Genfer Autosalon 2010

Genfer Autosalon 2010

— 08.03.2010

Die Tops und Flops aus Genf

Ist die Messe gelesen, folgt die Analyse: AUTO BILD formuliert fünf Thesen und einen frommen Wunsch zum Genfer Autosalon 2010. Welche Autos haben Zukunft, welche fallen durch?

Wer die Messe verlässt, ist immer schlauer als zuvor. Der Genfer Autosalon 2010 zeigt, dass die Autogemeinde ihre Lehren aus den letzten Fehlern gezogen hat. Wir formulieren die fünf aktuellen Thesen zum Autofrühling. Erste These: Der Golf ist niemandem mehr heilig. Deutschlands Autoliebling Nummer eins wird von allen Seiten attackiert. Ein Opel Meriva bietet bei gleichem Preis mehr Nutzwert, ein Nissan Juke ist frecher, der Audi A1 versucht sogar, die Noblesse des Golf zu überbieten. Wir zählen einfach nur weiter auf: Mitsubishi ASX, Mini Countryman, Dacia Duster, Alfa Giulietta – alles neue Schäfchen in der großen Gemeinde, die preislich mit dem Golf wetteifern.

Sonderseite: Die Highlights auf dem Genfer Autosalon 2010

Zweite These: Alle beten den Hybrid an. Nach vielen Jahren des Verteufelns schwimmen nun auch die letzten Ungläubigen mit dem Strom: Selbst Porsche (918 Spyder ) und Ferrari (Hy-KERS ) fressen ihre Worte, präsentieren Sportwagen mit der Kraft aus zwei Herzen – und sie hoffen insgeheim, nicht allzu viele davon zu verkaufen. Denn die Batterietechnik ist noch so teuer, dass nur wenig im Klingelbeutel hängen bleibt. Toyota glaubt derweil ganz fest an den Volkshybriden. Auris und Lexus sollen die Prius-Technik in neuer, massentauglicher Form verbreiten.
Dritte These: Die Elektro-Päpste müssen beichten. Die Spannung steigt – und scheint doch zu verpuffen. Weiterhin wird von den Kunden eine Engelsgeduld erwartet. Das erste real kaufbare Elektromobil – der Mitsubishi iMiEV – kommt erst Ende des Jahres. Und VW sagt: Selbst im Jahr 2018 werden E-Autos gerade drei Prozent des Konzern-Absatzes ausmachen. Zudem sind Subventionen für den Käufer nicht in Sicht. Erhält der Kunde in Japan für sein neues Elektromobil bis zu 15.000 Euro Beihilfe, so setzt die deutsche Regierung bisher ausschließlich auf das Kreativpotenzial der Hersteller. Bares für Käufer? Ein frommer Wunsch.

Genfer Autosalon, Teil 1: Die Helden des Alltags

Gute Noten für den 5er, vor allem als Hybrid-Fahrzeug. Der neue BMW kann kommen.

Vierte These: Indien und China liegen weiter weg als gedacht.
Die Heilsbringer aus dem Osten lassen auf sich warten. Inder und Chinesen stellen ernüchtert fest, dass der Weg auf die europäische Bühne noch weit ist. Der Tata Nano, einst als billigstes Auto der Welt gefeiert, steht als Europa-Version zwar in Genf, enttäuscht aber bei näherem Hinsehen. Grund genug für den neuen Tata-Chef Carl-Peter Forster, das Billigstauto und seine Macher noch mal ins Gebet zu nehmen. Der Nano wird komplett überarbeitet und dürfte frühestens in zwei Jahren bei uns antreten. Auch die Chinesen müssen offensichtlich die Kirche noch im Dorf lassen. Von der großen Schar der Hersteller ist lediglich BYD angetreten, und das auch nur mit einer Studie.
Fünfte These:
Alte Marken finden eine neue Linie. Der Glaube an das Schöne, Wahre kehrt zurück, vertraute Werte strahlen in neuem Glanz. Das klassische Stufenheck feiert Wiederauferstehung. Der BMW 5er zeigt wieder dezente Klasse, und Peugeot lässt mit dem 508 längst verblichene Stärken aufblitzen. Auch Mercedes präsentiert sich geläutert. Die Studie F 800 will frühere Designsünden vergessen machen und vereint geschickt neue Leitlinien mit einem klaren Ausblick auf die nächste C-Klasse.
Schließlich unsere Fürbitte:
Die neue Wahrhaftigkeit, die wir hier in Genf erlebt haben, darf kein Lippenbekenntnis sein. Die Hersteller sollen uns nicht das Blaue vom Himmel versprechen, sondern unsere Freude am bezahlbaren Auto erfüllen. Für immer und ewig. Amen. 

Autoren: Tomas Hirschberger, Joachim Staat

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