Geländewagen zum Mieten

Lamborghini LM 002 Lamborghini LM 002

Geländewagen zum Mieten

— 23.10.2002

Scheich für einen Tag

Allradler als Leihwagen? Ein exotischer Offroader steht für Sie bereit: der Lamborghini LM 002, in den 80er Jahren vor allem von Ölscheichs geschätzt.

Etwas Unheimliches hat überlebt

Klar, man kann auch eine M-Klasse mieten. Aber dass man diesen 4x4-Boliden von Lamborghini bei einem Vermieter bekommt, das weiß kaum jemand. Natürlich ist der Spaß nicht billig: Einmal den Ölscheich geben, das kostet 760 Euro am Tag, inklusive Vollkasko und 200 Freikilometern (Kontakt: Special Cars, Bodenseestraße 13, 78187 Kirchen-Hausen, Telefon 07704/ 88 08, www.special-cars.de). Das Wochenende mit 600 Kilometern macht 2020 Euro – viel für einen Leihwagen, erträglich für die Erfüllung eines Traums.

Zugegeben: Schön im landläufigen Sinne ist der Lambo nicht. Typische Reaktion weiblicher Betrachter: "Eigentlich hässlich, aber er hat was." Wer ihn bloß wegen der seltsamen Form ablehnt, der hat ihn noch nicht gefahren.

An Schönheit mag der Lambo zu überbieten sein, an Dramatik nicht. Berthold Klotz (53), Chef des seit elf Jahren existierenden Verleihers Special Cars aus der Nähe von Singen, dreht den Zündschlüssel. Stöhnend müht sich der Anlasser, den V12 zum Leben zu erwecken. Für das, was dann den Boden beben lässt, reicht ein Phonzahl-Messer nicht aus, es ließe sich besser auf der Richter-Skala messen. Es bollert, brotzelt und bebt – etwas Unheimliches hat überlebt.

Rotes Leder überall, sogar am Dachhimmel

Das Kerngeschäft des Nobelauto-Verleihers vom Bodensee sind zwar Ferrari, aber Klotz mag auf dieses herrliche Untier von 1989 nicht verzichten: "Ist halt 'n schönes Winter-Auto für St. Moritz."

Wer den wohlgeformten, nach 13 Jahren noch immer straffen Fahrersitz erklimmt, blickt zunächst einmal auf die Doppelhöcker-Hutze auf der Motorhaube – so monströs, dass sich das rechte vordere Ende des Riesen bestenfalls erahnen lässt.

Im Innern: rotes Leder überall, sogar am Dachhimmel. Typisch für Exotenautos sind die Plastik-Schalter, die offenbar bei der Traktoren-Produktion des gleichen Hauses abgezweigt wurden, und Türöffner von exquisiter Scheußlichkeit, die dem Fiat-Teilefundus der 80er Jahre zu entstammen scheinen. Das Konglomerat aus Edlem und Grobschlächtigem ist Teil des Charmes. Auch der Wüsten-Lambo verfügt über die wunderbare Fähigkeit handgemachter Autos: nämlich in Würde zu altern. Jeder Knick im Leder macht ihn interessanter.

Schlichtes Schuhwerk ist angebracht

Wer den Lambo erklimmt und anlässt, dem rückt er auf die Pelle. Vor allem mit seinem mächtigen Mitteltunnel. Und der verläuft etwa auf Brusthöhe. Die Pedalerie ist so derb, dass sie das Herz eines jeden Baggerfahrers erfreuen dürfte. Erwartungsgemäß schwergängig ist die Kupplung, aber man hat zumindest nicht das Gefühl, einen Betonklotz verschieben zu müssen wie in manch anderem älteren Hochkaräter. Das Tragen schlanker italienischer Schuhe ist trotz Landmaschinen-Optik der Pedalerie dringend anzuraten: Gas- und Bremspedal liegen bedenklich nahe beieinander.

Verantwortlich für die beengten Platzverhältnisse ist auch hier – richtig, der Mitteltunnel. Schaltung und Kupplung erinnern ein wenig an die Bikes von Harley: etwas schwergängig, aber präzise. Die Bedienungskräfte addieren sich im Stadtverkehr allerdings zu einem derart intensiven Workout für linke Wade und rechten Unterarm, dass sich der Lambo-Bändiger in der Mucki-Bude getrost anderen Partien widmen kann. Der erste der fünf Gänge wird nach hinten eingelegt, der Rückwärtsgang nach vorne.

"Sie müssen beim Anfahren beherzt Gas geben ", ermutigt der Verleiher den Lamborghini-Novizen. Also: Motor auf 2500 Touren hochjubeln, Kupplung kommen lassen, und 2,7 Tonnen Auto bollern behände von dannen. Der Motor braucht Drehzahlen, trotz 5,2 Liter Hubraum – kein Wunder, denn er entstammt dem Countach. Modifikationen: keine. Von 3000 Touren an aufwärts wird die Kraftentfaltung ungeheuer elastisch – völlig egal welchen Gang man gerade drin hat. Und ab 5000 Touren geht die Post Furcht erregend ab – eine nicht enden wollende Demonstration von Kraft und Herrlichkeit.

Demontierbarer Kofferraum mit Tragegriff

Das Lebensgefühl auf dem nur 301 Mal gebauten, donnernden Hochsitz: "Ich bin ein Glückspilz." Der Stimm-Umfang des V12 reicht dabei vom motorbootähnlichen Blorp-Blorp im Standgas über ein kehliges Röhren bis hin zum Formel-1-Gekreisch bei 7000 Touren. Man(n) spürt schon förmlich die Brusthaare wachsen.

Dabei wollen wir uns hüten, Klischees zu bedienen. Den LM 002 wegen dieses Sounds platt in die Macho-Ecke zu stellen, wäre nicht fair. Dafür sind seine Motorentechnik zu anspruchsvoll und seine Details zu raffiniert. Etwa der demontierbare Kofferraum mit jeweils einem Tragegriff an jedem Ende, damit ihn zwei mitgereiste Lakaien in die Präsidenten-Suite schleppen können. So etwas haben wir zuletzt an Vorkriegs-Karossen gesehen.

Da wir schon einmal dabei sind, die gängigen Klischees über den Haufen zu werfen: "Der Lambo ist eben keine zickige Diva", sagt Klotz vor dem Hintergrund der Erfahrungen in der hauseigenen Werkstatt. Nur die Elektrik mache gelegentlich Arbeit; die Mechanik sei solide.

Federung und Dämpfung auffallend straff

Noch etwas ist für Geländewagen untypisch im LM 002: Federung und Dämpfung sind, obwohl nicht gänzlich unkomfortabel, auffallend straff für Offroader-Maßstäbe. Angesichts der brachialen Motorleistung und des hohen Schwerpunkts können sie nur ein Kompromiss sein, wenn das Trumm noch sicher um die Kurve fahren soll. Die Verschränkung ist entsprechend bescheiden.

Aber wer will mit so einem Auto schon beim Trial mitfahren? Die adligen Wüstensöhne, die ihn einst mehrheitlich orderten, dürften die 290 Liter Tankinhalt und die Bodenfreiheit mehr interessiert haben. Letztere ist mit 300 Millimetern mehr als ordentlich. Überhaupt ist der LM 002 fürs Gelände bestens gerüstet. Links neben dem Mitteltunnel ragen zwei Hebel in die Luft: Der vordere ist die Geländereduktion, mit dem hinteren lässt sich das Zentraldifferenzial sperren.

Dass man sich beim Bedienen der Hebel aus Platzmangel ständig die Hand zwischen Knauf und Mitteltunnel quetscht – geschenkt. Eine niedliche Lämpchen-Batterie zeigt, in welchem Modus man fährt: "Normal", "Low", "4 x 4", "4 x 4 locked" (Zentraldifferenzial gesperrt), "4 x 2". Hinten hilft noch eine Differenzialbremse mit 75 Prozent, vorn eine mit 25 Prozent Sperrwirkung. Einziges Gelände-Manko neben der mäßigen Verschränkung: der Radstand von drei Metern.

Fahrverhalten und Technische Daten

Ein Rätsel gibt der Bug dem Betrachter auf: Eine Elektroseilwinde für einen 2,7-Tonner? Klotz winkt ab: "Auf die möchte ich auch lieber nicht angewiesen sein …" Spricht's und dreht auf der Wiese – nur mittels Gasfuß-Einsatz – eine vollendete Pirouette, die jede Eisprinzessin vor Neid erblassen ließe.

Auf der Autobahn klettert die Tachonadel auf Tempo 210, trotz der Aerodynamik eines Containerschiffs. Kein anderes Auto bot 1986 diese Souveränität bei flotter Fahrt in sandigen Landen, was die Scheichs zu schätzen wussten.

Technische Daten V12-Zylinder mit elektrischer Einspritzung • Hubraum 5187 cm3 • Leistung 331 kW (450 PS) bei 6800/min • maximales Drehmoment 500 Nm bei 4500/min • 5-Gang-Getriebe mit Geländeuntersetzung • Allrad permanent, Vorderradantrieb abschaltbar, Zentraldifferenzial manuell sperrbar, Differenzial-Bremsen vorne (25 Prozent Sperrwirkung) und hinten (75 Prozent) • Einzelradaufhängung vorn und hinten • Länge x Breite x Höhe 4900 x 200 0x 1850 mm • Radstand 3000 mm • Leergewicht 2700 kg • Reifen 325/65 VR 17 • Tankinhalt 290 l • 0–100 km/h: 7,8s • Höchstgeschwindigkeit 210 km/h • Verbrauch 20–39 l/100 km • Bauzeit: 1986–1992 • Preis Heutiger Wert ca. 70.000 Euro

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