Zwei getunte 500 Abarth

Getunte Fiat 500 Abarth

— 07.01.2010

Zwei getunte 500 Abarth im Vergleich

Der 500 Abarth ist der heißeste Sportwagen der Bambini-Klasse. Können esseesse-Kit und Tuner Schnorr den kleinen Italiener noch sportlicher machen? Zwei Mini-Flitzer im Vergleich.

"Klein, aber gemein", lautete einst die Abarth-Essenz, als noch die ganz mutigen Männer sich mit den kleinen, italienischen Skorpion-Kisten über die Renn- und Bergstrecken jagten. Und dabei so manchen großen Sportler hinter sich ließen. Auch 50 Jahre nach dem Debüt des ersten Fiat 500 Abarth sollen die "Bambini" wieder für Furore sorgen. Der Auftritt des neuen Skorpions ist bereits im Stand brachial. Doppelflutige Auspuffanlage, Dachspoiler und üppiges Schuhwerk – alles Zeichen von Macho-Attitüden statt Frauenherzen erobernder Charme. Kurz: Dieser 500er Abarth ist auch was für Männer.

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Tuning-Paket: Das esseesse-Kit wird vom Abarth-Händler nicht ab Werk eingebaut.

Und für die ganz Starken und Schnellen dieser Gattung haben die Italiener ein hauseigenes Tuning-Kit namens esseesse kreiert; esseesse steht dabei für SS wie SuperSport. Der Sportzusatz kostet 2585 Euro und kommt nicht ab Werk, sondern wird vom Abarth-Händler eingebaut. Die im Baukasten enthaltene, modifizierte Motorsteuerung, der erhöhte Ladedruck und der spezielle BMC-Luftfilter sind dabei mitverantwortlich, dass der 1,4-Liter-Turbomotor statt 135 PS bei 5500/min im esseesse eine Leistung von 160 PS bei 5500/min entwickelt. Das Drehmomentmaximum beträgt nun 206+ Newtonmeter, in der Power-Stellung sogar 230 Nm bei 3000 Touren. Der normale 500 Abarth stellt 180 (Power 206) Nm bei 3000/min bereit. Unverändert bleiben dagegen die Übersetzungen des Fünfganggetriebes und der Achse. Ebenfalls Teil des esseesse-Kits sind 15 Millimeter kürzere Sportfedern, härtere Dämpfer und spezielle 17-Zoll-Räder mit 205/40er-Reifen. Die Bremsscheiben (rundum gelocht) sollen an der Vorderachse mit speziellen Belägen für noch mehr Druck und Ausdauer sorgen.

Der Tuner versorgt den 500 Abarth mit einem Hauch mehr Leistung

Marginal stärker: Mit 163 PS schlägt der Schnorr-Abarth seinen Konkurrenten knapp.

"Was das Werk kann, können wir auch!", dachte sich Tuner Schnorr. Sein weißer 500 Abarth pflegt bereits optisch den sportlicheren Auftritt. Zwar ist die Karosserie mit den gleichen Schürzen und Spoilern wie der esseesse bestückt. Jedoch schafft das Zusammenspiel der knallroten OZ-17-Zöller mit dem Abarth-Dekor eine rasantere Erscheinung. Mehr Kurventalent verspricht ein unnachgiebiges H&R-Gewindefahrwerk mit leicht negativem Sturz an Vorder- und Hinterachse. Doch das eigentliche Tuning sitzt unter der Motorhaube. Die Elektronik des 1,4-Liter-Turbos wurde dezent geändert, der Ladedruck angehoben: Fertig waren 28 zusätzliche Pferdestärken. Zwar spricht der Vierzylinder bereits unter 2000 Umdrehungen noch kraftvoller an als die Serie, verliert dann aber wegen eines nicht gleichmäßig anliegenden Ladedrucks wieder an Power. Nach dem Test wurde bei Schnorr die Ursache des Problems gesucht und gefunden: Die serienmäßige Ladedruckdose am Turbolader scheint der Mehrleistung nicht gewachsen gewesen zu sein. Eine überarbeitete Dose soll nun den Druck in allen Lastzuständen konstant halten.

Besser funktioniert das beim Werksauto. Die Italiener tunen hier ähnlich wie Schnorr, die Auswirkungen fallen jedoch etwas harmonischer aus: keine Anzeichen von Ladedruckhemmungen. Im Gegenteil, der Motor scheint immer eine Spur elastischer und rundum geschmeidiger. Beide Bambini eint schon vor den ersten Messfahrten und der Rennstrecke eine Gemeinsamkeit: Sie wecken das Kind im Manne. Vor allem auf der Autobahn macht es mit den beiden Kleinen mächtig Spaß, die Großen zu ärgern. Bis 200 km/h kann man sich da ruhig mal einen Golf GTI zur Brust nehmen. Doch Vorsicht, wenn es kurvig wird. Der kurze Radstand und die harten Fahrwerke bringen die Abarths bei solchem Tempo schnell ins Schlingern. Apropos Autobahn: Der esseesse läuft 211, der Schnorr 209 km/h (Serie 205). Ähnlich gleichwertig verlaufen die Standardmessungen. In fast jeder Übung liegen Werk und Tuner gleichauf. Bemerkenswert dabei ist, dass der esseesse die Werksangabe von 7,4 Sekunden um 5 Zehntel verfehlt. Der Schnorr 500er dagegen erreicht nur die Werksangabe des 500 Abarth.

Das esseesse-Kit ist auf der Rennstrecke unspektakulärer und schneller

Rundenzeit schlägt Fahrspaß: Der Graue ist schneller, der Weiße lustiger.

Angesichts solch gleichwertiger Fahrleistungen schicken wir beide Probanden mit Spannung zur finalen Messung auf die Rennstrecke. Nachdem per Sport-Taste Lenkung und Gaspedal geschärft sind, nimmt zuerst der Schnorr-Abarth den Hockenheim-Asphalt unter die Räder. Bereits nach einigen Kurven wird deutlich, dass sich sein gekonnt abgestimmtes Fahrwerk im Grenzbereich spürbar wohlfühlt. Weitgehend neutral und bei Lastwechseln sanft eindrehend, zirkelt der kleine Italiener ohne Untersteuern an der Ideallinie entlang. Vor allem in den kurvigen Sektoren 3 und 4 nimmt der weiße Abarth dem grauen esseesse ein paar Zehntel ab. Das bei beiden 500ern als Sperre fungierende Torque Transfer Control (TTC) ließ zwar genügend Schlupf zu. Doch das dadurch nicht komplett abschaltbare ESP regelt zu oft, wenn auch sanft. Kritik ernten auch die nach zwei Runden bereits um Hilfe schreienden Pirelli-Pneus.

Deutlich unspektakulärer gestaltet sich die Zeitenhatz im Werkswagen. Obwohl das Fahrverhalten subjektiv als langsamer empfunden wird, hält sich der esseesse tapfer im Rennen und rollt knapp eine Sekunde früher über die Ziellinie – den Michelin-Gummis sei’' gedankt. Ein Verlierer ist der Schnorr dennoch nicht. Trotz Ladedruck-Problem zeigt er auf der Rennstrecke eine überzeugende Leistung. Im esseesse kommt da spürbar weniger Fahrspaß auf.

Weitere Details zu den beiden heißen Fiat 500 Abarth gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen finden Sie als Download im Heftarchiv.
Fahrzeugdaten Abarth esseesse Schnorr Abarth
Motor R4, Turbolader R4, Turbolader
Einbaulage vorn quer vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Hubraum 1368 cm³ 1368 cm³
Bohrung x Hub 72,0x84,0 mm 72,0x84,0 mm
Verdichtung 10,8:1 10,8:1
kW (PS) bei 1/min 118 (160)/5500 120 (163)/4200
Literleistung 117 PS/Liter 119 PS/Liter
Nm bei 1/min 230/3000 251/4200
Antriebsart Vorderrad Vorderrad
Getriebe 5-Gang manuell 5-Gang manuell
Bremsen vorn 284 mm/innenbel./gelocht 284 mm/innenbel.
Bremsen hinten 240 mm/gelocht 240 mm
Radgröße vorn/hinten 7,5 x 17 7 x 17
Reifen vorn/hinten 205/40 R 17 205/40 R 17
Reifentyp Michelin Pilot Exalto PE2 Pirelli PZero Nero
Länge/Breite/Höhe 3657/1627/1473 mm 3657/1627/1473 mm
Radstand 2300 mm 2300 mm
Leistungsgewicht 7,0 kg/PS 6,7 kg/PS
Zuladung 308 kg 331 kg
Tankvolumen 35 l 35 l
Messwerte Abarth esseesse Schnorr Abarth
Beschleunigung
0– 50 km/h 2,7 s 2,7 s
0–100 km/h 7,9 s 7,9 s
0–130 km/h 12,7 s 12,8 s
0–160 km/h 21,0 s 21,0 s
0–180 km/h 30,8 s 31,0 s
0–200 km/h 43,7 s 46,0 s
Viertelmeile
0–402,34 m 15,88 s 15,90 s
Höchstgeschwindigkeit
GPS-Messung 211 km/h 209 km/h
Elastizität
60–100 km/h im 4. Gang 6,6 s 6,5 s
80–120 km/h im 5. Gang 10,2 s 10,7 s
Bremsweg (Verzögerung)
100–0 km/h kalt 36,1 m (–10,7 m/s²) 37,8 m (–10,2 m/s²)
100–0 km/h warm 37,8 m (–10,2 m/s²) 38,3 m (–10,1 m/s²)
Testverbrauch
Ø auf 100 km 7,7 l Super 8,1 l Super
Reichweite 460 km 430 km
Leergewicht 1117 kg 1094 kg

Autor: Guido Naumann

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