Zwei getunte Mini

RMS Mini Cooper S gegen AC Schnitzer Mini Cooper S Works RMS Mini Cooper S gegen AC Schnitzer Mini Cooper S Works

Getunte Mini von AC Schnitzer und RMS

— 01.11.2005

Maximale Minis

Viel Spaß mit wenig Auto: AC Schnitzer und RMS treiben das Thema Mini-Tuning auf die Spitze – unterstützt von ungewöhnlichen Detaillösungen und praller PS-Power.

Schlichter Schnitzer, greller RMS

Kleine Menschen leiden des Öfteren unter einem ausgeprägten Geltungsdrang. Bestes Beispiel: Napoleon. Mit Autos verhält es sich nicht anders: Der Mini wird aufgrund der geringen Abmessungen und seiner freundlichen Gesichtszüge leicht unterschätzt. Dabei verwandeln ihn die jüngsten Tuningmaßnahmen endgültig in einen ernstzunehmenden Kontrahenten – auch weit stärkere Gegner sollten auf der Hut sein.

Diesen Anspruch teilt der Mini vom Tiroler Tuner RMS der Welt erfreulich unverblümt mit. Ein kantiger Spoilersatz von Lumma unterstreicht die knallige Außenfarbe. Dem mittigen Doppel-Endrohr im DTM-Stil entweicht lautstarkes Bollern. Daß ausgerechnet bei Tempo 120 starke Dröhnfrequenzen auftreten, begeistert uns allerdings weniger. Immerhin überlagert der Sound das typische Kompressorpfeifen (im AC Schnitzer-Mini allgegenwärtig) fast völlig.

Ein Tritt auf das Gaspedal erzeugt verblüffte Mienen: Der Ösi setzt sich mit atemberaubendem Nachdruck in Bewegung. RMS verspricht 272 PS. Dafür baut er nicht nur einen neuen Kompressor, überarbeiteten Zylinderkopf, eine Sportnockenwelle, Fächerkrümmer und Sportauspuff ein, sondern auch eine Wasser-Ladeluftkühlung. Die bildet das Herzstück der Leistungssteigerung und unterbindet die thermische Anfälligkeit des Cooper S. Dank TÜV-Gutachten stellt die Eintragung kein Problem dar. Auch der Preis bleibt im Rahmen – die Wasser-Ladeluftkühlung (gut für 25 Extra-PS) kostet 1390 Euro.

RMS macht ordentlich Druck

Die Unart, sich bei abrupten Gaswechseln gelegentlich zu verschlucken, sollte RMS seinem Mini jedoch noch abgewöhnen. Die Meßwerte hingegen lassen keinen Wunsch offen: Mit 6,0 Sekunden von null auf 100 km/h stanzt der Tuner einen formidablen Wert in den Asphalt – kein Mini war bisher schneller. Der AC-Schnitzer-Mini benötigt eine fühlbare Sekunde mehr. Auch das Höchstgeschwindigkeits-Duell geht mit 255 zu 245 km/h an RMS.

Die Unterlegenheit des AC-Schnitzer-Minis kommt nicht von ungefähr. Der Tuner aus Aachen bleibt leistungsmäßig auf dem Boden. Er räumt anderen Features mehr Bedeutung ein: dem Rennsportfahrwerk, dem Sperrdifferential und den Semi-Slicks mit Grip-Garantie.

Die erzielten 222 PS basieren auf dem ab Werk angebotenen Works-Tuning (mit normalerweise 210 PS). Das reizt der Tuner aus Aachen aus und erzielt zwölf Mehr-PS. Angesichts einer Investition von 1590 Euro eine unbefriedigende Ausbeute. Roman Fenners, Technikchef von AC Schnitzer, erklärt: "Eigentlich stellen unsere Power-Kits keine Ergänzung zu Works dar, sondern eine Alternative. Wir rüsten lieber normale Cooper S aus. Denen verpassen wir dann für 4450 Euro 222 statt 170 PS."

AC Schnitzer: Einheit von Auto und Fahrer

Zum Test tritt trotzdem der AC-Schnitzer-Works-Mix an. Was die Kosten betrifft, mag der ein Schuß in den Ofen sein – ansonsten ist er eine vorzügliche Wahl. Der Motor scheint heftige Gasstöße förmlich herbeizusehnen. AC Schnitzer ist bemüht, Auto und Fahrer zu einer Einheit zu verschmelzen. Der Tuner arbeitet mit allen Tricks: Dank Lenkradnaben-Verlängerung gehen Pilot und Steuer auf Tuchfühlung, nur der Blinkerhebel rückt in schwer greifbare Ferne. Aufgrund unnachgiebiger Vierpunktgurte glänzt der Fahrer-Airbag durch Abwesenheit. Ein- und Ausstieg gehen problemlos vonstatten – trotz tiefer Sportsitze und weit in den Innenraum ragendem Lenkrad. Nur die Metall-Fußablage nervt. Große Füße bleiben regelmäßig an ihr hängen.

Die Frage, wer auf der Rennstrecke die Nase vorn hat, können wir leider nicht endgültig klären. Was die Papierform anbelangt, hat der RMS-Mini gute Karten: Neben einem deutlichen Leistungsplus verfügt auch er über Sportbremse, nachträglich eingebaute Sperre, Gewindefahrwerk und einen Satz weicher Semi-Slicks.

An der Aufgabe, diese anstelle der Alltagsreifen zu montieren, scheiterte die von uns beauftragte BMW-Niederlassung im norddeutschen Raum leider auf ganzer Linie. Lose Radbolzen ruinierten die Gewinde – mit fatalen Konsequenzen: Eine verwertbare Rundenzeit können wir nicht bieten. In Kürze trifft sich Tuner RMS hoffentlich noch mal mit uns in Oschersleben. Dann tragen wir die fehlenden Zeiten nach.

Technische Daten und Meßwerte

Der Mini von AC Schnitzer bleibt von derlei Pannen verschont. Und beeindruckt in der Motorsport Arena in Oschersleben mit einem bärenstarken Auftritt. Der Aachener Tuner gewöhnt dem Auto jegliche Neigung zum Untersteuern ab.

Das Leben am Limit gestaltet sich außerordentlich entspannt – bei hohem Fahrspaß. Mit einer Rundenzeit von knapp 1:48 Minuten legt der Mini nicht nur eine hervorragende Zeit aufs Parkett, sondern entthront gleichzeitig den bisherigen Spitzenreiter in der Fronttriebler-Klasse, den Skoda Octavia von Riechert Racing (341 PS). Auf dem verwinkelten Kurs der Motorsport Arena zeigt sich deutlich: Auch mit kleinem Wuchs kann man Großes bewirken.

Fazit, Kontakt und Preise

Fazit von AUTO BILD SPORTSCARS-Redakteur Ben Arnold Minimalismus in Reinkultur: In beiden Donnerbüchsen geht es unkomfortabel, eng und laut zu. Die Tuner verweigern sich jeglicher Weichspülerei – und das ist gut so. Das AC-Schnitzer-Auto überzeugt durch eine harmonisch aufeinander abgestimmte Komplettlösung und tolle Rennstreckenqualitäten. Der grelle RMS-Mini punktet mit komplexem Motortuning, überwältigender Kraftentfaltung und exzellenten Fahrleistungen.

Kontakt: AC Schnitzer, Telefon 0241/ 5 68 81 30, www.ac-schnitzer.de; RMS Fahrzeugtechnik, Tel. 0043/ 5375/ 53 35, www.rms-tuning.com

Autor: Ben Arnold

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