Umwelt-Spezial, Teil 2

Öko-Studien und CO2-Sparer auf dem Genfer Salon 2007 Öko-Studien und CO2-Sparer auf dem Genfer Salon 2007

Genfer Salon 2007, Teil 3

— 07.03.2007

Invasion der Umweltengel

Die Welt im Würgegriff des Treibhausgases. Das geht natürlich am Genfer Salon nicht spurlos vorüber. Hier sind die kommenden CO2-Sparer und die Retter der nahen Zukunft.

Seit Anfang des Jahres hat das Treibhausgas CO2 die Welt endgültig im Griff. Jede Woche ein neues Horrorszenario, kein Tag vergeht ohne einen neuen Vorschlag wie Umweltplaketten oder Kraftfahrzeugsteuer nach Schadstoffausstoß. Dabei vergessen die Politiker gerne, dass es noch viel schlimmere Klimagas-Erzeuger gibt als das Auto. Die hitzige Diskussion verfehlt ihre Wirkung indes nicht: Die Autoindustrie und ihre Kunden plagt das schlechte Gewissen. Gerne würde man grün fahren, ein Viertel aller Deutschen könnte sich nach einer Studie des Reifenherstellers Continental vorstellen, ein Hybrid-Auto zu kaufen. Doch dieser Markt ist dünn. Und er scheint es in kommenden zwei, drei Jahren auch zu bleiben, wie ein Rundgang über den Genfer Salon zeigt. Zum Glück gibt es noch reichlich andere Konzepte, um das Fieber der Erde in den Griff zu bekommen.

Die deutschen Autobauer mühen sich nach Kräften, des schlechten Klimas Herr zu werden. Für die Zukunft hat Mercedes jüngst eine Oberklasse-Hybrid-Allianz mit dem ehemaligen Erzfeind BMW angekündigt, in Genf machen sie wie VW erst einmal den Diesel blau. Während die Stuttgarter die nagelneue C-Klasse als 220 CDI Vision Bluetec auf den Drehteller am Lac Léman fahren, stellen die Wolfsburger den Passat BlueMotion vor – beides dank Harnstoffeinspritzung und Partikelfilter extrem saubere Selbstzünder, die ordentlich CO2 einsparen durch knauserigen Umgang mit dem Treibstoff. Für den Passat verspricht VW einen Durchschnittsverbrauch von 5,1 Litern Diesel. Und auch der CO2-Ausstoß von 136 Gramm pro Kilometer ist vielversprechend – aber immer noch sechs Gramm über der ab 2012 geplanten EU-Norm.

VW Touareg BlueTDI: dank Harnstoff-Kur fit für Kalifornien.

Auch ihr SUV haben die Wolfsburger sauber gemacht: Der Touareg BlueTDI feiert Weltpremiere mit einem sauberen Hightech-Diesel, der immerhin lässige 225 PS in den Antriebsstrang schickt. Die Hauptsache ist natürlich weniger die schiere Kraft als das, was hinten rauskommt. Mit seinem sogenannten SRC-Kat drückt er die Stickoxid-Emissionen um bis zu 90 Prozent – und schafft damit die strengen Abagsnormen Kaliforniens. Also geht die Reise für den Touareg zunächst einmal 2008 über den großen Teich, bevor er kurze Zeit später nach Europa kommen soll.

Genf in der Blogosphäre: autobildblog.de automarktblog.de autovideoblog.de

Dass es VW mit dem Sparwillen auch heute schon ernst nimmt, zeigt auch der Fahrdienst rund um den Genfer Salon: Statt Phaeton oder Multivan stehen in diesem Jahr 102 Polo BlueMotion im Shuttle-Dienst. Hätte man sich für den Passat entscheiden, wären es dann wohl 136 VW-Taxis geworden.

BMW 5er: frisch geliftet und verbrauchsoptimiert.

BMW geht einen etwas anderen Weg, und damit ist jetzt nicht der bekannte Hydrogen 7 gemeint, der in Genf für den Einsatz von Wasserstoff als Energieträger wirbt. Am Vorabend des Messeauftaktes versichern die Münchner, dass in ihrer Flotte das Energiesparpotenzial in Zukunft serienmäßig eingebaut ist. "Efficient Dynamics" nennt BMW das. Den Anfang machen der dreitürige 1er und das Facelift des 5er: Neue Motoren mit höheren Leistungen verbrauchen weniger dank neuer Direkteinspritzung und intelligentem Energiemanagement. So wird die Batterie nur im Brems- oder Schiebebetrieb geladen, an der Ampel geht ein moderner BMW einfach aus. Simpel das, ziemlich clever, aber nicht wirklich neu. Wir erinnern uns: VW hatte das Start-Stopp-System für den Golf Ecomatic schon vor über einem Jahrzehnt.

Audi zieht mit: A3 mit auf Geiz getrimmtem TDI.

Auch Audi ist natürlich mit von der Partie bei den deutschen Öko-Aktivisten. Die Baureihen A3 und A4 bekommen mit dem 1.9 TDI e und dem 2.0 TFSI e zwei neue Modelle, die mit verbrauchsoptimierten Motoren, Leichtbau, Schaltanzeige, Leichtlaufreifen und länger übersetzten Getrieben für gute Luft sorgen sollen. Den A3 mit Sparpotential stellen sich die Ingolstädter auf den Messestand. Ist schließlich auch ein Pfund mit dem man ordentlich wuchern kann: Der 1.9 TDI e im A3 und im A3 Sportback soll sich mit 4,5 Litern Diesel begnügen.

Selbst ernannter "CO2-Champion": Smart fortwo cdi mit 88 g CO2/km.

Eine sehr löbliche Ausnahme, wo ansonsten doch gilt: Groß macht viel Abgas, klein ist ökologisch Smart. Mit dem fortwo der zweiten Generation lassen sich Verbrauchs- und Emissionswerte erzielen, von denen ausgewachsene Limousinen nur träumen können. Jüngst hat Smart die Werte des neuen cdi-Aggregats noch einmal nach unten korrigiert. Nur 88 Gramm des schädlichen Treibhausgases soll der Diesel-Smart in die Landschaft blasen. Eine echte kleine Öko-Perle auf dem Genfer Salon, der ansonsten vor PS- und Geschwindigkeitsrekorden nur so strotzt.

Sportlicher Zwitter: Honda Small Hybrid Sports Concept.

Allerdings möchte uns Honda glauben machen, das beides geht: gutes Umweltgewissen und Fahrspaß satt. Mittel zum Zweck ist ein Showfahrzeug mit dem etwas sperrigen Namen Small Hybrid Sports Concept. Laut Aussage von Honda vereint die Studie "modernste Hybrid-Technologie mit den Fahreigenschaften, die von einem Sportwagen erwartet werden". Gut, vielleicht kann man damit ja in Zukunft bei den Zeitgenossen landen, die heutzutage noch mit 300-PS-Geländewagen zum Zigarettenholen fahren.

Apropos SUV: Porsche hat im Umfeld der Messe angekündigt, den Verbrauch des Cayenne noch in diesem Jahrzehnt um 30 Prozent senken zu wollen. Damit ist sicher nicht das Turbo-Topmodell gemeint. Nein, die Zuffenhauser entwickeln im Moment gemeinsam mit VW einen tonnenschweren Sparfuchs mit Hybrid-Antrieb, dessen Verbrennungsmotor wahlweise mit Benzin oder Bio-Ethanol betrieben werden kann. Damit sollen Verbrauchswerte von unter neun Litern auf 100 Kilometer drin sein.

Toyota Hybrid X: Hybrid-Design für die nahe Zukunft.

Wie so was geht, kann sich Porsche ja mal in Fernost ansehen. Toyota gab bisher den Takt an, was marktfähige Mischantriebe angeht: Der vollhybride Klassenprimus Prius fährt schon in der zweiten Generation, die Luxus-Marke Lexus zeigt mit ihren Modellen RX 400h, LS 600h und GS 450h eindrucksvoll, was mit der Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor möglich ist. Und das wird wohl auch so weitergehen, denn in Genf rollt Toyota gleich zwei neue Umweltengel auf den Messestand. Mit dem FT-HS (Future Toyota Hybrid Sport) gibt es auch hier die Studie eines Öko-Flitzers, der konsequent auf Fahrspaß ausgelegt ist. Dank des starken Elektromotors soll der Sprint auf Tempo 100 in vier Sekunden gelingen. Schöne Zukunftsmusik. Und die Studie Hybrid X zeigt am gleichen Stand, was schon sehr bald auf der Straße zu sehen sein wird: eine ganz eigene Desingsprache für Hybride – natürlich vollgestopft mit allem, was im Moment technisch möglich ist.

Saab baut auf Biopower: Studie des 9-5 mit Ethanol-Antrieb.

Gute alte Bekannte im Öko-Umfeld der großen Fahrzeugmessen sind seit längerer Zeit die BioPower-Modelle von Saab. In der in Genf gezeigten neuesten Ausbaustufe mobilisiert der zwei Liter große Vegetarier im Bug des 9-5, der sich so gerne von Ethanol aus nachwachsenden Rohstoffen ernährt, dank Turboaufladung satte 300 PS und 400 Nm Drehmoment. Da geht mit ganz gutem Gewissen und vor allem völlig CO2-neutral die Post ab. Was die Pflanze beim Wachsen an Kohlendioxyd aufgenommen hat, setzt der Verbrennungsprozess des Bio-Ethanols wieder frei. Vielleicht ist das der Weg der Zukunft, wenn die Anbauflächen für "Treibstoffpflanzen" nur groß genug werden. Es ist zu befürchten, dass wir in Zukunft zumindest das passende Klima dafür bekommen – ganzjährig schön muckelig warm.

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