Genfer Salon 2006, Teil 5

Genfer Salon 2006/ Dacia Logan Steppe Genfer Salon 2006/ Dacia Logan Steppe

Genfer Salon 2006, Teil 5

— 02.03.2006

Bleibt alles anders

Studien und Konzepte sind das Salz einer jeden Automesse – so sie ansatzweise realisierbar erscheinen. Genf gibt so gesehen Anlaß zur Hoffnung, formal und technisch.

Würde der Marlboro-Mann einen Dacia Logan fahren? Sicher nicht. Sollte er aber. Neben seinem gesamten Cowboy-Kram könnte er dann nämlich zur Not auch gleich noch seinen treuen Gaul mit auf die Reise nehmen. Eigentlich wollte man beim rumänischen Renault-Ableger ja nur zeigen, wie man sich die Kombi-Version des Logan vorzustellen hat. Herausgekommen ist dabei die Studie "Steppe", die nicht nur jede Menge Stauraum bietet, sondern auch noch richtig gut aussieht.

Schicke Alu-Räder, große Fensterflächen, Leuchtdioden, zwei Snowboards auf dem Dach und ein quietschbuntes Interieur – ganz schön viel Schnickschnack für eine Marke, die eigentlich mit automobiler Schmalkost ihr Geld verdient. Ernst muß man den XXL-Logan dennoch nehmen. Von den schicken Lifestyle-Anbauteilen befreit, wird aus dem "Steppe" nämlich schnell ein genügsames Lastentier mit imposanten Ausmaßen: Bei einer Länge von 4,7 Meter und einer Breite von 1,78 Meter bleibt unterm Strich ein 1,7 Kubikmeter fassendes Gepäckabteil. Ein Traum für kinderwagengeplagte Familienväter und kleine Gewerbebetriebe, bei denen das Geld traditionell nicht ganz so locker sitzt.

Eine Zielgruppe, mit der die Macher des Autobauers Identity recht wenig anfangen können. Die Spanier von der Mazel Group zeigen auf dem 76. Salon in Genf mit dem i1 ihr 4,4 Meter langes automobiles Erstlingswerk und setzen dabei ganz auf die Karte Sportlichkeit. Die grell-grüne Flunder erinnert entfernt an das Ergebnis einer heißen Liebesnacht zwischen einer Lotus Elise und einem Lamborghini Gallardo. Nicht ganz stilsicher, dafür aber ziemlich cool. Vor allem beim Blick unters grüne Blechkleid. Unmittelbar hinter den beiden Passagieren tobt ein 487 PS starker Achtzylinder, der seine Kraft an imposante 20-Zöller am Heck weiterleitet. Geschaltet wird über eine Sechsgang-Automatik, verzögert mit einer Bremsanlage, die ohne mechanische Verbindung zwischen Cockpit und Bremsen auskommt (brake by wire).

Deutlich weniger Hightech steckt im jüngsten Sproß des Fuldaer Dachspezialisten Edag, der sich VWs Ladenhüter New Beetle vorgenommen hat. Das Ergebnis heißt Biwak und ist so etwas wie der schmuddelige Kombi-Ableger der Wolfsburger Lifestyle-Knutschkugel. Ganz bewußt haben die Edag-Bastler dabei auf Anbauteile gesetzt, den man Gebrauchsspuren durchaus ansehen darf.

Statt trister Kunststoffoberflächen gibt es innen (Sonnenblenden, Türapplikationen, Lenkrad, Schaltknauf, Handbremse etc.) und außen (Stoßfänger!) vorhautweiches Leder in Antikbraun, teure Aluräder weichen den guten alten Stahlfelgen, der Fahrzeughimmel ist Jute-bespannt, die tiefen Schalensitze sind löchrig wie Designerjeans und aus eben diesem Werkstoff, sämtliche Metalle sind gebürstet, Felgen und Karosserie mit "Reißlack" ebenfalls auf matt getrimmt. Ziemlich schräg und "bewußt im Grunge-Stil", wie Designchef Johannes Barckmann erklärt. Bleibt zu hoffen, daß die Wolfsburger (und andere) mal ernsthaft hinsehen und dem unehelichen Sohn von Sahara-Ente und Wüstenfuchs eine Chance geben, wenigstens in Teilen.

An einer breiteren Modellpalette bastelt man auch bei Seat. Zum Genfer Salon haben die Spanier den Ibiza überarbeitet und dem bewährten Polo-Zwilling gleich eine teuflisch sportliche Studie zur Seite gestellt. Der Ibiza Vaillant heißt wie ein französischer Comic-Rennfahrer und wird leider immer ein Einzelstück bleiben. Das Arbeitsgerät des ewig lächelnden Sprechblasen-Schumis präsentiert sich als reinrassiger Sportwagen: Überrollkäfig, nacktes Blech, mattblauer Lack, keinerlei Dämmung, ein 1,8 Liter-Turbo-Benziner mit 240 PS und stramme 19-Zöller – dafür würde so mancher Seat-Anbeter sicherlich seinen Kreditrahmen erweitern. Warum ein spanischer Kleinwagen einen französischen Namen trägt, liegt nahe: Seats neuer Designchef Luc Donckerwolke ist seit seiner Kindheit bekennender Michel-Vaillant-Fan.

Eine echt wilde Kreuzung steht auf dem Stand des italienischen Karosseriebauers Castagna. Das Castagna Laundaulet rollt auf gewaltigen 24-Zoll-Walzen, sieht aus wie ein Rolls-Royce, ist aber eigentlich ein gestreckter Porsche Cayenne, unter dessen Haube ein mächtiger V12 mit 800 PS wummert. Die Mailänder Blechschneider erinnern sich mit dem Landaulet an ihre eigene Vergangenheit. Von 1924 bis 1931 hatten die Italiener mit dem Tipo 8A Isotta-Fraschini schon einmal ein halboffenes Dickschiff im Programm. Auf den letzten Messen hatte Castagna vor allem mit schicken Ablegern des Mini auf sich aufmerksam gemacht. Dieses Mal bieten sie BMWs Erfolgs-Baby als Buggy und Hybrid an.

Mit der halben Leistung des Italo-Brummers kommt Saabs neuster Design-Streich aus. Der Aero X ist eine zweisitzige Kreuzung aus Kampfflugzeug und Zäpfchen und soll den gebeutelten Schweden den Weg in eine bessere Zukunft weisen. Unter der Haube des Kohlefaser-Coupés sägt ein V6-Biturbo-Triebwerk, das ausschließlich mit Bio-Ethanol betrieben werden kann. Der Schnapsbrenner kommt auf 400 PS und 500 Newtonmeter Drehmoment, was laut Saab für 250 Sachen Spitze und eine Beschleunigung von null auf 100 in 4,9 Sekunden reichen soll. Im Cockpit setzt sich der Düsenjäger-Look konsequent fort. Klassische Bedienelemente gibt es nicht, sämtliche Anzeigen werden auf Acryloberflächen projeziert. Klassische Türen sucht man ebenfalls vergeblich. Statt dessen klappt beim Öffnen die gesamte Cockpit-Kanzel nach oben. Mehr über die Studien und Konzepte des Genfer Salons 2006 gibt es in der Bildergalerie.

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