Genf Hits: A4 Avant und Konkurrenten

Audi A4 Avant, Mercedes-Benz C-Klasse T-Modell, BMW 3er Touring Audi A4 Avant

Genf Hits: A4 Avant und Konkurrenten

— 27.02.2008

Kombis nach Maß

Gutes Aussehen ist nicht alles. Zumindest bei diesen drei Premiumkombis. Die müssen mehr auf ihre Linie als aufs Ladevolumen achten. Ganz neu dabei: der Audi A4 Avant. Ein erster Vergleich mit seinen feinen Feinden.

Ellenbogen sind gefragt, um den neuen Audi A4 Avant in den Markt zu drücken. Wolfram Bauer weiß, wie so was funktioniert. Er ist Produktmanager des neuen Avant. Ein echter Ellenbogen-Typ: ausholen, wegboxen – und schon rollt sich die Gepäckabdeckung des Avant zusammen. Mensch, Herr Bauer, eine Lektion wie aus dem Lehrbuch! So funktioniert perfektes Marketing. Taten statt Worte. Die klingen sonst nämlich immer ein wenig nach Baumarktbroschüre: "Gepäckraumabdeckung mit Komfortöffnung". Ja, das schreiben die von Mercedes und BMW auch in ihre Serienausstattungsliste für C-Klasse T-Modell und 3er-Touring. Wolfram Bauers Ellenbogentrick schindet mehr Eindruck. Ende April werden alle Audi-Verkäufer Wolfram Bauer nacheifern und Ellenbogen zeigen, wenn der A4 Avant endlich in den Schaufenstern steht. Ausholen, wegboxen – und wenn es gut läuft, setzt sich der Avant gegen seine Premium-Konkurrenten durch: 3er-BMW Touring oder Mercedes C-Klasse T-Modell.

Großes Styling: Der Avant wächst und sieht noch besser aus

Avant: Ein weich abfallendes Heck, flach stehende D-Säulen – jede Linie scheint zu Ende komponiert.

Dabei war Audi beim Thema Edelkombi gegenüber der Konkurrenz immer klar im Vorteil. 73 Prozent aller A4 sind Avant, bei BMW und Mercedes fällt der Anteil deutlich geringer aus. Wobei es gar nicht passt, hier noch von "Kombinationskraftfahrzeugen" zu reden. Das wäre wie das Wort "Freizeitgarderobe" für maßgeschneiderte Anzüge. Also eine Frechheit. Besonders der neue Avant ist schick geschnitten. Bis zur Fondbank gleicht er der Limousine, dahinter beginnt: Avant. Ein weich abfallendes Heck, flach stehende D-Säulen – jede Linie scheint zu Ende komponiert. Selbst in den frei stehenden Rückleuchten findet die Flanke ihre Fortsetzung. Mit 4,70 Meter Länge wächst der Neue zwölf Zentimeter über den alten hinaus, ist zehn Zentimeter länger als das C-Klasse-Modell, sogar 18 Zentimeter als der 3er-Touring. Das weckt Erwartungen an den Kofferraum und die Beinfreiheit hinten. Der Gepäckspeicher erinnerte beim Vorgänger mit 442 Litern eher an ein Schminkköfferchen – Motto: auch praktisch, aber in erster Linie hübsch. Aber genau das ist für Audi-Besitzer bisher das entscheidene Kaufargument. In deren Prioritätenliste rangiert Design eindeutig vor Nutzwert. Dafür bezahlen Freunde der schönen Form gern 1650 Euro mehr als für die Limousine.

Das Kofferraumvolumen ist eher lifestylig als lasterhaft

Mehr Länge, mehr Ladevolumen: Im Vergleich zum Vorgänger fasst der Avant nun knapp 50 Liter mehr.

Am Kofferraumvolumen liegt es nicht. Das fällt mit 490 Litern auch weiterhin eher lifestylig statt lasterhaft aus, trotzdem fasst der neue Avant mehr als 3er (460) und T-Modell (485 Liter). Aber darum geht's hier ja nicht. Auch nicht um 20 Millimeter mehr Beinfreiheit im Fond, die der Audi nun bietet. Warum auch, wenn der Wagen meist nur Designerjackets und Aktenkoffer hütet? Deshalb staffierte Audi das Gepäckabteil mit Teppich statt abwaschbarem Plastik aus. Falls doch mal schmutzige Reiterstiefel oder grasiges Golfzubehör transportiert werden muss, lässt sich der Boden einfach drehen. Voilà – eine robuste Wanne. Auch BMW bietet einen Wendeboden mit abwaschbarer Kunststoffplane an, allerdings nur im Paket (230 Euro). Bei Mercedes kostet eine Plastikwanne 68, eine Wendematte 98 Euro. Beide Teile kommen aus dem Zubehör. Klappbare Rückbänke gibt es kostenlos. Alle drei setzen auf geteilte Lehnen im Verhältnis 60:40, die mit einem Handgriff nach vorn fallen – fertig. Bei Audi und BMW entsteht dadurch ein kleiner Buckel, bei Mercedes ein komplett ebener Ladeboden.

Mit 1500 Litern besitzt das T-Modell auch das größte maximale Fassungsvermögen, eine Niveauregulierung für die Hinterachse steht ebenfalls in der Aufpreisliste. Damit ist das T-Modell noch am meisten Kombi. Die anderen beiden fallen eher in die Kategorie verlängerte Limousine mit erhöhtem Freizeitwert. Schnee-Fans erhalten gegen Aufpreis bei Audi und BMW einen Skisack, der sich wie eine Wurstpelle durch die Durchlade drückt. Mercedes-Fahrer verstauen ihre Sportgeräte auf dem Dach. Da hilft die Reling weiter. In Serie ist sie bei Mercedes schwarz, bei BMW nur gegen 230 Euro erhältlich. Audi gestaltete den praktischen Aufsatz als Schmuckstück. Wie beim A6 Avant liegt er nun auf dem Dach auf und steht nicht mehr frei. Was den Wunsch nimmt, den Wagen umzudrehen, um mit ihm Schlitten zu fahren. Auch eine Form von Antrieb, lieber aber einen der Direkteinspritzer aus der Audi-Motorenpalette wählen.

Zum Start des Avant bieten die Ingolstädter zwei Benziner (160, 265 PS) und drei Diesel (143, 170, 240 PS) an.

Zum Start des Avant bieten die Ingolstädter zwei Benziner (160, 265 PS) und drei Diesel (143, 170, 240 PS) an (siehe unten stehende Motorentabelle). Im Herbst folgt als Einstiegsmotor der 1.8 TFSI mit 120 PS für 27.550 Euro. Damit bietet Audi den günstigsten deutschen Premium-Kombi an. Weil BMW und Mercedes mit 143 beziehungsweise 156 PS leistungsstärkere Benziner als Basis anbieten. Logisch, dass da auch der Preis eine Nummer größer ausfällt. Ein geschickter Schachzug von Audi. Oder, genauer: Wolfram Bauers geniale Ellenbogentaktik.

Fazit von Margret Hucko

Mit diesem Kombi ist Audi ganz weit vorn: eben Avant (Französisch für vorn). Zwar nicht, was das Ladevolumen angeht, ganz sicher aber bei der Linienführung. Jeder Strich ist zu Ende gedacht, nirgends scheint Audi gespart zu haben. Der schönste Mittelklasse-Kombi in meinen Augen heißt wieder Avant – und nicht Touring oder T-Modell.
Die Ausstattung des Audi Avant und seiner Konkurrenten
BMW 3er-Touring Mercedes C-Klasse T Audi A4 Avant
Fondsitze umklappbar (60/40) S S S
Gepäckraumabdeckung S S S
Trennnetz S S S
Heckfenster separat zu öffnen S N N
12-V-Steckdose S S S
Verzurrösen im Kofferraum S S S
Dachreling 230 Euro S S
Wendeboden 230 Euro* N** S
Skisack 180 Euro N 200 Euro
Laderaumbeleuchtung S S S
Laderaumschienen m. Befestig.-Elementen N 250 Euro 185 Euro
Niveauregulierung an der Hinterachse N 821 Euro N
Länge/Breite/Höhe in mm 4520/1817/1418 4596/1770/1459 4703/1827/1435
Kofferraumvolumen in Litern 460–1385 485–1500 490–1430
* Paketpreis, **Zubehör
Das Motorenangebot im A4 Avant
1.8 TFSI 3.2 FSI quattro 2.0 TDI Common Rail 2.0 TDI Common Rail 3.0 TDI quattro
Motor 4-Zyl., Turbo V6 4-Zyl., Turbo 4-Zyl., Turbo V6
kW (PS) bei U/min 118 (160)/4500 195 (265)/6500 105 (143)/4200 125 (170)/4200 176 (240)/4000
Drehmoment bei U/min 250/1500 330/3000 320/1750 350/1750 500/1500
Höchstgeschwindigkeit 218 km/h 250 km/h 208 km/h 222 km/h 250 km/h
Verbrauch in l/100 km ca. 7,3 l Super ca. 9,1 l Super ca. 5,7 l Diesel k. A. ca. 7,1 l Diesel
CO2 173 g/km 216 g/km 149 g/km k. A. 188 g/km
k. A. = keine Angaben; alles Herstellerangaben

Autor: Margret Hucko

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