Geiger Hummer H2

Geiger Hummer H2 Geiger Hummer H2

Geiger Hummer H2

— 17.05.2004

Geiger Kasten

Zugegeben: Man braucht zum Brötchenholen weder ein Auto wie ein Einfamilienhaus noch 533 PS oder eine Wattiefe von 50 Zentimetern. Wer aber unbedingt auffallen will, für den gibt es nichts Besseres.

20-Zoll-Räder schlucken 80 PS

Das Schönste an der Tuning-Branche ist, dass sie vor rein gar nichts zurückschreckt. Der eine poliert einen Maybach 57 auf 620.000 Euro, der Nächste befeuert einen Audi TT mit zwei Motoren. Und ein Dritter pumpt einen monströsen Geländewagen auf zum Supersport-(Last)wagen. Geiger aus München knöpft sich den Hummer H2 vor und pflanzt mit Vorliebe mächtige Kompressoren unter die kantigen Hauben.

Karl Geiger dealt als deutscher Hummer-Vertreter hochoffiziell mit der halbwegs zivilen H2-Version – und schon bald sollen seine gestärkten Exemplare auch Werksgarantie erhalten. Denn die von ihm verwendeten mächtigen Druckmacher stammen direkt von der Hummer-Konzernmutter General Motors und passen perfekt auf jeden 5,3- und Sechsliter-GM-Motor.

So werden aus den 316 des Basis-H2 stramme 533 PS. Damit das Viergangautomatikgetriebe nicht bereits nach den ersten heftigen Anfahrmanövern haltlos verraucht, hat Geiger die Getriebeelektronik so umprogrammiert, dass bei Vollgas die Schaltpunkte unterhalb der maximalen Leistungsabgabe liegen. Ohnehin ist einiger PS-Schwund zu beklagen. Denn die von Geiger montierten 20-Zoll-Räder mit straßentauglichen 325/60-R-20-S-Pneus schlucken mal eben rund 80 PS Leistung.

Luxus pur auf der ganzen Linie

Zusätzlich zur Kompressor-Aufrüstung und Elektronik-Anpassung hat Geiger noch die Abgasanlage ab Kat modifiziert – und eine Anhängekupplung angebaut. Alle weiteren Feinheiten sind bereits ab Werk an Bord: das optionale Luxuspaket mit Lederausstattung, Soundsystem und Chrom sowie die Einzelextras Luftfederung, Rammbügel, ein zusätzlicher Sitz im Kofferraum und gewaltige Abschlepphaken. Das Gesamtergebnis ist ein Geiger-Kasten, der trotz 3,1 Tonnen Gewicht dank permanentem Allradantrieb jeden normalen Kleinwagen beim Ampelstart verbläst. In 8,8 Sekunden von null auf 100 km/h ist normal schon schnell. Im Hummer wirkt es gigantisch – begleitet von kräftigem, dumpfem Fauchen aus dem Auspuff. Allerdings: Das typische V8-Blubbern im Leerlauf findet nicht statt.

Was am meisten überrascht: Der riesige H2 ist kinderleicht zu fahren. Jede Sitzposition ist mittels zwölffacher elektrischer Verstellmöglichkeit machbar, die Augen blicken aus einer Höhe von etwa 1,7 Metern über Grund leicht herablassend auf den Rest der Straßenbenutzer. Massive Servounterstützungen für Bremse und Lenkung erleichtern das Fahren ungemein, nur das schwammige Feeling durch die dicken Reifen ist Geländewagen-typisch. Wirklich gewöhnungsbedürftig ist die Breite von rund 2,4 Metern samt Außenspiegeln. Wer damit in engen Wohngebieten die erlaubten 30 km/h ausnutzen will, darf keine Berührungsängste haben ...

Auf der Autobahn klettert die Tachonadel problemlos bis etwa 160 km/h, dann wird es zäh – der Tacho ist noch nicht an die Räder angepasst. Macht nichts: Die hintere Starrachse ist sowieso mehr fürs Überklettern von Stadtgewächsen gedacht als für schnelle Autobahnfahrten. Mit viel Anlauf, Rückenwind und gutem Willen erreicht der H2 knapp die von Geiger angegebenen 190 km/h. Beeindruckend, wie respektvoll selbst notorische Linksfahrer dann die Spur räumen ...

Bis zu 60 Liter Sprit auf 100 km

Bei Volllast rauschen problemlos bis zu 60 Liter Super in die Brennräume, im Mix immer noch knapp 30 Liter. Auch wenn der Motor dank Kompressorumbau Euro 4 schafft statt serienmäßiger Euro 3: Das Umwelt-Gewissen von Hummer-Fahrern darf nicht allzu sehr ausgeprägt sein. Und sie sollten immer ein Bündel Euros für Betriebsstoffe bereithalten. Nicht zu vergessen auch die Einstandssumme von 95.500 Euro für das luxuriöse 533-PS-Monster. Nein, ein Auto für arme Leute ist der Hummer nicht.

Die wenigsten Geiger-H2-Kunden nutzen ihren Hummer im Gelände. Viel häufiger wird der chromblitzende Hochbeiner von der Dame des Hauses zum Brötchenholen verwendet, auch wenn der Weg zum Bäcker keine 60-Prozent-Steigungen, 40-Prozent-Neigungen oder Treppen mit Stufenhöhen von maximal 40 Zentimetern beinhaltet. Gern wird der H2 auch für den Skiausflug zum nächsterreichbaren Gletscher genommen. Und im Frühling, wenn das Eis schmilzt, ist eine mögliche Wattiefe von einem halben Meter ja kein Nachteil. Dann mag vielleicht sogar mal das Reduktionsgetriebe vonnöten sein.

Wer künftig noch wilder im H2 unterwegs sein will: Geiger schraubt bereits an der nächsten Leistungsstufe. Mehr als 600 PS sollen es dann sein. Ziel: 250 km/h Spitze, das Ganze auf 26-Zoll-Chromfelgen und richtig schön tief gelegt. Zweifellos die krasseste Variante, mit einem Geländewagen zum Shoppen zu fahren ...

Technische Daten und Testwerte

Trotz der dicken 325er-Schluffen braucht der Geiger-Hummer 47 Meter (kalt) beziehungsweise 49.4 Meter (warm), um aus Tempo 100 zum Stillstand zu kommen.

Fazit und Preise

Fazit Brutal, brachial, maximal, genial: Für Normalverbraucher ist Geigers Hummer alles auf einmal. Zwar ist schon der Basis-H2 hierzulande völlig überflüssig, und Geigers Eingriff macht das Monstrum auch nicht gerade sinnvoller. Aber: Spaß- und Aufmerksamkeitsfaktor sind kaum zu toppen. Man sollte nur die ausreichende Summe Euros und einen passenden Parkplatz übrig haben.

Kontakt Geiger Performance GmbH, Tel. 089/ 42 71 64 13, www.geigercars.de

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