Gift-Transporter

Gift-Transporter

— 03.07.2002

Geheimes Gefahrgut

Gift-Kuriere auf Crash-Kurs. Immer mehr Kleintransporter sind in Unflle verwickelt. Mit teils verbotener Fracht.

Grokontrolle auf dem Klner Ring. Mit Kellen winken die Polizisten Kleinlaster aus dem Verkehr, um den Fahrern eine Standpauke zu halten. Das ist auch bitter ntig. Die Unfallstatistik weist bei Transportern bis 3,5 Tonnen dramatische Steigerungsraten auf. Von 1996 bis 2000 nahm die Zahl der Unflle um fast 40 Prozent zu. Tendenz: weiter steigend. Auch weil das 100-km/h-Tempolimit fr sie aufgehoben wurde. Die Fahrer sind in vielen Fllen Jungspunte oder Doppelverdiener. Tagsber gehen sie an die Uni oder arbeiten am Flieband, nachts rasen sie mit bis zu 170 Kilometern pro Stunde ber die Autobahn. Zeit ist Geld.

Eigentlich nichts Neues. Aber jetzt gibt es ein weiteres gefhrliches Problem: Kleintransporter als ungekennzeichnete Gifttransporter. Denn im Laderaum der Boten-Bomber stapeln sich Kisten mit Sure, Bakterienkulturen oder radioaktiven Stoffen. Kleintransporter als heimliche Giftzwerge! "Es gibt Kurierdienste, die alles transportieren", sagt Gefahrgutberater Oliver Rompf (31). Miserabel gesichert und ohne Warnschild weder ein Hinweis auf das Gefahrgut, noch um welches es sich handelt. Fakt ist: Bei Polizei-Kontrollen kommt immer wieder gefhrliches Frachtgut zum Vorschein. Das kostet die Spediteure satte 400 Euro Strafe, schreckt sie offenbar aber nicht ab. Allein in Bayern wurden im letzten Jahr rund 325.000 Euro Bugeld fr mehr als 1200 Verste kassiert. Viele Fahrer erfahren selbst erst bei der Kontrolle, was sie geladen haben. Fr andere kommt es zu spt.

Wie fr den Lenker des Lasters auf der A2 zwischen Berlin und polnischer Grenze. "Den Feuerwehrleuten flog eine 20 Meter hohe Flamme entgegen", erzhlt Rompf. Der Laster hatte Spiritusflaschen in dnnen Pappkartons geladen. In dem Fall ganz legal. 1000 Liter Heizl oder Diesel drfen ohne Warnschild transportiert werden. "Trotzdem ist die Ladung gefhrlich", sagt Ulrich Behrendt (43), Vize-Prsident des Deutschen Feuerwehrverbandes. Fr ihn sind Transporter wie Fiat Ducato, Mercedes Sprinter oder Ford Transit gefhrliche Geschosse. Wenn einer der Transporter mit berhhtem Tempo abfliegt, kippt die gefhrliche Fracht auf die Fahrbahn. "Bei einem Lkw, der nur 80 km/h fhrt, passiert das nicht so schnell", sagt der Feuerwehrmann. Das wissen auch die Beamten der Autobahnpolizei in Kln. Allein dort gab es 2002 bereits 53 Unflle mit Kleinlastern. Allerdings ohne Gift an Bord. Helmut Simon (49), Leiter der Autobahnpolizei: "Wir wissen aber, dass viele Gefahrgut transportieren. Wir haben nur Glck gehabt." Bislang.

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