Getunte Smart im Vergleich

Getunte Smart im Vergleich Getunte Smart im Vergleich

Getunte Smart

— 22.03.2002

Völlig durchgeknallt

Was kann man aus drei Zylindern und 600 Kubik schon machen? Viel. Fünf heiße Kult-Kugeln haben wir in Oschersleben auf die Piste geschickt.

Aller Anfang ist das Rad

Mit dem Smart ist das so eine Sache. Als ihn die große Mutter Mercedes vor fünf Jahren aus der Taufe hob, war er trotz seiner bescheidenen Abmessungen die Riesen-Sensation. Nur verkaufen tat er sich nicht so recht. Anfangs haben wir gelacht, wenn uns ein Smart über den Weg hoppelte. Später beschlich uns bei solchen Begegnungen ein Gefühl der Trauer ob der Tatsache, dass DaimlerChrysler mit so wenig Auto so viel Geld in den Sand gesetzt hatte.

Dann kam die Wende: Plötzlich wurde der Smart zum Kult. Lifestylige Hausfrauen frönten mit ihm ihren Cabrio-Gelüsten, smarte Werber tuckerten mit dem putzigen Kugelblitz in die Agenturen, höhere Töchter parkten ihn vor der Disco, progressive Pizza-Lieferanten entdeckten seinen Werbewert - und die Tuner sein Potenzial. Wofür sie schon genau hinsehen mussten.

Denn oberflächlich sind die Fakten ernüchternd: Zweieinhalb Meter kurz, 720 Kilo leicht und ein Hubraum von lächerlichen 599 cm3, verteilt auf peinliche drei Zylinder - das ist die Basis. So was frisieren eigentlich nur Motorrad-Tuner. Wenn überhaupt.

Doch der Smart hat vier Räder. Die aufgrund ihrer Mickrigkeit woanders allenfalls als Noträder durchgehen würden, aber immerhin. Irgendwo muss man schließlich anfangen. Aus 15 Zoll wurden 16, die Breite ließ sich auch noch steigern - und auf einmal gab es einen Markt. Der nach mehr schrie.

Powered to the max: bis zu 80 PS

Die Tuner taten, was sie konnten: entwickelten martialische Frontbügel, die ausgewachsenen Geländewagen gut zu Gesicht gestanden hätten, behängten den süßen Kleinen mit markanten Seitenschwellern und Dachspoilern und peppten die Cockpits auf. Nur an die Motoren trauten sie sich nicht so recht. Verständlicherweise, muss man sagen, denn: Drei Zylinder, 600 Kubik - was sollte man daraus machen?

Dabei lag die Antwort auf der Hand, zumindest für die Dattelner Digi-Tec-Truppe, die den Smart-Slogan "Reduce to the max" einfach umdrehte. "Powered to the max" lautete ihr Motto, unter dem sie dem knuddeligen Winzling einen Turbolader implantierten und ihn so auf imposante 78 PS erstarken ließen. Auch sonst ist bei Digi-Tec alles "to the max": Die Formel-1-mäßigen Schaltpaddel-Attrappen hinter dem Lenkrad, die monströsen Renn-Schalensitze, die den Durchgriff zu Handbremse oder Gurtschloss beinahe unmöglich machen, oder das Aluminium- Pedalset, das auch den unteren Extremitäten ein gewisses Rennflair vermittelt.

Doch es geht auch anders: Der Österreicher Gerhard Königseder etwa zitiert den französischen Schriftsteller Jean Cocteau, um seiner Klientel klar zu machen, dass ein Smart auch ganz anders sein kann. "Die meisten leben in den Ruinen ihrer Gewohnheiten", heißt es auf dem Königseder-Prospekt - und sein Produkt ist denn auch alles andere als gewöhnlich, aber auch ganz anders als der Digi-Tec.

Tuning auf zweieinhalb Meter Länge

Weitgehend einig sind sie sich nur bei der Leistung: Stramme 80 PS treiben den Smartie aus der Alpenrepublik an - und wer ihn sieht, könnte meinen, er käme sogar aus Maranello. Wobei die Ferrari-rote Lackierung noch das wenigste ist. Neckische Hörnchen verzieren den Frontspoiler ebenso wie den vergleichsweise gewaltigen Heckdiffusor (!) - und selbst der Innenraum erstrahlt in einem italienisch anmutenden Dialog aus Leder und Alcantara.

Womit wir sehen: Selbst auf zweieinhalb Meter Länge lässt sich Tuning höchst unterschiedlich interpretieren. Wobei aber auch deutlich wird, dass sich gewisse Gemeinsamkeiten bei unseren Testkandidaten nicht verhindern ließen: Ob Digi-Tec oder Königseder, CS, Opera oder STC - die Leistungsbandbreite erstreckt sich zwischen 75 und 80 PS, was sich, absolut betrachtet, eher langweilig anhört, in einem Smart aber schon relativ viel ist. Schließlich sind Motorräder mit 80 PS ja auch schon ganz schön flott.

Wenn dann auch noch ein praller Sound hinzukommt, lässt sich eine gewisse Faszination kaum leugnen. Als Spitzenreiter in dieser Disziplin erwiest sich der Kandidat von CS, dessen Edelstahl-Sportauspuff fast für Rennakustik sorgt - was der Besatzung auf längeren Strecken allerdings auch ganz schön auf die Ohren geht. Eine besondere Erwähnung gebührt in diesem Zusammenhang dem Digi-Tec, der bei jedem Lupfen des Gaspedals unter Stöhnen und Schnalzen den überflüssigen Ladedruck aus dem Abblasventil entlässt.

Die Exemplare von Opera und Königseder repräsentieren das akustische Mittelfeld. Der Vertreter von STC zeigt, dass es auch anders geht: Abgesehen vom vornehmen Zwitschern des Wastegate lässt sich hier kaum ein Unterschied zum Serien-Sound vernehmen.

"Knochen-Fahrwerk": wie passend

Was die netten Kleinen ebenfalls eint, ist ihre Härte. Denn der im Smart bereits serienmäßig vorhandene Hoppeleffekt wird beim Digi-Tec ebenso wie beim CS durch sportlich ausgelegte Federn in einem Ausmaß verstärkt, dass die Bewältigung öffentlicher Straßen bei Fahrer und Passagier schon ausgiebige Nehmerqualitäten erfordert.

Am schlimmsten trifft es den Digi-Tec-Chauffeur, der sich bei hohem Tempo auf der Autobahn vorkommt wie ein Rodeo-Reiter: Wären da nicht die Türen, müsste man fast schon befürchten, abgeworfen zu werden. Ähnlich hart, aber etwas harmonischer gebärdet sich der CS, der nach Auskunft von CS-Geschäftsführer Thomas-Hans Komo über ein so genanntes "Knochen-Fahrwerk" verfügt. Treffender könnte man es kaum bezeichnen. Geradezu komfortabel geht es dagegen in den übrigen Vertretern zu. Grundsätzlich gilt aber auch hier: Schlaglöcher und ähnliche Fahrbahnunbilden sollte man tunlichst meiden. Was auf der Rennstrecke von Oschersleben glücklicherweise kein Problem darstellt.

Dafür müssen die Knallerbsen hier anderweitig Farbe bekennen. Die auf dem Papier deutlich blasser ausfällt als bei unserem Vergleich der BMW-M-Mobile. Doch Leistung ist schließlich eine relative Größe - und was sich bei einem M3 wie rumeiern anfühlt, setzt bei einem Smart schon reichlich Adrenalin frei. Zum Beispiel die Geschwindigkeit am Ende der Zielgeraden: Wo ein M5 mit 190 anrauscht, tuckert der Smart von Opera mit beschaulichen 113,4 km/h vorbei - und der Digi-Tec-Bolide entpuppt sich mit einem Wert von 119,1 schon als regelrechter Renner. In den Kurven dagegen sind die Unterschiede erstaunlich gering: Die Zieleingangskurve beispielsweise meistert der Digi-Tec mit 60,2 km/h - ein M3 ist hier mit 74,4 km/h so viel schneller nicht.

Vom Stadtfloh zum Tuning-Tier

Größere Unterschiede dagegen ergeben sich im Handling der fünf smarten Kandidaten, unter denen sich der CS als reinrassiger Racer profiliert: Sein knochentrockenes Fahrwerk macht auf der Piste nicht nur am meisten Spaß, sondern verhilft ihm auch zu einer weitgehend neutralen Straßenlage. Die Grenzen der Fahrfreude setzt hier allerdings nicht die Physik, sondern das Smart-eigene Fahrstabilitätssystem Trust-Plus, das immer dann, wenn es spannend wird, den Vortrieb unterbricht.

Damit muss sich der Digi-Tec nicht abplagen, und das ist auch der Hauptgrund für seine höheren Kurvengeschwindigkeiten, zu deren Erreichen es aber schon einer kundigen Hand bedarf: Ausgeprägtes Untersteuern und ein instabiles Heck bei Lastwechseln trüben den Fahrspaß bei ihm ebenso wie beim Opera-Smart, der sich aber nicht ganz so giftig gibt. Eher übersteuernd ausgelegt sind dagegen die Vertreter von Königseder und STC, was dank Trust jedoch niemanden vor arge Probleme stellen dürfte.

Als problematischer erweist sich dagegen bei allen Kandidaten die Tatsache, dass die drei Zylinder den nutzbaren Drehzahlbereich arg einengen. Die Folge: Wie bei richtigen Rennwagen spielt sich die optimale Leistungsabgabe in einem engen Bereich ab, der bei STC, CS und Opera zwischen 5000 und 6000 Umdrehungen liegt. Die Extreme bilden der Digi-Tec, der schon im mittleren Bereich viel Drehmoment entwickelt, aber schon bei 5500/min abregelt, sowie das feuerrote Spaßmobil von Königseder, dessen Kurbelwelle sich sogar auf 6300 Umdrehungen bringen lässt.

Bremswerte: 40,3 bis 42,4 Meter

Ähnlich unterschiedlich wie im Fahrverhalten geben sich die Rennzwerge auch bei der Verzögerung: Mit 40,3 Metern von Tempo 100 auf null zieht hier der CS den kürzesten, während der Opera mit 42,4 Metern den längsten Bremswert verzeichnet. Dass der STC sogar über Keramik-Bremsscheiben verfügt, wirkt sich nur subjektiv positiv aus: Der gemessene Bremsweg von 41,2 Metern erwies sich im direkten Vergleich nur als mittelmäßig.

Alles andere als mittelmäßig sind dagegen die finanziellen Aufwendungen für die kleinen Wilden: Das beginnt beim Verbrauch, der vor allem beim Digi-Tec zweistellige und damit geradezu astronomische Ausmaße erreicht, und endet beim Anschaffungspreis: Im Schnitt kosten unsere Kandidaten rund 16.000 Euro - ganz schön großes Geld für so kleine Autos.

Zumal sich die Vorteile eines getunten Smart kaum erschließen. Denn die zusätzliche Leistung ist gleich im mehrfachen Wortsinn teuer erkauft: Abgesehen vom schmerzlichen Kaufpreis sind in Anbetracht lauter Antriebsgeräusche und harter Fahrwerke spätere Gehör- und Wirbelsäulenschäden nicht auszuschließen - und ob ein so kleiner Motor derartige Belastungen auf Dauer verkraftet, darf zumindest angezweifelt werden.

Fazit und Technische Daten

Fazit So unterschiedlich wie die Optik der Smart ist die Machart. Enttäuschende Detailqualität lieferte vor allem Digi-Tec ab. Abfallende Aludekors, herumhängende Kabel, am Kotflügel schleifende Räder - es hakte überall. Dafür war hier das Trust außer Betrieb, was angesichts der beinharten, aber untersteuernden Fahrwerkauslegung nicht gefährlich, dafür umso spaßiger war. Den besten Motor lieferte CS ab, gefolgt von Königseder und dem durstigen Digi-Tec. Die ausladenden Anbauten des Königseder sind stoßgefährdet, dafür bestach sein elegantes Interieur. Den an sich bissigen Keramik-Bremsen des STC fehlt Feinabstimmung.

Den kompletten Artikel mit allen Daten erhalten Sie zum Preis von 1,00 Euro über unser Heftarchiv. Klicken Sie auf diesen Link, und Sie gelangen zum Download-Bereich.

CS Car Service Telefon 06181/ 91890, www.cs-car-service.de

Digi-Tec Telefon 0 23 63/ 5 66 00, www.digi-tec.de

Königseder Tuning, Telefon +43 (0)7583/ 5055, www.koenigseder.at

Opera Design, Telefon 07305/ 93 10 70, www.opera-design.de

STC Telefon 07472/ 28 02 90, www.stc-smart-tec.de

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