General Motors: Rückruf-Debakel

General Motors: Rückruf-Debakel

— 01.07.2014

Rückrufwelle erfasst ältere Limousinen

Die Rückrufwelle bei General Motors erfasst weitere Modelle. Auch ältere Limousinen haben Probleme mit Zündschlössern. Ein Fonds soll Geschädigte bedienen.

(dpa/brü) Der Massenrückruf bei General Motors erfasst nun auch ältere Limousinen des Konzerns. Bei 7,6 Millionen Autos der Marken Chevrolet, Oldsmobile und Pontiac kann sich der Zündschlüssel ungewollt verstellen. Bei sieben Unfällen mit Fahrzeugen dieser Marken starben nach Firmenangaben drei Menschen, acht wurden verletzt. Es sei aber noch nicht abschließend geklärt, ob der Defekt zu den Unfällen geführt habe, teilte die Opel-Mutter am Montagabend (30. Juni 2014) in Detroit mit. Ähnliche Zündschloss-Probleme haben weltweit 616.000 neuere Chevrolet-Karossen.
Rückruf bei General Motors: Zündschloss-Probleme

Bei zu schwach ausgelegten Zündschlössern kann der Schlüssel in die Nullstellung gezogen werden.

Kurz zuvor hatte GM einen Fonds zur Entschädigung von Insassen vorgestellt, die bei Unfällen mit älteren Kompaktwagen getötet oder verletzt worden waren. Dieser jahrelang ignorierte Defekt bei Zündschlössern hatte nach Firmenangaben 13 Tote gefordert und eine massive Rückruf-Welle ins Rollen gebracht. Der Konzern rief 2,6 Millionen ältere Wagen weltweit wegen des Defekts zurück. Wenn der Zündschlüssel während der Fahrt zurückspringt, kann das Airbags, Bremskraftverstärker und Servolenkung abschalten. Auch Opel ist von diesem Rückruf betroffen: In Deutschland müssen 4223 Opel GT in die Werkstatt.

Weltweit müssen 8,4 Millionen Autos in die Werkstatt

"Unsere Kunden verdienen mehr als das, was wir ihnen mit diesen Wagen geboten haben", sagte Firmenchefin Mary Barra zu den neuerlichen Rückrufen. Es sind insgesamt sechs Rückrufe und sie betreffen weltweit 8,4 Millionen Fahrzeuge der Modelljahre 1997 bis 2014. Betroffen ist auch das Saab-SUV 9-7X, nicht jedoch Opel-Modelle. Nach Aussage eines Chevrolet-Deutschland-Sprechers gegenüber autobild.de berührt der Rückruf keine hierzulande angebotenen Modelle der Marke. Neben den Zündschlössern macht in der neuerlichen Rückruf-Welle vor allem die Elektronik Probleme. "Wenn uns irgendein anderes Problem bekannt wird, werden wir angemessen und ohne Zögern handeln", versprach Barra. Sie versucht auf diese Weise, das Vertrauen der Kunden in den Hersteller zu bewahren. Bis zuletzt waren die Verkäufe im besonders betroffenen US-Markt sogar gestiegen.

Ein Fehler jagt den nächsten

Die seit Jahresbeginn amtierende Konzernchefin lässt nach dem Bekanntwerden der Schlampereien bei den Kompaktwagen systematisch nach Fehlern fahnden. Seit Jahresbeginn hat der Konzern Rückrufe angestoßen, die grob gerechnet 29 Millionen Wagen umfassen. Das sind etwa drei Jahresproduktionen. Die Kosten für die Reparaturen steigen durch die jüngsten Rückrufe um weitere 500 Millionen Dollar auf insgesamt rund 2,5 Milliarden Dollar (1,8 Mrd Euro) seit Jahresbeginn. Der Konzern hatte wegen des verschleppten Rückrufs überdies eine Strafe von 35 Millionen Dollar an die Verkehrssicherheitsbehörde zahlen müssen. Obendrauf kommen die Auszahlungen durch den Entschädigungsfonds.

Wer sind die Opfer?

Der vom US-Autohersteller bestellte Anwalt Kenneth Feinberg versprach am Montag eine "schnelle Entschädigung", die im Einzelfall bei einem Millionenbetrag liegen kann. Eine Obergrenze für den gesamten Entschädigungsfonds gibt es nicht. Die genaue Summe richtet sich nach dem Alter, der Schwere der Verletzungen und im Todesfall auch danach, ob jemand eine Familie zu versorgen hatte. Knackpunkt könnte aber werden, wen Feinberg und sein Team als Unfallopfer anerkennen. Verbraucherschützer kommen alleine bei den Kompaktwagen auf mehr als 300 Tote. Feinberg verwies darauf, dass zunächst die Anträge überprüft werden müssten. Die Unfälle liegen zumeist schon Jahre zurück. Trotz früher Anzeichen ignorierten GM-Ingenieure den Mangel mehr als zehn Jahre lang.

Vielzahl von Schadenersatz-Klagen

Es laufen bereits eine ganze Reihe von Schadenersatz-Klagen von Unfallopfern gegen das Unternehmen, doch deren Ausgang ist ungewiss. Rein rechtlich könnte es sein, das die heutige GM wegen der Insolvenz 2009 für die älteren Unfälle gar nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden kann. Auch Autobesitzer, die eine Wertminderung ihrer Wagen sehen, klagen gegen GM.

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