Getunte Porsche Cayenne

Getunte Porsche Cayenne

— 31.01.2005

Pfeffer im Bug

Die Scharfmacher von Eibach und Sportec haben beim ohnehin schon scharfen Porsche Cayenne krftig nachgewrzt. Ansatz und Zutaten sind unterschiedlich, das Ergebnis in beiden Fllen durchaus beeindruckend.

Krftig nachgewrzt fr Feinschmecker

Nein, hier kommt nicht einmal ein Anfangsverdacht auf. Wer sich fr einen Cayenne entscheidet, ist absolut unverdchtig, ein Auto als reines Fortbewegungsmittel zu fahren. Auch das SUV von Porsche steht eindeutig fr Fahrspa. Schlielich markiert der Cayenne eindeutig die Speerspitze der Gelndewagen. Was will man mehr? Noch mehr Pfeffer etwa?

Scharf, schrfer, noch schrfer fr automobile Feinschmecker kann das krftige Nachwrzen des grten aller Porsche durchaus Sinn machen. Der Cayenne bietet Spielraum fr Verfeinerungen, besonders weil mittlerweile drei Versionen des Offroaders in der Preisliste stehen. Fr die Kreativkche unter den Tunern erffnen sich so interessante Variationsmglichkeiten. Nicht nur am oberen Ende der Cayenne-Palette, sondern besonders auch am unteren. Und so stehen sich in diesem Vergleich zwei sehr verschiedene Modelle gegenber. Whrend die Schweizer Firma Sportec die Turbo-Topversion mit 450 PS als Basis whlt und durch Detailarbeit auf 600 PS bringt, versucht sich Fahrwerkspezialist Eibach am Einstiegs-Cayenne mit dem Sechszylinder-V-Motor von Volkswagen.

Mit 250 PS ist dieser fr Porsche-Mastbe eher ein schlapper Vertreter. Mehr Pfeffer bringen zwei Motair-Abgasturbolader. Das Auto wurde beim sddeutschen Turbinen-Spezialisten HGP umgerstet: 470 PS, das hrt sich gut an und verspricht einiges. Durch das Aufpusten bertrifft das vergleichsweise preisgnstige 3,2-Liter-Modell nicht nur den Cayenne S (340 Saug-PS), sondern berflgelt sogar den Werksturbo mit 450 PS. Satte 110 Mehr-PS pro Zylinderbank und Lader ergeben eine Leistungssteigerung von 220 PS. Ein feuriges Versprechen, das Eibach und HGP da auf die Speisekarte setzen. Der Plan hat was.

Schneller als der Serien-Turbo

Der Eibach-Cayenne ist tatschlich schneller als der aufgeladene Achtzylinder vom Porsche-Hndler: 5,5 statt 5,7 Sekunden auf 100 km/h. Auch seine Hchstgeschwindigkeit liegt einen Tick hher. Natrlich ist das nicht dramatisch, aber dafr kostet das Tuningmodell ohne weitere Modifikationen nur rund 69.000 Euro. Der Serien-Turbo (ab 101.880 Euro) kommt mindestens 32.880 Euro teurer. Ebenfalls berzeugend ist sein geringerer Verbrauch. Der zwangsbeatmete Sechszylinder schluckt im Schnitt 3,3 Liter weniger als der durstige V8, der bei Vollast bis zu 35 Liter auf 100 Kilometer verfeuert.

Auch sein Klang verdient Lob. Je nach Drehzahl entfalten die vier Endrohre der Remus-Abgasanlage eine kernige Geruschkulisse, die sich jenseits von 4000 Umdrehungen zu einem hochfrequenten Inferno verdichtet. Besser kann ein Sechszylinder nicht klingen. Entsprechend imposant sieht das 3,2-Liter-Triebwerk aus. Der Blick unter die Fronthaube offenbart ein appetitliches Arrangement aus armdicken Rohren, blauen Schluchen, silbernen Schellen und mattglnzenden Ventildeckeln. Ein prachtvoller Motor. Das Auge it ja bekanntlich mit. Deshalb hat Eibach sein Men auch optisch ansprechend arrangiert. Der Cayenne rollt auf 10,5x21-Zoll-BBS-Kreuzspeichen-Rdern, die hinten gewaltige 325er-Dunlop-Reifen tragen. Innen schmckt ein 50teiliges Dekor-Kit das Eibach-SUV.

Selbstverstndlich hat der Federnspezialist auch das Fahrwerk modifiziert. Strkere Stabis sowie leichte, progressiv arbeitende Titanfedern mit 35 Millimeter Tieferlegung machen das Fahrverhalten noch verbindlicher. Ein perfekt abgeschmecktes Men ist der Eibach-Turbo dennoch nicht. Dafr ist seine Leistungsentfaltung zu eruptiv und unausgewogen. Da die Turbinen erst Druck aufbauen mssen, fhrt er zh an und schiet dann nach althergebrachter Turbomanier derart vehement nach vorn, da zwar eine unter dem Strich schnelle, nicht aber harmonische Fahrweise mglich ist.

Fahrleistungen und Verbrauch

Dazu kommt: Die im Testwagen installierte Schaltwegverkrzung der amerikanischen Firma B&M kann nicht berzeugen. Die Gnge rasten nur unwillig in Position, der erwartete Gewinn an Dynamik verkehrt sich ins Gegenteil. Ebenfalls kein Vorteil ist der Tausch der Porsche-Bremse gegen eine Achtkolben-Anlage von Brembo. Deutlich besseres Verzgerungsverhalten wird nicht erzielt. Darum haben die Kraftkche der Firma Sportec ihrem Cayenne auch die Serienbremse gelassen. Sichtbare Zeichen der gehobenen Tuningkche sind ein Aerodynamiksatz, bestehend aus Front-, Seiten- und Heckspoiler, sowie Carbonverzierungen innen wie auen. Weniger dezent sind die Rder ausgefallen. Der Sportec-Porsche rollt auf geschmiedeteten 22- statt auf den serienmigen 18-Zoll-Rdern.

Anders als beim Eibach-Projekt wurde hier nicht mit intensiven Geschmacksverstrkern hantiert, sondern die Schweizer whlten beim Griff ins Gewrzregal eher die feinen Kruter. Das heit: klassisches Tuning statt Aufladungs-Keule. Schrfere Nockenwellen, genderte Motorsteuerung, neue Lader, modifizierte Spritzufuhr, optimierte Khlung, Sportkats, durchsatzstrkere Abgasanlage sowie ein atmungsaktiver Luftfilter machen aus dem Cayenne Turbo den Cayenne Turbo SP 600. Ein Gedicht.

Im Stand klingt er wie ein US-Musclecar aus den 60ern, bei sanftem Tritt aufs Gas brennt er los wie Peperoni beim Bi in die Pizza Diavolo. Kein Zweifel, dieser Porsche verdient das Prdikat "extra scharf". In 4,9 Sekunden jagt er auf Tempo 100, gerade 11,3 Sekunden spter sind 200 km/h erreicht: 4,4 Sekunden schneller als sein Ausgangsprodukt. Wo sind nur die 2,5 Tonnen Leergewicht geblieben? Bei voller Beschleunigung verharrt der Drehzahlmesser kurz bei 1500 Touren, dann schiet er auf 4000 und dreht noch schneller auf die 7000er-Marke. Dabei braut sich ein V8-Gewitter zusammen, das der Geruschkulisse von Supersportwagen in nichts nachsteht.

Technische Daten und Fazit

Die um 150 PS erstarkte Maschine schiebt den Kolo derartig an, da er selbst mit krftigsten Neunelfern mithalten kann. 815 Newtonmeter ab 3200 Umdrehungen, verteilt auf vier Antriebsrder, ermglichen ein Hchstma an Vortrieb. Dabei harmoniert der Achtzylinder hervorragend mit der Sechsgangautomatik. Der Komfort der von Sportec berarbeiteten Luftfederung (automatische Hhenanpassung) in Stellung "Comfort" und "Gelnde" bleibt angenehm. Nur der Sportmodus ist zu straff und teilt unschne Schlge aus. Trotz seiner enormen Dynamik ist der SP 600 ein echter Gelndewagen mit Untersetzung, Lngssperre und Hhenverstellung. Die Rennstrecke liegt ihm zwar nher, bei Bedarf fhrt er aber auch direkt dahin, wo der Pfeffer wchst.

Fazit Eibach zeigt, wie der kleine Cayenne fr vergleichsweise wenig Geld zu einer echten Alternative zum teuren Werks-Turbo wird. Wer auf Automatik und Luftfederung verzichten kann, kriegt einen gutgehenden und dennoch sparsamen SUV. Sportec geht einen vllig anderen Weg. Wo die Porsche-Preisliste aufhrt, fangen die Schweizer erst an. Fr knapp 170.000 Euro gibt es einen 600-PS-Boliden, der sowohl die Rolle des Sportlers als auch die des Offroad-Knstlers nahezu perfekt beherrscht.

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