Getunte Diesel-Kombis im Test

Abt AS4 Avant AC Schnitzer ACS 3 Lorinser C 320 CDI T Abt AS4 Avant AC Schnitzer ACS 3 Lorinser C 320 CDI T

Getunte Diesel-Kombis im Vergleich

— 27.04.2009

Frachtexemplare

Aus Lademeistern werden plötzlich Ladermeister: Kräftiges Chiptuning ordnet die Prioritäten dieser drei kräftigen Dieselkombis neu. Ein Vergleich zwischen AC Schnitzer ACS 3 3.0d, Lorinser C 320 CDI T und Abt AS4 Avant.

Bleiern wehrt sie sich gegen flotten Vortrieb, vergiftet schlanke Leistungsgewichte, zieht Steigungen in die Länge: die Nutzlast. Kaum sind Koffer an Bord, ist die Leichtfüßigkeit des Alltagsautos verflogen. Probates Gegenmittel: potente Turbodiesel. Das deutsche Premium-Dreigestirn Audi, BMW und Mercedes vertraut dabei einheitlich auf drei Liter Hubraum – Spielwiese für sechs Kolben. Eine willkommene Basis für die Edelschmieden Abt Sportsline, AC Schnitzer und Lorinser, die aus den braven Business-Kombis pfeilschnelle Gepäcktransporter mit Hinguck-Faktor machen. Vor allem der schwäbische Tuner mit Vorliebe für Sternenträger übt sich im Schaulaufen.

Bei der Optik setzt der Lorinser-Mercedes auf dicke Backen

Alte Tuningschule: Der Lorinser trägt seine Leistung deutlich nach außen.

Die mit Kiemenattrappen bestückten Kotflügelverbreiterungen ziehen den Lorinser-Benz um drei Zentimeter in die Breite. Voluminöse, wenn auch nicht ganz sauber angebrachte Schürzen längen den Stuttgarter um zwei Zentimeter, in den Radhäusern rotieren mischbereifte 19-Zöller in Turbinenoptik – naturgemäß umso mehr, je tiefer das Gaspedal in Richtung der flauschigen Auslegeware wandert. Untermalt von kurz quiekenden Hinterreifen und zornig grummelndem V6-Selbstzünder hechtet der Lorinser C 320 CDI dank per Zusatzsteuergerät freigesetzter 36 PS Mehrleistung in 6,5 Sekunden auf 100 Sachen, unterstützt von den sanften Schaltvorgängen der optionalen Siebenstufenautomatik. Die ebenfalls selbstschaltende Werksbasis guckt mit gemessenen 7,1 Sekunden in die Röhre. Interessant: die Auspufflösung der Schwaben. In die Heckschürze sind zwei Auspufföffnungen integriert – Attrappen.

Für rund 10.000 Euro päppelt Abt das Blechkleid des A4 Avant auf

Gründlich aufgemotzt: Für knapp 10.000 Euro liefert Abt das volle Showprogramm.

Hinter dieser Schaupackung verstecken sich beidseitig die echten Sportauspufftöpfe – interessanterweise mit jeweils zwei unterschiedlich ausgerichteten Endrohren bestückt. Aus den nach unten gekrümmten Öffnungen entweichen 60 Prozent der Abgase, der Rest strömt geradeaus durch die Stoßfängeröffnung; das soll einer unschönen Schürzenschmelze vorbeugen. Den Klang des V6-CDI vermag die kompliziert klingende Lösung allerdings kaum zu intensivieren. Streift die Tachonadel des getunten Daimlers die 200er-Marke, lautet der Spielstand 28,7 : 30,3 Sekunden gegen die Serie – passabel, mehr aber nicht. Bei 248 km/h streicht Lorinsers C 320 CDI die Segel, das sind 4 km/h mehr als die Werksangabe. Über 3500 Touren erlahmt der Drehwille des V6-Selbstzünders. Er surft lieber auf der hoch gipfelnden Drehmomentwelle, die auf spontane Zwischenspurts etwas träge reagierende Automatik unterstützt den gemütlichen Charakter. Zudem scheffeln die schaufelförmigen Räder und wuchtigen Anbauten wohl reichlich Fahrtwind.

Abt Sportsline setzt ebenfalls auf einen bleibenden ersten Eindruck. Für knapp 10.000 Euro liefern die Kemptener das volle Showprogramm: glänzende 19-Zöller, Sportauspuff, Fahrwerksfedern und ein komplettes Karosseriekit. Kleiner Schönheitsfehler: Die Sensoren der Einparkhilfe mussten neu verlegt werden und neigen zu Fehlermeldungen. Einige Ampelgegner zeigen sich zunächst beeindruckt, schmunzeln aber angesichts des Dieselknurrens im Stand. Zu früh gefreut. Stürmisch pfeilt der allradgetriebene Ingolstädter von der Stelle – zusammen mit der im Testwagen verbauten Sechsstufenautomatik blüht die Leistungssteigerung von 42 PS voll auf. Schon bis 100 km/h zieht die gemessene Serie mit 6,6 : 6,1 Sekunden klar den Kürzeren, bis 200 liegen gar 3,5 Sekunden zwischen Werksprodukt und Tunerspross. Nur in Sachen Spitzentempo setzt der Abt AS4 mit 250 km/h keine neuen Maßstäbe. Egal, erfreut sich der von üppigen 560 Newtonmeter massierte Fahrer vielmehr am überraschend sportlichen Sound. Tiefkehlig sonor brummt die Sportabgasanlage unter Last, leichtes Laderpfeifen untermalt den machtvollen Durchzug im mittleren Drehzahlbereich. Volle Punktzahl. Zudem nimmt der V6-TDI schon ab Standgas willig Vortriebsbefehle an und macht so einen deutlich lebhafteren Eindruck als der im untersten Drehzahlbereich zäh agierende Mercedes-CDI.

AC Schnitzer schnürt mit dem ACS 3 das dynamischste Gesamtpaket

Keine Chance für die Konkurrenz: Der AC Schnitzer geht am schnellsten nach vorne.

Quicklebendig, fast ungestüm tritt hingegen der AC Schnitzer ACS 3 3.0d an. Mit leicht rauchiger Reihensechser-Reibeisenstimme und unerreichter Drehfreude rüttelt er mit Vorliebe am Zaun der 5000er-Marke. Ganz und gar nicht Diesel-like. 286 PS und 620 per Sechsstufenautomatik verwaltete Newtonmeter überfordern die Hinterräder beim Kavaliersstart mühelos. Abhilfe: im zweiten Gang anfahren. Dann wuchtet sich der ACS 3 profilschonend von der Stelle, ein Schaltvorgang entfällt. Keine sechs Sekunden vergehen so bis 100 km/h, mit 200 Sachen fliegt der getunte BMW nach 22,7 Sekunden dahin. Ein glorreich hochdrehender M5 Touring (E34) mit 340 PS? Auch nicht schneller. Und die Basis? Testwerte liegen nur von einer 109 Kilo leichteren 330d Limousine vor. Dennoch distanziert der Schnitzer selbst diese bis 160 km/h schon um 1,1 Sekunden. Bei 253 km/h kappt die Vmax-Begrenzung weiteren Höhenflug. Ob die von BMW auf Wunsch installierte, Euro-6-fähige Blue-Performance-Technik samt NOx-Speicherkat mit dem Tuningeingriff kompatibel ist, konnte AC Schnitzer mangels Verfügbarkeit eines solchen Fahrzeugs noch nicht testen. Die Aachener sind jedoch zuversichtlich, dass beide Systeme harmonieren.

Lorinser liegt bei der Performance leicht hinter Abt und AC Schnitzer

Rennlaster im Anflug: Die drei veredelten Kombis machen ordentlich Laune.

Doch auch so beweist der ACS 3 eindrucksvoll: Bei heutigen, hinterradgetriebenen Power-Dieseln quillt der Rauch nicht aus dem Auspuff, sondern aus den Radhäusern. Mit beurlaubten Regelsystemen schmirgelt das üppige Drehmomentpolster die hinteren Contis blitzschnell Richtung Gleitreibung – Driftvergnügen pur, das mit dem für Selbstzünder ungewöhnlich breiten Drehzahlband sowie der exakten Lenkung ungetrübt genießbar ist. Linientreue Schnitzer-Piloten grinsen nicht weniger. Schnell schnippt die Automatik durch ihre Stufen und erlaubt sowohl gummibandartiges Durchziehen als auch spontane Zwischenspurts. Nicht hektisch, sondern hellwach. Mit hauseigens abgestimmtem Sportfahrwerk und einer leicht hecklastigen Gewichtsverteilung (48 : 52 Prozent) pflegt der Aachener Edelkombi innigen Kontakt mit der Straße, räubert neutral und nahezu wankfrei durch Kurven und pariert eifrig kleinste Impulse der rückmeldungsreichen Lenkung. Kemptens Wuchtbrummer bleibt ihm dabei dicht auf den Fersen. Dass 57 Prozent der Masse vorn lasten, spürt der Abt-Dompteur kaum. Quattro-Grip tackert den AS4 trotz Mehrgewicht fest an die Ideallinie, garantiert zudem den unerschütterlich stoischen Geradeauslauf. Das ESP greift nie störend ein, sogar launige Heckschwenks im Nassen sind ohne Schleuderbremse drin.

Weitere Details zu den drei getunten Lademeistern mit Diesel gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen finden Sie hier als PDF im Heftarchiv.

Autor: Frank Wiesmann

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