PS
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| 2005 |
zusätzlich 6.0 W12 (450 PS)
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| 2006 |
3.6 FSI (280 PS) ersetzt 3.2 V6, 4.2 V8 FSI (350 PS) ersetzt 4.2 V8
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| 2007 |
Facelift mit neuer Frontpartie, neuen Heckleuchten, Sitzen, zusätzlichen Extras
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Zahlreiche Elektronik-Probleme
Mit der Zuverlässigkeit hapert es da und dort. Es gibt zwar keine flächendeckenden Klagen, aber reichlich Ärgerlichkeiten, die fast immer mit der Elektrik zu tun haben: Kriechströme bei abgestelltem Fahrzeug, defekte Standheizungen, wirr leuchtendes Xenon-Licht und unmotiviert blinkende Kontrolllampen erschüttern bei einigen Touareg-Besitzern den Glauben an die Zuverlässigkeit Ihres Gefährts. VW geht dabei offenbar recht zuvorkommend mit der sensiblen Kundschaft um. So wurden auch lange nach Ablauf der Garantiezeit reihenweise die zahlreich zusammengebrochenen Batterien ausgetauscht, ohne diese zu berechnen. Das wirkt, denn in der Kritikliste der Touareg-Fahrer steht mangelnde Zuverlässigkeit ganz weit unten (4 Prozent), obwohl immerhin 20 Prozent der Leser-Touareg mindestens einmal nicht starten wollten und 12 Prozent sogar unterwegs liegen blieben.
Zuverlässig: V8-Benziner
Die Defektbilanz ist unterschiedlich. Zum einen erhöhen Sonderausstattungen offenbar das Schadensrisiko. Dabei seien vorrangig Standheizung, Xenon-Licht und der schlüssellose Zugang genannt. Zum anderen kommt es auf den Motor an. Die Benziner, egal wie viele Zylinder, sind dabei weitgehend unproblematisch, vor allem der 4,2-Liter-V8. Anders die Turbodiesel. Hier hat jeder — neben der Komfortelektronik — so seine zusätzlichen Problemstellen. Der sparsame, aber rau laufende R5 TDI krankt zuweilen an einer defekten Wasserpumpe sowie Störungen im Zusammenhang mit dem Partikelfilter und der Kraftstoffqualität. Beim bärenstarken V10 TDI sieht es genauso aus, dazu kommen noch vereinzelt Schäden an Automatik und Verteilergetriebe.
| Ersatzteilkosten*
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| Kotflügel vorn
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319 Euro
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| Scheinwerfer komplett
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350 Euro
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| Bremsscheiben vorn
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196 Euro
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| Bremsbeläge vorn
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186 Euro |
| Automatikgetriebe (AT)
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4008 Euro |
| Motor ohne Anbauteile (AT-Rumpf)
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6565 Euro |
| Generator (AT)
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438 Euro |
| Anlasser (AT)
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308 Euro |
| Wasserpumpe (neu)
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91 Euro |
| Auspuff ohne Kat
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641 Euro |
| *Preis inklusive Mehrwertsteuer und ohne Montage am Beispiel eines Touareg 2.5 R5 TDI Automatik, Baujahr 2004
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Über 60 Prozent der Touareg-Fahrer bleiben bei VW
Besser macht sich da der beliebte V6 TDI (Anteil 56 Prozent), der lediglich mit Elektronikdefekten kämpft. Hier sind die Besitzer allerdings schwer enttäuscht vom Verbrauch. Zahlreiche Anmerkungen zeugen von Grimm, weil der stärkere V10 TDI bei gleichem Tempo kaum mehr schluckt als der V6 TDI. Generell ist jedoch die Steuerlast der Hauptkritikpunkt (30 Prozent), noch vor dem knappen Laderaum (26 Prozent). Ebenfalls recht zufrieden sind die Touareg-Besitzer mit den VW-Werkstätten; 87 Prozent beurteilen sie positiv. Durchschnittlicher Inspektionspreis: 570 Euro. Kritisch wird es erst bei der Wahl des nächsten Fahrzeugs. Immerhin 52 Prozent wollen wieder einen Touareg, dazu 11 Prozent den kleineren
Tiguan. Weitere 12 Prozent bleiben im Konzern und nehmen den neuen
Audi Q5 — macht insgesamt 75 Prozent für den VW-Konzern. Abwanderer zieht es offenbar zu Mercedes (4 Prozent),
BMW und
Porsche (je 2 Prozent).
Nur durchschnittliche Zuverlässigkeit
Die Armaturenanlage wirkt edel, Schalter und Hebel sind günstig platziert.
Die Bremsscheiben halten 20.000 bis 100.000 Kilometer — von der Fahrweise abhängig. Der Touareg stellt hohe Anforderungen an die Batterie. Bei 15 Prozent der Leser-Touareg musste sie vorzeitig erneuert werden, oft nach nicht einmal zwei Jahren. Rost kommt so gut wie nie vor, Ölundichtigkeiten ab und zu beim 2.5 R5 TDI (9 Prozent). Bei 13 Prozent der 2.5 R5 TDI machte die Kühlwasserpumpe vorzeitig schlapp. Die Zuverlässigkeit ist gerade noch durchschnittlich: 20 Prozent der Leser-Touareg wollten nicht starten (zwei Drittel mit zusammengebrochener Batterie, der Rest wegen Steuergerätefehler), 12 Prozent blieben unterwegs liegen. Diese Pannen wurden überwiegend von defekten Motorsteuergeräten verursacht, am häufigsten bei 2.5 R5 TDI und 3.0 V6 TDI. Die Benziner haben weit weniger Probleme mit der Elektronik.
| Daten und Gebrauchtpreise
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| Typ
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Höchstgeschwindigkeit
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Verbrauch
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Preisniveau
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| 3.2 V6
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206 km/h
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15 l/100 km
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ab 16.000 Euro
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| 3.6 V6 FSI
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215 km/h
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14 l/100 km
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ab 30.000 Euro
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| 4.2 V8
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225 km/h
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16 l/100 km
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ab 20.000 Euro
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| R5 TDI
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189 km/h
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9,5 l/100 km
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ab 18.750 Euro
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| V6 TDI
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207 km/h
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11,5 l/100 km
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ab 25.000 Euro
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| V10 TDI
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222 km/h
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13 l/100 km
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ab 30.000 Euro
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| Allradantrieb |
permanenter Allrad über Zentraldifferential mit elektronisch geregelter Lamellensperre, auch manuell sperrbar (vorn:hinten 50:50), 100 Prozent Achssperre hinten (Aufpreis), elektronisch geregelter Bremseingriff vorn und hinten, Geländereduktion 2,66:1
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| Aufbau |
selbsttragende Stahlblechkarosserie
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Fazit von AUTO BILD-Redakteur Martin Braun
Die VW-Werkstätten tun offenbar ihr Möglichstes. Aber die komplexe Elektronik eines mit Komfortextras versehenen Touareg ist eben nicht einfach zu durchblicken. Der Gebrauchtkäufer sollte daher schlichtere Versionen bevorzugen: Wenigfahrer am besten einen 4.2 V8, Vielfahrer trotz des nicht wirklich niedrigen Verbrauchs einen 3.0 V6 TDI, möglichst ohne Xenon-Licht, schlüssellosen Zugang (Keyless-Go) und vor allem ohne Standheizung. Achten Sie nach einer Probefahrt mit einem R5 TDI oder V10 TDI auf Dieselruß an der Heckpartie, auch bei Filterfahrzeugen.
Thema Elektrik: Vergewissern Sie sich, dass wirklich alles funktioniert. Nehmen Sie aufleuchtende Kontrolllampen ernst!