Gleitschirmfliegen

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Gleitschirmfliegen

— 05.10.2004

Mit Schirm, Charme und Zirbenschnaps

Gleitschirmfliegen ist ein Abenteuer der besonderen Art. Wer's ausprobieren möchte, kann mit dem Sky Club Austria abheben – in der Steiermark.

In der Steiermark paßt fast alles

"Oberkörper nach vorne, Roland! Und jetzt lauf!" Leichter gesagt als getan. Die Wiese ist rutschig und fällt steil ab. Gurte zerren an meinen Beinen, verkürzen die Schritte auf Geisha-Maß. Ein großer Rucksack schlägt mir bei jedem Schritt gegen die Oberschenkel. Und dann ist da noch Jaimie, 24, Gleitschirm-Fluglehrer. Er hat sich bei mir mit zwei Karabinerhaken eingeklinkt. Schießlich wollen wir gleich zusammen abheben.

Ich laufe, nach vorne gebeugt, sehe nur die saftig grüne Wiese unter mir vorbeiflitzen. Plötzlich zieht mich etwas nach hinten. Der Gleitschirm hat sich über uns aufgerichtet. "Weiterlaufen, Roland!" Plötzlich gehen meine Schritte ins Leere, wir sind in der Luft. Der Abstand zwischen mir/uns und der Wiese nimmt rasch zu. Ich setze mich auf den Rucksack, der mich eben noch so gestört hatte. Nun ist seine schalenförmige Rückwand der Sitz für meine Reise durch die Lüfte. Paßt.

In der Steiermark paßt fast alles. Genauer all das, was in Deutschland unter Begriffe wie "phantastisch!" und "in Ordnung" fällt. Und nun gleite ich, Roland Niederlich, Muschelschubser aus Hamburg, durch die österreichischen Lüfte – und es paßt. Sehr sogar. Meine anfängliche Skepsis, mit nur einem Stück Stoff auf dem Rücken ins Tal zu fliegen, ist nach dem Start wie weggeblasen. Unwillkürlich fängt man sofort an, sich zu entspannen. Geräuschloses Gleiten durch klare, kaum bewegte Luft. Um mich herum eine Bilderbuch-Berglandschaft, der Blick reicht kilometerweit. Die Wolken zum Greifen nahe, Kühe aus der Vogelperspektive. Keine störenden Zivilisations-Geräusche. Hier oben ist man alleine, auch beim Tandemflug. Die Sorgen des Alltags haben keine Flügel.

Zwischen mir und dem Erdboden ist jetzt etwa ein halber Kilometer. Ich bin mir sicher: "Nur fliegen ist schöner", dieser Satz wurde hier oben geboren. Wer es nicht glaubt, sollte es selbst ausprobieren. Mehr dazu auf Seite fünf.

Drei Stunden Hügel hoch- und runterlaufen

Auf unserem Tandemflug vom Hauser Kaibling ist nun Zeit für erste Schnappschüsse und eine Theorie-Einheit: "Wenn's an der recht'n Bremse ziahst, fliagst noch rechts." Jaimie zieht an dem Griff, der rechts von ihm auf Kopfhöhe hängt. An ihm laufen die etwa 20 Schnüre zusammen, die an der rechten Schirmseite nach oben laufen. Wir fliegen eine Rechtskurve. Jaimie gibt der rechten Bremse wieder mehr Spiel und zieht dann an der linken Bremse. Wir fliegen nach links. Kein kompliziertes Kabel-Wirrwarr, nur zwei Griffe. Einer links, einer rechts. So einfach ist das.

Aber warum heißen die Griffe dann Bremsen, möchte ich wissen. Jaimie zieht umgehend an beiden Griffen gleichzeitig, die Fahrt nimmt ab, wir gewinnen leicht an Höhe. "Wenns des zu lang machst's, gibt's an Stömungsabriß." Was dann passiert, will ich gar nicht wissen. "Lass es einfach", meint auch Walter Schrempf, Gründer des Sky Club Austria und Pionier des gewerblichen Gleitschirmfliegens in Österreich.

Die 15 Minuten bis zur Landung vergehen viel zu schnell. Das war ein guter Anfang. Doch wie schnell kommt man ohne fremde Hilfe in die Luft? Die Antwort gibt es am Nachmittag: Schnupperkurs. Meiner beginnt – logisch – am Anfängerhügel. Ich stehe mit den drei anderen Neugierigen in luftigen 20 Metern Höhe auf einer unbevölkerten Kuhwiese. Reinhard, gelernter Tischler und im Winter alpiner Skilehrer, zeigt uns, wie man in die Luft geht: Gurtzeug anlegen, Schirm ausbreiten, korrekt mit dem Gurtzeug verbinden, anlegen – und dann laufen, laufen, laufen. Die ersten Landungen werden noch mit dem Allerwertesten abgefangen. Nach drei Stunden Hügel hoch- und runterlaufen kann dann jeder Teilnehmer mindestens einen brauchbaren Start- und Landeversuch nachweisen. Und totale körperliche Erschöpfung. Jetzt duschen? Paßt!

Die letzten Schritte auf einer Kuh

Schloß-Hotel Moosheim ist Ziel unserer Rückfahrt. Hier befinden sich unsere Schlafstätten. Und die Räumlichkeiten für den theoretischen Flugunterricht des Skyclub Austria. Flugtechnik, Luftrecht, Wetterkunde und Gerätekunde stehen auf dem Stundenplan. Vormittags Praxis am Übungshang, nachmittags Theorie, egal, ob Grund-, Höhenflug-, Sicherheits- oder Akrobatikkurs. Oder Flugsafari in Namibia. Das Angebot des Sky Club ist vielfältig.

Für alle Schüler wie Lehrer gilt obligatorisch am Abend: Piloten-Stammtisch im Schloß, Erfahrungsaustausch. "Meine letzten beiden Schritte habe ich auf einer Kuh gemacht", berichtet einer der Grundkursler. Sie kommen aus Nürnberg, Berlin, Hamburg, sogar aus Dänemark. Kein Weg zu weit zum Abheben. Für den raschen Flug ins Bett sorgt am Schluß ein Zirbenschnaps – natürlich hausgemacht.

Vor einigen Jahren noch ein simples Bettenlager für anspruchslose Abenteurer, ist Schloß Moosheim heute zu einem Vier-Sterne-Sporthotel für anspruchsvolle Sporturlauber aus aller Welt geworden. Dabei wird viel Wert auf Originalität gelegt: Statt Zimmern und Appartements gibt es hier Kemenaten, Klausen, Gemächer und Dependancen. Auf Wunsch finden im Turmkeller Ritteressen statt: ohne Messer und Gabel, dafür mit mittelalterlichen Gewändern und Gegröle. Paßt.

Mit 70 Sachen in Richtung Erdboden

Abreisetag. Das Wetter ist schlechter geworden, Wolken hängen in den Berggipfeln fest. Die Flüge der Akrobaten möchte ich mir dennoch nicht entgehen lassen. Heute starten sie in Obertraun am Hallstätter See, eine knappe Autostunde vom Schloß. Leichter Nebel, keine Menschenseele weit und breit. Nur ich, umgeben von karstigen, zerklüfteten Bergen, einer gepflegten Parkanlage und einem spiegelglatten Bergsee. Eine etwas unheimliche Atmosphäre, aber paßt. Ich suche den Himmel ab.

Da. In vermutlich 2000 Metern Höhe taucht etwas Buntes auf, das sich langsam vom Gipfel des Krippenstein entfernt. Wenige Augenblicke startet Nummer zwei. Es geht los. Die Piloten fliegen ihre ersten Figuren. Mit Aufschaukeln schaffen es einige von ihnen, nicht mehr unter, sondern über dem Schirm zu sein, stets mit gespannten Seilen, die den Schirm mit dem Gurtzeug verbinden. Einige Flugfiguren wie der "Helikopter" bringen den Piloten mit bis zu 70 km/h dem Erdboden näher. Während mir beim Zusehen mulmig wird, gellen aus der Luft die Freudenschreie der Akrobaten. Paßt scheinbar sehr.

Autor: Roland Niederlich

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