General Motor: Defekte Zündschlösser

General Motor: Defekte Zündschlösser

— 31.03.2014

GM-Rückruf wird zum Flächenbrand

Der US-Autoriese General Motors ruft weitere Fahrzeuge wegen defekter Zündschlösser zurück, die Gesamtzahl steigt auf 2,6 Millionen. GM-Chefin Barra muss sich in Washington dem US-Kongress stellen.

(dpa/Reuters/brü) Der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) weitet seine Rückrufaktion massiv aus. GM beorderte nochmals rund 1,6 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten. Hintergrund sind unter anderem erneut defekte Zündschlösser. Darüber hinaus könnte es wegen möglicher Mängel an einer Getriebekühler-Leitung zu Bränden kommen, begründete das Unternehmen den Schritt. Außerdem könnten Achsbrüche nicht ausgeschlossen werden. Betroffen sind Autos verschiedener Modellreihen. Damit steigt die Gesamtzahl der jüngsten Rückrufe bei GM auf rund 2,6 Millionen Fahrzeuge.
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Die Rüsselsheimer Tochter Opel ist von den Problemen kaum betroffen. Wegen defekter Zündschlösser müssen allerdings mehr Autos der Modellreihe GT in die Werkstätten. 7400 Sportwagen aus den Baujahren 2007-2010 müssten zum Check, sagte ein Opel-Sprecher am Sonntag (30. März). Andere Opel-Modelle seien nicht betroffen.

Der US-Autokonzern habe sich zum Rückruf aller möglicherweise betroffenen Wagen entschlossen. "In Sicherheitsfragen gehen wir kein Risiko ein", sagte Konzernchefin Mary Barra. "Vorsichtshalber rufen wir deshalb auch die restlichen Modelljahre zurück." Kurz nach Barras Amtsantritt hatte GM im Februar die ersten Autos zurückbeordert, schloss aber schon bald darauf weitere Wagen ein. Nun, nach einem Monat, ist der Rückruf dreimal so groß. Die meisten betroffenen Autos sind Chevrolets, Pontiacs und Saturns, die in den USA verkauft wurden.

Neue Zündschlösser – alte Teilenummer

Nach den betroffenen GM-Modelljahren 2003 bis 2007 werden nun auch alle jüngeren Fahrzeuge der gleichen Typen in die Werkstätten gebeten, hieß es aus Detroit. Bei den Autos von 2008 bis 2011 wurden zwar verbesserte Zündschlösser verbaut. Doch fürchtet der einstmals größte Automobilkonzern der Welt, dass bei Reparaturen auch alte Teile verwendet wurden. Etwa 95.000 Zündschlösser seien an Händler und Werkstätten verkauft worden, teilte das Unternehmen mit. Es sei nicht möglich, den Verbleib aller Bauteile nachzuvollziehen. GM hatte zwar nach 2007 die mangelhaften Zubehörteile umgeändert. Ihre Teilenummer blieb aber dieselbe, so dass es zu Verwechslungen kam. Laut dem Fachmagazin "Automotive News" war dies ein "Kardinalfehler". Deswegen sei es nicht mehr möglich, die Typen von außen zu unterscheiden.

Aber auch verwandte Exemplare des Opel GT Roadster brauchen neue Zündschlösser. Bislang war nur das Modelljahr 2007 betroffen - nun werden auch die Modelljahre 2008 bis 2010 des seitdem nicht mehr gebauten Wagens zurückgerufen, teilte Opel in Rüsselsheim mit. Insgesamt gehe es um 7450 Roadster in Europa und somit um wenige tausend in Deutschland. "Darüber hinaus sind keine anderen Opel-Modelle von diesem Rückruf betroffen", versicherte Opel.

Wie lang schon wusste GM von den Problemen?

GM muss sich den Vorwurf anhören, das Problem ein Jahrzehnt lang ignoriert zu haben, nachdem die Zündschlösser schon in der Entwicklung nicht richtig funktionierten. Es kann passieren, dass der Zündschlüssel von selbst in die Aus-Position zurückspringt, und zwar auch bei hohem Tempo. Das kann vor allem dann passieren, wenn schwere Dinge am Schlüsselbund hängen. Das Zündschloss schaltet neben dem Motor auch Servolenkung, Bremskraftverstärker und Airbags ab.

Barra steht US-Kongress Rede und Antwort

Der Konzern bemüht sich, ein Image-Desaster wie beim millionenfachen Toyota-Rückruf 2009/2010 zu vermeiden. Mehrfach wandte sich GM-Chefin Mary Barra an die Öffentlichkeit. Am Dienstag und Mittwoch muss sich Barra vor dem US-Kongress verantworten. Dabei geht es um die Frage, was und seit wann sie von den Defekten an den Zündungen gewusst hat. GM-Ingenieure hatten schon vor 13 Jahren fehlerhafte Zündungen registriert. Seitdem sind bei dadurch verursachten Unfällen GM zufolge 13 Menschen ums Leben gekommen. Verbraucherschützer gehen von mehr als 300 Todesopfern aus.

Massenrückruf könnte teure Folgen haben

Nach Toyota könnten die Sicherheitsmängel auch GM teuer zu stehen kommen. Es laufen mehrere Klagen von Unfallopfern und Autobesitzern, die den Wert ihrer Wagen geschmälert sehen. In Kalifornien verklagte eine Frau den Konzern nach Angaben ihres Anwalts auf mindestens 350 Millionen Dollar Schadenersatz. Sie wirft GM vor, von den Problemen bereits 2001 gewusst zu haben und trotzdem noch Jahre danach Fahrzeuge mit dem Defekt hergestellt und vermarktet zu haben. Selbst nach der Insolvenz im Juli 2009 habe der Auto-Hersteller diese Praxis beibehalten. Daher könne er auch haftbar gemacht werden, sagte der Anwalt. Zudem erwägen Familienangehörige von zwei Todesopfern laut ihren Rechtsvertretern eine bereits vor Jahren getroffene Einigung mit GM anzufechten. Neben der Zivilklage ermitteln auch die Behörden gegen GM.

Als Vorbild für eine Einigung mit den Ermittlern könnte ein Vergleich dienen, den Toyota vor kurzem geschlossen hatte. Die Japaner verpflichten sich darin dazu, 1,2 Milliarden Dollar Strafe zu zahlen - so viel wie noch kein Auto-Hersteller zuvor. Sie räumen zugleich ein, Kunden in den USA bei Mängeln getäuscht zu haben. General Motors hatte vor knapp zwei Wochen mitgeteilt, das Image-Debakel durch den Rückruf mit lückenloser Aufklärung und einem neuen Sicherheitschef in den Griff bekommen zu wollen.




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