In China wuchs der Automarkt im Mai 2009 um 55 Prozent.

Globaler Automarkt

— 16.06.2009

China kauft ein

Gemischte Gefühle: Der weltweite Autoabsatz lässt noch immer nach, aber zumindest schwächt sich das Minus etwas ab. Nur in China sind die Verkaufszahlen stark gestiegen – hier wuchs der Markt um mehr als 55 Prozent gegenüber 2008.

Die Autohändler im Reich der Mitte verkauften im Mai 2009 geschätzte 738.000 Neuwagen – das entspricht einem Plus von 55 Prozent gegenüber dem Vorjahres-Mai. Insgesamt wurden in den ersten fünf Monaten des Jahres 2009 in China knapp drei Millionen Autos abgesetzt. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) führt diesen Anstieg zurück auf das staatliche Konjunkturprogramm sowie eine drastische Senkung der Verkaufssteuer für Pkw, deren Motoren weniger als 1,6 Liter Hubram besitzen. Durch diesen Sprung hat sich die Nachfrage seit Jahresbeginn um 18 Prozent erhöht. Leider erwies sich dieser Schub als wenig ansteckend: Europa schwächelt im Wonnemonat genau so wie Amerika. Der US-Markt brach sogar um über ein Drittel ein; während in Westeuropa das Minus bei drei Prozent relativ niedrig liegt – die Marktbeobachter vom VDA führen dies auf staatliche Eingriffe wie die Abwrackprämie zurück.

VDA sieht die Talfahrt zumindest abgeschwächt

Allein in Deutschland hievte das Subventions-Instrument die Zulassungszahlen um 40 Prozent gegenüber Mai 2008 nach oben, in Frankreich waren es noch zwölf Prozent. Außerhalb dieser beiden Länder lagen die Neuzulassungen in Westeuropa um 22 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Auch die Märkte der neuen EU-Länder bleiben – von wenigen Ausnahmen abgesehen – mit minus 26 Prozent weiter schwach. Die weltweite Absatzkrise der Automobilindustrie ist damit noch nicht beendet, allerdings sieht der VDA erste Anzeichen dafür, dass die Talfahrt gebremst wird. In Europa insgesamt lagen die Neuzulassungen mit knapp 1,3 Mio. Fahrzeugen fünf Prozent unter dem Wert des Vorjahresmonats, im bisherigen Jahresverlauf beträgt das Minus allerdings noch 14 Prozent. Saisonbereinigt ergibt sich für den westeuropäischen Markt gegenüber dem Vormonat ein Zuwachs von sage und schreibe zwei Prozent.

In Russland dramatischer Einbruch von 57 Prozent

Die stärksten Nachfragerückgänge in Westeuropa gab es in Spanien (minus 39 Prozent) und Großbritannien (minus 25 Prozent), wo erst vor wenigen Wochen Maßnahmen zur Steigerung der Pkw-Nachfrage beschlossen wurden, die sich noch nicht in den Absatzzahlen widerspiegeln. In Italien lagen die Neuzulassungszahlen im Mai um knapp 9 Prozent unter dem Vorjahreswert. In den neuen EU-Ländern gingen die Neuzulassungen im Mai um fast ein Viertel zurück.

Vor allem in Rumänien (minus 53 Prozent) und Ungarn (minus 66 Prozent) war die Nachfrage dramatisch eingebrochen, dagegen konnte die Tschechische Republik ein Plus von fast 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erzielen. Auch in der Slowakei kletterte der Pkw-Absatz um 44 Prozent nach oben. In Polen hingegen ist die Nachfrage – nach positiven Wachstumsraten der letzten Monate – im Mai erstmals mit minus 3 Prozent wieder leicht rückläufig. In Russland führte die anhaltende schwierige gesamtwirtschaftliche Lage zu weiteren Nachfragerückgängen. Der russische Automobilmarkt verbuchte im letzten Monat einen regelrechten Absturz der Zulassungszahlen von gut 57 Prozent auf ca. 119.400 Fahrzeuge. Bremsend auf die Nachfrage wirken hier vor allem die weiterhin sehr hohen Kreditzinsen – bereits der Leitzins liegt bei 11 Prozent – für den Neuwagenkauf.

US-Senat muss Abwrackprämie noch zustimmen

Der US-Markt hat im bisherigen Jahresverlauf um 37 Prozent nachgegeben. Im Mai ging der Absatz von Light Vehicles um fast 34 Prozent auf 923.300 Einheiten zurück. Die deutschen Marken konnten im bisherigen Jahresverlauf ihren Marktanteil um gut einen Prozentpunkt auf 7,3 Prozent ausbauen. Erst eine Verschrottungsprämie nach europäischem Vorbild kann hier Aufschwung bringen – nachdem das US-Repräsentantenhaus bereits zugestimmt hat, fehlt noch das Votum des US-Senats für das rund vier Milliarden Dollar schwere Paket. In Brasilien hat bereits eine Abwrackprämie zu einem leichten Plus von drei Prozent (insgesamt 237.400 Pkw) geführt. Weiterhin schwach bleibt dagegen der japanische Markt mit einem Rückgang im Mai um 17 Prozent auf 244.600 Pkw. Im bisherigen Jahresverlauf sind die Verkäufe um gut ein Fünftel (minus 22 Prozent) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen. In Indien lagen die Verkäufe im Mai mit 140.800 Pkw (minus 1 Prozent) nur leicht unter dem Vorjahreswert. Seit Beginn des Jahres konnten die Zulassungen um fast 2 Prozent gegenüber der entsprechenden Vorjahresperiode gesteigert werden.
Neuzulassungen Personenkraftwagen
Mai 2009 Januar-Mai 2009
Region/Land Anzahl Veränderung ggü. VJ in Prozent Anzahl Veränderung ggü. VJ in Prozent
Europa 1.270.564 -5 5.966.120 -14
Westeuropa 1.197.292 -3 5.594.018 -13
Neue EU-Beitrittsländer 73.272 -26 372.102 -26
Russland 119.376 -58 645.162 -47
USA * 923.346 -34 3.937.696 -37
Japan 244.595 -17 1.524.629 -22
Brasilien 237.378 +3 1.103.728 +1
Indien 140.823 -1 723.739 +2
China ** 728.300 +55 2.952.256 +18
* Total Light Vehicles
** Mai-Wert geschätzt

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