Genfer Salon 2006, Teil 3

Genfer Salon 2006/ Spyker D12 Peking-To-Paris Genfer Salon 2006/ Spyker D12 Peking-To-Paris

Genfer Salon 2006, Teil 3

— 01.03.2006

Bollerwagen und Donnerkeile

Mehr geht immer. Was muskulöse Supersportler und gedopte Biedermänner heute an Kilowatt ausspucken, gab es früher nicht mal an Pferdestärken.

Holland ist Normalverdienern gemeinhin nicht als Wiege der Automobilkunst bekannt. Käse, klar. Tulpen, logo, können die Oranjes. Aber Autos? Gibt es, doch, doch, aber in freier Wildbahn sind sie so selten wie unter freiem Himmel gereifte Holland-Tomaten. Drum nimmt sie kaum einer zur Kenntnis. Ein paar Scheichs und Autosammler mal ausgenommen.

Auf dem Genfer Salon sieht das schon anders aus. Da ist Spyker, Hollands vielleicht exklusivster Exportartikel, jetzt zum vierten Mal zu Gast. C8, C12, offen, geschlossen, mit acht und zwölf Zylindern. Was für Connaisseure (und Fans von Audi-Technik). Sauteure Teile, die es ab 216.500 Euro aufwärts zu kaufen gibt. Mit Fabelwerten in Sachen Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit (300 km/h aufwärts). Mit Instrumenten von Chronoswiss und Gepäcksets von Louis Vuitton. Ganz was Feines, aber ganz weit weg.

Der D12 wird daran nichts ändern, aber er macht die Marke vermutlich schlagartig bekannter. "Peking-To-Paris", heißt das selbsternannte Super-SUV (SSUV) mit Nachnamen. Und was die erst seit 2000 tätigen Holländer um Chef Victor Muller und seine neuen Geldgeber aus Abu Dhabi da auf Räder gestellt haben, ist wirklich feist: Rammschutzleisten aus gefrästem Aluminium, Rückspiegel wie Elefantenohren, ebenfalls aus Aluminium, ein Kühlermaul, das die Frontöffnungen des Porsche Cayenne Turbo S zu Schlitzen degradiert, drinnen ein Überrollkäfig, der locker als Titan-Skulptur durchgehen könnte und elegant zwischen vier Einzelsitzen sprießt. Und derlei mehr. 500 PS sind Ehrensache für so ein Gefährt, 295 km/h Höchstgeschwindigkleit wohl eher Theorie. Ob sie jemals ein Mensch damit fährt, ist nebensächlich. Wie die 235.000 Euro (plus Steuern), die der Spaß ab Ende 2007 kosten soll. Diese Kiste hat was göttlich Verrücktes. Der ultimative Bollerwagen für vier Personen.

Mehr als eine demonstrative Spinnerei steckt hinter dem Pagani Zonda F, der meistens in direkter Nachbarschaft von Spyker zu finden ist. Die Italiener haben es sich zur Aufgabe gemacht, aus Mercedes-Zwölfzylindern rauszuholen, was rauszuholen ist. 650 PS sind das jetzt, geschürt in 7,3 Litern Hubraum. Das Leistungsgewicht beträgt magische 1,89 Kilogramm pro Pferdestärke, die Höchstgeschwindigkeit 345 km/h, von null auf 200 geht es in 9,8 Sekunden. Das ist Benchmark in dieser Gewichtsklasse.

Nur nominal ziviler steht der neue Lamborghini Muricélago da. 6,5 Liter Hubraum, zehn Zylinder, 640 PS. Ein Donnerkeil. 340 Stundenkilometer schnell, in 3,4 Sekunden auf 100, endlich mit schönem Cockpit ausgestattet und gegen Aufpreis mit gläsernem Rücken. Der gibt den Blick frei auf die gülden verzierte Höllenmaschine, die Audi und Lambo gemeinsam entwickelt haben. Sehr schmuck bei diesen Formen: der TT-farbene Anstrich der Rüstung, einer der neuen Farbtöne der Italiener.

20 PS weniger als der Bolide aus Sant'Agata hat das neue Zwölfzylindermodell aus Maranello, das schräg gegenüber zu bestaunen ist. Der 599 GTB betört durch seine Form. Und standesgemäß durch seine Kraftentfaltung: Der Thronfolger des F 575 Maranello wird von einem 6,0-Liter-V12 angetrieben, der direkt hinter der Vorderachse sitzt (Front-Mittelmotor). Abgeleitet wurde der Antrieb vom Enzo Ferrari. Mit seinen 620 PS darf er sich rühmen, der bislang stärkste Ferrari-Zwölfzylinder zu sein. Mehr über die Bollerwagen des 76. Genfer Salons gibt es in der Bildergalerie – und in Teil vier der autobild.de-Genf-Serie.

Autor: Ralf Bielefeldt

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