Gefälschter Smart aus China

Gefälschter Smart aus China Gefälschter Smart aus China

Gefälschter Smart aus China

— 12.10.2006

Wer stoppt die Chinesen?

Dreister geht es nicht: 2007 soll ein gefälschter Elektro-Smart auf den Markt kommen. Nach Deutschland wird es es aber kaum schaffen.

Smart-Chef Ulrich Walker war völlig ahnungslos. Erst durch einen Anruf von AUTO BILD erfuhr der Topmanager: Die Firma CMEC aus Suzhou in China hat seinen fortwo nachgebaut – und zwar eins zu eins! Walker wollte sich zunächst nicht äußern, kurz vor Redaktionsschluss erreichte uns dann doch noch die Reaktion des spürbar verärgerten Firmenbosses: "Wir kennen dieses Fahrzeug nicht. Da es aussieht wie ein Smart fortwo, scheint es mir aber ziemlich unverfroren, unser einzigartiges Konzept kopieren zu wollen."

Im Innenraum unterscheidet sich das Plagiat deutlich vom Original: Billigere Optik ist kaum möglich.

Größter Unterschied zum Original: Ein Elektromotor treibt das Plagiat an, laut Hersteller schafft das Batterie-Wägelchen 100 Kilometer Reichweite und 55 km/h Spitze. "Unser City Smart wurde ausschließlich für Europa entwickelt", sagt CMEC-Manager Jerry Chen. Die ersten Exemplare seien bereits über Hamburg eingeschifft worden und befänden sich jetzt in Großbritannien und Ungarn. Dort soll der falsche Smart laut CMEC ab 2007 verkauft werden – für 4200 Euro. Der China-Klon sieht seinem Vorbild äußerlich verblüffend ähnlich. Nur an Türgriffen, Außenspiegeln und am Tankdeckel finden sich minimale, im Innenraum dagegen krasse Unterschiede. Das zerklüftete China-Cockpit gleicht eher einem Stapel Brennholz als dem durchgestylten Vorbild aus Europa.

Die Kopie ist dermaßen frech, dass sie es sogar schon zum Politikum geschafft hat. "Es kann nicht sein, dass die Chinesen dreist deutsche Technik kopieren. So werden Innovationen ausgebremst", sagt der FDP-Wirtschaftsexperte im Bundestag, Rainer Brüderle, "ohne Achtung des Eigentums kann es keinen freien Welthandel geben." Die Chancen, dass der Billigsmart tatsächlich in Deutschland verkauft wird, gehen gegen null. Denn die Smart GmbH hat sich den fortwo am 15. Dezember 1999 beim Harmonisierungsamt für Marken, Muster und Modelle in Alicante (Spanien) europaweit als dreidimensionale Marke schützen lassen (Aktenzeichen 142 3482). Prof. Volker Jänich, Markenrechtler an der Uni Jena, sagt: "Smart kann die Plagiate an der Grenze beschlagnahmen lassen und von CMEC Unterlassung verlangen."

Doch das interessiert im fernen China, dem größten Copyshop der Welt, erst mal keinen. Denn die Gründe für die Kopierwut sind fest verwurzelt in der chinesischen Tradition, dem Konfuzianismus. "Das Imitieren von Vorbildern hat in China eine lange Tradition und ist fester Bestandteil des Bildungswesens", sagt Sinologe Jari Grosse-Ruyken von der Uni Bonn. Die Europäische Kommission will jetzt mit einem strengen Kopierschutz gegensteuern. Eine entsprechende Richtlinie wird von den EU-Mitgliedsstaaten gerade in nationales Recht umgesetzt. Außerdem sollen Fälscher hohe Haft- und Geldstrafen kassieren – wenn man sie erwischt.

Sie wollen uns Ihre Meinung zu diesem Thema sagen? Schreiben Sie uns! Stichwort: China-Smart. • Post: Auto Bild, Brieffach 3940, 20350 Hamburg • Fax: 040/ 34 56 60 • E-Mail: redaktion@autobild.de

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