Genfer Salon 2009, Teil 6

Abt AS5-R Abt Scirocco

Genfer Salon 2009, Teil 6

— 09.03.2009

PS-Wahn und Schickeria

Das raue Wirtschaftsklima lässt alle etwas näher zusammenrücken. Positiver Nebeneffekt: Es entstehen Freiräume für jene, die nur zu gerne zeigen, wie man mit dem Thema Auto umgeht, wenn Geld so gar keine Rolle spielt.

Kostengünstige Raumkonzepte, schadschoffarme Antriebe – insgesamt deutlich effizientere Fahrzeuge mit hohem Alltagsnutzen. Alles toll, alles absolut nachvollziehbar – und wichtig für die Lebensqualität kommender Generationen. In Genf 2009 zeigen viele Hersteller, dass sie ihre Hausaufgaben gemacht haben – oder zumindest dabei sind. Aber darf das Auto denn wirklich keinen Spaß mehr machen? Ein nicht verifizierbares Zitat bringt es auf den Punkt: "Das Auto zählt zu den Freunden des kleinen Mannes. Gilt als Symbol für Freiheit ". Leisten kann man sich freilich nicht alles. Aber gucken und träumen ist immer erlaubt. Auch wenn der Hubraum locker im zweistelligen Literbereich liegt. Und der realistische Verbrauch bei über 25 Liter auf 100 Kilometer. Die meisten der Über-Boliden fristen eh ein Dasein in klimatisierten Sammlergaragen. Für die Umwelt eine überschaubare Gefahr. Und außerdem beginnt auch bei den kleinen Manufakturen langsam ein Umdenken. So baut Porsche-Urgestein Ruf den Elektro-911er Greenster in Kleinserie. Nicht zu vergessen der für 2010 angekündigte Hybrid-Sportler Karma von Fisker. Im weitesten Sinne sind beides Sprösslinge der Tuning-Ecke.

Auf einen Blick: Die Stars des Genfer Autosalon 2010

Respekt: Der Mansory Vincero ist mit 2.165.800 Euro das derzeit wohl teuerste Spielzeug auf vier Rädern.

Ganz anders sieht das momentan noch bei Mansory aus. Dem Haus- und Hof-Veredeler für den gesamten Orient. Die deutsche Luxusschmiede kümmert sich beim Bugatti Veyron um den exklusivsten Schleudersitz der Welt. Der Luxus-Zweisitzer wird unter den Händen des Tuners zum limitierten Vincero (Sieger). Die 1001 PS des 16-Zylinder bleiben fast schon provokativ unangetastet. Optisch, bei den Materialien für die Außenhaut und im Innenraum, spielt Mansory aber ganz großes Kino. Vom Preis ganz zu schweigen. 2.165.800 Euro. Da reicht nicht einmal ein banaler Sechser im Lotto. Unweit des Vincero steht der Chopster. Ein mit massig Carbon aufgemotzter Porsche Cayenne Turbo S. Mansory drückt mit größeren Ladern 710 PS auf die Kurbelwelle des V8. 302 km/h Spitze – in einem zwei Tonnen schweren SUV! Noch Fragen?

Mansory knockt Brabus aus

Blöd gelaufen. Für Brabus: Der Mansory Chopster hat mit 710 PS ganze zehn Pferde mehr im Gepäck als der Brabus G V12 S.

Zu den üblichen Verdächtigen in Sachen Premium-Tuning zählt natürlich auch der Bottroper Tuner Brabus. Egal wo auf der Welt – wenn eine wichtige Auto-Messe ansteht, darf man vom Mercedes-Spezialisten eine Premiere erwarten. Zuletzt ließ Brabus-Chef Bodo Buschmann mit dem ersten getunten Elektro-Tesla der Welt seinen grünen Daumen aufblitzen. Jetzt kredenzt er das stärkste "Allrad-SUV" des Planeten: den Brabus G V12 Biturbo. 700 PS und 1100 Newtonmeter schieben das 379.000 Euro teure G-Modell an. Schickes Ding. Die Sache mit dem stärksten SUV der Welt geht aber in die Hose. Denn der Mansory Chopster kommt auf 710 PS. Ups!

510 PS im Abt S5-R

Ob Techart, Sportec, Carlsson oder Lumma: In Genf pfeifen sie auf die Wirtschaftslage. Krisenstimmung? Ohne uns. So verhilft Abt dem Audi S5 zu neuer Energie. Ein Kompressor fördert satte 510 PS zu Tage. Die Blechhülle wird aggressiv angepinselt und ein "R" ans Typenschild geklebt. So aufgepimpt darf Papa am Wochenende zum Bäcker jubeln. Bei gerade einmal 4,5 Sekunden auf 100 bleibt im Ergebnis mehr Zeit für die Familie. Politisch nicht korrekt, keine Frage. Aber cool. Tuner Sportec widmet sich dem noch jungen VW Scirocco: 350 PS und mehr Grip versprechen die Schweizer auf Nachfrage am Stand. Wem dass zu sehr nach Mainstream riecht, dürfte sich am Stand von Parotech gut aufgehoben fühlen. Ein Silber-Matt lackierter Mercedes ML 500 mit knapp 400 PS und High-End-Entertainment-System lockt für 188.000 Euro. Okay, kein Taschengeld – aber Exklusivität hat eben ihren Preis.

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