Gewinnrückgang im ersten Halbjahr 2002

Bei Audi weht ein schärferer Wind

Gewinnrückgang im ersten Halbjahr 2002

— 07.08.2002

Bei Audi weht ein schärferer Wind

Kommt einem irgendwie bekannt vor: Vorstandschef Martin Winterkorn will die Kosten senken, die Qualität sichern und die Modellpalette erweitern.

"Wir brauchen neue Akzente"

Angesichts des Gewinnrückgangs im ersten Halbjahr spricht der neue Audi-Boss Martin Winterkorn Klartext: "Unsere Leistungsfähigkeit wird in diesem Jahr erstmals seit langem wieder auf eine besondere Probe gestellt", so der Vorstandschef. Zwar trifft die allgemeine Kaufzurückhaltung weniger das obere Marktsegment, das Audi bedient. Dennoch belasten vor allem höhere Entwicklungs- und Vertriebskosten das Halbjahresergebnis, so dass Winterkorn zu einem heiklen Spagat gezwungen ist: Er muss die Kostensituation bei Audi in den Griff bekommen und weiter sparen. Dies darf aber nicht zu Lasten der Qualität gehen, auf die Winterkorn ebenfalls viel Wert legt.

Doch damit ist es nicht getan bei der VW-Tochter. Winterkorns Vorgänger Franz-Josef Paefgen hat das Unternehmen zwar von Rekord zu Rekord geführt und sich mit einer Rekordbilanz verabschiedet. Dennoch weist die Modellpalette im Vergleich mit den experimentierfreudigeren und progressiveren Wettbewerbern Defizite auf. In einigen durchaus lukrativen Fahrzeugsegmenten ist Audi überhaupt nicht vertreten. Audi brauche "neue Akzente, um auf der Straße des Erfolgs zu bleiben", so Winterkorn vor kurzem.

Ein Beispiel für solche Akzente sind so genannte Crossover-Modelle, also etwa Mischformen aus Geländewagen und Coupé, die nun die Produktpalette erweitern sollen. "Wir arbeiten mit großer Energie daran, die Anziehungskraft unserer Marke weiter zu stärken", so Winterkorn. Der frühere Entwicklungschef von Volkswagen, der seine Karriere bei Audi gestartet hat, ist im VW-Konzern im übrigen nicht nur für Audi, sondern auch für Seat und Lamborghini zuständig. Sie repräsentieren die "sportliche" Markengruppe der Wolfsburger. Und diese "Sportlichkeit" soll Winterkorn zufolge künftig ein schärferes Profil bekommen.

Audi hat BMW im Visier

Der Blick ist dabei nach München gerichtet, wo man künftig schärfer mit dem Lokalrivalen konkurrieren will. Jahrelang stand Audi im Schatten von BMW, die ihre Ingolstädter Konkurrenz zunächst kaum wahrgenommen haben. Dies hat sich zuletzt allerdings geändert, und mit dem früheren BMW-Chef Bernd Pischetsrieder hat Winterkorn einen VW-Vorstandschef im Rücken, der weiß, wo die Defizite der Ingolstädter im Vergleich zu BMW liegen, etwa bei der Motorenentwicklung.

"Mein Ziel ist, der Marke einen noch sportlicheren Charakter zu geben", fasst Winterkorn seine Mission zusammen. "Gleichzeitig will ich ihren Qualitätsanspruch heben und die Kostensituation weiter verbessern." Die Richtung, die der Konzern vor einigen Jahren eingeschlagen habe, sei die richtige. "Mein persönliches Ziel ist es, diese Richtung noch entschlossener zu gehen."

Obwohl derzeit gespart wird, soll dies nicht einhergehen mit Stellenabbau, wie ein Unternehmenssprecher noch einmal erklärte. Audi beschäftigt knapp 51.000 Mitarbeiter. Was die kurzfristige Entwicklung angeht, so erhoffen sich die Ingolstädter die wichtigsten Impulse für das aktuelle Geschäftsjahr von den kürzlich eingeführten Modellen Audi A2 und Audi A4 FSI, dem Audi RS 6 sowie des neuen A 8, der im Herbst auf den Markt kommt. Das hohe Investitionsniveau soll beibehalten werden, der eingeschlagene Kurs der Kostenreduzierung die Ergebnisstruktur im Audi-Konzern langfristig verbessern. Nach früheren Angaben von Finanzvorstand Peter Abele will der Konzern bis zum Jahr 2006 rund 11,5 Milliarden Euro investieren.

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