Geschwindigkeitskontrollen

Geschwindigkeitskontrollen

— 10.10.2008

Trifft es den Falschen?

Immer Ärger mit der Laserpistole: Viele Fehler, keine Beweise: Lasermessungen sind hoch umstritten. Ein Amtsrichter zieht jetzt die Konsequenzen – und spricht die (vermeintlichen) Verkehrssünder frei.

Wenn man den Werbetextern glaubt, dann ist so eine Laserpistole ein Wunderwerk der Technik. In ihren Prospekten versprechen die Hersteller nämlich eine Sensation nach der anderen: Unerreichte Leistungsfähigkeit! Einzigartige Visiereinrichtung! Die neue Generation der Geschwindigkeitsüberwachung! Klein, kompakt, schnell einsatzfähig! Die Wahrheit aber ist, dass viel zu oft der Falsche getroffen wird, wenn Polizisten mit ihren Handgeräten auf Raserjagd gehen. Experten schätzen, dass rund 20 Prozent der Messungen falsch sind. Doch wehren können sich betroffene Autofahrer kaum: Weil es anders als bei herkömmlichen Blitzern keine Beweisbilder gibt, zählt allein das Messprotokoll der Polizei.

Warum aber gibt es überhaupt so viele falsche Messungen?

Dem Herforder Amtsrichter Helmut Knöner ist das zu wenig. Er sprach jetzt einen Autofahrer frei, der mit 51 km/h durch eine Tempo-30-Zone gefahren sein soll. Knöner fordert auch in solchen Fällen einen klaren Fotobeweis wie bei Radarfallen. Der Richter meint: Wenn die Polizei so einen Beweis nicht liefern kann, dann ist der vermeintliche Verkehrssünder eben freizusprechen. Möglich wäre ein sogenanntes beweissicheres Messverfahren durchaus: Moderne Geräte wie der Leivtec XV2 zeichnen die Verkehrsverstöße während der Messung als Video auf, der Nachfolger XV3 (soll im Herbst zugelassen werden) filmt sogar digital und mit besserer Bildqualität. Solche Geräte kosten etwa das Sechsfache einer herkömmlichen Pistole ohne Kamera. Warum aber gibt es überhaupt so viele falsche Messungen? Nach den Erfahrungen des Sachverständigen Dieter Rachel aus Riesa erfordern die Geräte gute Schulung. Ein Beispiel: "Wenn zwei Autos nebeneinander fahren, misst das Gerät das Fahrzeug, das den Laserstrahl besser reflektiert – und nicht unbedingt das anvisierte. In solch einem Fall darf der Polizist die Messung keinesfalls werten."

Außerdem vergeht laut Rachel zwischen der Messung und einem möglichen Gerichtstermin so viel Zeit, dass sich die Beamten beim Prozess oft nicht mehr an die Umstände erinnern können. Richter Knöner hat bereits angekündigt, bei seiner Linie bleiben zu wollen. Zumindest in Herford könnte also noch der eine oder andere Autofahrer freigesprochen werden.

Autor: Alex Cohrs

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