Genf-Premiere Bentley GTZ

Bentley GTZ Bentley GTZ

Genf-Premiere Bentley GTZ

— 06.03.2008

Des Bentley neue Kleider

Ein Bentley Continental GT Speed ist Ihnen zu gewöhnlich? Zagato weiß Rat. Der Designer aus Mailand hat das Coupé neu eingekleidet - klassisch, exklusiv und leider sehr teuer.

Der Treibhammer liegt leicht in der Hand, er wiegt nur 300 Gramm. Giuseppe handhabt ihn so geschickt wie ein Chirurg sein Skalpell: sicher, präzise, perfekt. Jeder sanfte Schlag gibt der Wölbung – für Laien unsichtbar – einen Hauch mehr Kontur. Eine Kontur, die am Ende zur Kunst wird. Zur großen Kunst sogar – eine von Hand geformte Skulptur aus Aluminium, eine 4,91 Meter lange Landschaft aus Bergen und Tälern. Zum ersten Mal in ihrer langen Geschichte haben sich Bentley und Zagato zusammengetan, dem Continental GT Speed wird von den Italienern ein neues Kleid geschneidert. Das Coupé steht als Bentley GTZ auf dem 78. Genfer Salon (6. bis 17. März 2008), geht danach in eine kleine Serie. Zagato – der Name hat für Kenner einen magischen Klang. Zagato ist einer der großen italienischen Designer. Er steht für Leichtbau, für Motorsport, für Aerodynamik und für extrovertierte Formen. In den 60er-Jahren blühte das Geschäft mit den feinen Gran Turismo, die Fabrik in Terrazzano di Rho bei Mailand fertigte ganze Sonderserien für Alfa Romeo und Lancia – aber diese Zeiten sind vorbei. Heute konzentriert sich der Chef, Andrea Zagato (47), auf die gleiche Aufgabe wie sein Großvater und Firmengründer Ugo: auf das Design-Atelier.

"Es war ein fantastisches Projekt", sagt Andrea Zagato

Nicht ein Teil des GT Speed ist unangetastet geblieben. Dennoch ist das Ergebnis einwandfrei noch immer ein Bentley.

"Wir haben die ganze Karosserie neu entwickelt und aufgebaut, kein Teil ist unverändert geblieben", sagt Zagato." Der Bentley GTZ war eine der schwierigsten Aufgaben, die wir je zu bewältigen hatten, weil er schon in der Serie ein wunderschönes Auto ist. Aber es war ein fantastisches Projekt." Das Ergebnis ist noch immer ein Bentley, vor allem in der Frontansicht. Aber ein ganz neuer. Der Lack in British Racing Green bedeckt einen sinnlich fließenden Karosseriekörper. Breite vordere Kotflügel mit separaten Blinkern flankieren einen riesigen Grill, das hellgraue Dach strömt hinab zu üppigen Hinterbacken. Schmale LED-Leuchten mit teurer Lichtleiter-Technik und flache Auspuffrohre schärfen den Abgang. Die kleine Heckscheibe und der Kofferraum folgen der Welle des Dachs, dem "double bubble", den Zagato vor 50 Jahren zu seinem Markenzeichen gemacht hat - ein besonders großer Kunde brauchte den Platz.

In 4,5 Sekunden von null auf 100 und 326 km/h Topspeed

"Ein Zagato ist wie ein Gemälde, ein Anlageobjekt mit sicherer Wertsteigerung.", sagt Andrea Zagato.

Und die Technik des GTZ? Der Motor, das Fahrwerk und alle Funktionen bleiben unverändert. Der W12 schöpft aus sechs Liter Hubraum. Mit leichtem Turbo-Anschub leistet er 610 PS und 750 Nm Drehmoment. Die imposante Leistung trifft auf einen 2+2-Sitzer von 2,4 Tonnen, auf eine Sechsstufenautomatik, Allradantrieb, Luftfederung und 20-Zoll-Räder. Und sie reicht für mehr als beeindruckende Fahrleistungen: 4,5 Sekunden von null auf 100 und 326 km/h Topspeed – bei einem Verbrauch von 16,6 Litern pro 100 Kilometer im Schnitt. Mit der Continental-Baureihe hat Bentley sein Comeback geschafft, und auch Zagato liegt wieder im Aufwind. In Terrazzano entstehen Entwürfe für Straßenbahnen, Uhren und Handys. Für Alfa Romeo und andere Hersteller werden Entwicklungsaufgaben im Bereich Design erledigt. In Kooperation mit Aston Martin, Ferrari und Spyker hat Zagato spektakuläre Umbauten realisiert.

"Wir entwerfen Autos, die nicht veralten", sagt der Chef. "Ein Zagato ist wie ein Gemälde, ein Anlageobjekt mit sicherer Wertsteigerung. Unser Kundenkreis ist klein, lässt uns so kreativ und emotional arbeiten, wie wir wollen." Bentley wird den GTZ in England bauen. Den Preis will Zagato noch nicht verraten – "aber er ist weit unter einer Million". Die Stückzahl liegt irgendwo zwischen neun und 99 – die Neun gilt im 1919 gegründeten Hause mit dem Z im Wappen bis heute als heilige Zahl. Tradition ist überhaupt ein großer Wert bei Zagato. "Wir haben – mit einer einzigen Ausnahme – immer zweitürige Autos gemacht", sagt der Chef. Auch Andrea Zagatos Frau Marella stammt aus der Auto-Szene – aus der Rivolta-Familie, die einst den Kleinstwagen Isetta entwickelt hat. Bei seiner möglichen Neuauflage würde Zagato gern mitmischen. Und Giuseppe, der Blechkünstler, führt ebenfalls eine Familientradition fort – auch sein Vater Angelo arbeitet bei Zagato.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Johannes Köbler

Das edelste, schnellste oder teuerste Auto? Wie profan. Was heute zählt, ist Individualität. Und die bietet der GTZ im Überfluss. Dass er zudem auch edel, schnell und teuer ist, schadet ja nicht.

Autor: Johannes Köbler

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.