Geisterfahrer: Diskussion nach Lkw-Unfall

— 03.01.2013

Was tun gegen Geisterfahrer?

Ein Horrorunfall nach einem Lkw-Wendemanöver auf der A1 bei Bremen hat die Diskussion um Geisterfahrer in Deutschland weiter angeschoben. Auch die Verkehrsminister wollen sich des Themas annehmen.



(dpa/cj) Es ist der erste Abend des Jahres 2013. Auf der Autobahn 1 in der Nähe von Bremen herrscht wenig Verkehr. Den ganzen Tag hat es immer mal wieder geregnet, die Fahrbahnen sind feucht. Gegen 21 Uhr wendet ein Sattelzug zwischen dem Autobahndreieck Stuhr und der Abfahrt Brinkum und blockiert alle drei Fahrbahnen. Ein Auto rast unter den querstehenden Auflieger, ein 26 Jahre alter Mann und eine 20 Jahre alte Frau aus Hannover sterben in dem völlig zerstörten Pkw. Weitere Fahrzeuge verunglücken bei Ausweichmanövern, zwei weitere Menschen werden leicht verletzt. 

Lesen Sie auch: Die gefährlichsten Autobahnen

Chronologie der Geisterfahrten

1. Januar 2013

Ein betrunkener Lkw-Fahrer wendet auf der A1 bei Bremen seinen 40-Tonner. Mehrere Fahrzeuge können nicht ausweichen, zwei Menschen kommen ums Leben. Der Fahrer flüchtet und wird nach rund 25 Kilometern von der Polizei gestoppt.

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Ursache für den Horrorunfall, der der Diskussion um Geisterfahrer auf deutschen Autobahnen noch mehr Fahrt verleiht: Der 47-jährige Fahrer des Sattelzugs aus Lettland war am Autodreieck falsch auf die A1 gebogen, nach Erkenntnissen der Polizei war er betrunken. Als er seinen Fehler bemerkte, vollzog er das fatale Wendemanöver. Nach dem Unfall flüchtete er mit dem leicht beschädigten 40-Tonner in Richtung Hamburg. Nach 25 Kilometern stoppte ihn die Polizei. Er wurde festgenommen und sitzt in Polizeigewahrsam.

Übersicht: Alle News zum Thema Verkehr

Können Warnschilder an Autobahnauffahrten Falschfahrer stoppen? Ein Feldversuch in Bayern soll darüber Erkenntnisse bringen.

Geisterfahrten auf Autobahnen beschäftigen Politiker, Wissenschaftler und Automobilclubs nicht erst seit gestern. Laut ADAC sind Falschfahrer meist unter 35 Jahren alt, ihre Zahl lag im Jahr 2012 mit rund 1900 auf Vorjahresniveau. Die größte Gefahr, auf einen Geisterfahrer zu treffen oder selbst falsch aufzufahren, bestehe auf kurzen, oft wenige Kilometer langen Autobahnabschnitten. Die meisten Geisterfahrten passieren danach an Wochenenden, etwa die Hälfte haben ihren Ausgangspunkt an Anschlussstellen. Nach Angaben des Auto- und Reiseclubs Deutschland (ARCD) sind Fahrer, die zu Geisterfahrern werden, in der Regel orientierungslos, weil sie gestresst sind oder unter Einfluss von Alkohol, Drogen oder Medikamenten stehen.

Mehr Infos: Gespräch mit Verkehrsexperte Rolf Roos

Der Verkehrsexperte Rolf Roos warnt vor blindem Aktionismus gegen Geisterfahrer: "Wer im Nebel stochert, ist nicht aufzuhalten."

Nach dem neuerlichen Unfall bei Bremen wollen auch die Verkehrsminister der Länder bei ihrem nächsten Treffen im April in Flensburg über Maßnahmen beraten. Neonfarbene Warntafeln an allen Ausfahrten und Raststätten seien eine Möglichkeit, um die Sicherheit zu erhöhen, sagte der Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz, Reinhard Meyer (SPD), dem Norddeutschen Rundfunk. Es dürfe nur kein Schilderwald entstehen. In Bayern läuft seit 2010 ein entsprechender Pilotversuch. Hessen will beim Treffen in Flensburg einen Vorschlag für Metall-Krallen auf Autobahnauffahrten vorlegen. Experten halten dies aus Kostengründen jedoch für kaum realisierbar. Auch der Karlsruher Verkehrsexperte Rolf Roos warnt vor einem Aktionismus gegen Geisterfahrer. Der Sinn von zusätzlichen Schildern und Pfeilen sei fraglich: "Wer aus Unachtsamkeit die falsche Abzweigung nimmt, oder weil er gerade eine SMS schreibt oder anderweitig im Nebel stochert, der ist nicht aufzuhalten."

Geisterfahrt auf der A5: Fahrer war betrunken

Der ARCD rät Autofahrern auf dem falschen Weg, sofort das Auto am Rand abzustellen und keinesfalls die Fahrbahn zu queren. Der ADAC empfiehlt bei Warnungen vor Falschfahrern, sich rechts zu halten und das Tempo zu drosseln: "Wer die Möglichkeit hat, auf einen Parkplatz zu fahren, geht den sichersten Weg."

Geisterfahrer: Die gefährlichsten Autobahnen

A661 Darmstadt – Bad Homburg (37 km)

50 Falschfahrermeldungen 2010/2011; 67,0 Falschfahrermeldungen pro Jahr und pro 100 Kilometer.

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