Fritz Henderson

GM-Chef Henderson in Deutschland

— 09.11.2009

Sanierungsgespräche laufen

Die Gespräche über die Opel-Sanierung haben begonnen. GM-Chef Fritz Henderson traf sich am 9. November 2009 mit dem Opel-Management. Angeblich will GM Opel zukünftig mehr Eigenständigkeit erlauben.

(dpa/bp) Wenige Tage nach der überraschenden Kehrtwende im Opel-Poker hat General-Motors-Chef Fritz Henderson in Deutschland Gespräche über die Sanierung der angeschlagenen Europa-Tochter begonnen. Am 9. November 2009 gab es zunächst "interne Gespräche" mit dem Opel-Management in Rüsselsheim, wie ein Sprecher mitteilte. Laut einer Analyse der US-Ratingagentur Moody's könnte die Sanierung von Opel unterdessen mehr als zwei Milliarden Euro teurer werden als bislang bekannt. Nach dpa-Informationen hat Henderson die erste Vorlage eines Zukunftskonzepts für Opel im Gepäck. Demnach will General Motors (GM) seiner deutschen Tochter künftig mehr Eigenständigkeit erlauben. Dies hatte zuletzt der Betriebsrat als Vorbedingung für neue Verhandlungen genannt. Die Besetzung des europäischen Chefpostens dürfte bei den Gesprächen eine der Kernfragen sein. Am Wochenende hatte der Konzern versöhnliche Signale gesendet: Demnach soll der Chefposten in Europa möglichst von einem Europäer besetzt werden, um die Spannungen zwischen dem US-Konzern und der europäischen Belegschaft abzubauen, hieß es in Unternehmenskreisen.

Hier geht es zur neuen Opel-Markenseite

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Opel, Klaus Franz, möchte die Adam Opel GmbH in eine Aktiengesellschaft umwandeln.

General Motors will gut 10.000 der mehr als 50.000 Jobs in Europa streichen. Bedroht ist insbesondere das Werk im belgischen Antwerpen. Hingegen hat GM für den Standort Bochum, der lange auf der Streichliste des US-Konzerns stand, inzwischen ein neues Konzept erarbeitet. Nach GM-Angaben ist aber noch nichts entschieden. Man strebe eine Einigung mit dem Opel-Betriebsrat an. Fest stehe lediglich, dass die Fixkosten um 30 Prozent gesenkt werden müssten. Im Laufe der Woche will sich Henderson auch mit Klaus Franz, Opel-Gesamtbetriebsratsvorsitzender, treffen. Franz hatte vergangene Woche gefordert, dass die Adam Opel GmbH in eine deutsche Aktiengesellschaft umgewandelt werde. "Wir wollen kein Anhängsel sein, das von Detroit aus durchregiert wird." Parallel soll es Gespräche zwischen GM-Vertretern und der Bundesregierung geben.

Sanierungskosten für Opel werden auf 8,5 Milliarden Euro geschätzt

Wichtig wird auch die Frage weiterer Staatshilfe für das schwer angeschlagene Europageschäft sein. Hierzu hatte es zuletzt unterschiedliche Signale aus der Politik gegeben. Die US-Ratingagentur Moody's bezifferte die Sanierungskosten für Opel auf 8,5 Milliarden Dollar (5 Milliarden Euro). General Motors hatte die Kosten dagegen bislang auf drei Milliarden Euro beziffert. Der Opel- Betriebsrat hatte schon früher erklärt, dieser Betrag würde bei weitem nicht reichen. GM verfügt nach Einschätzung von Moody's trotz der Milliardenhilfen der US-Regierung nicht über ausreichend Liquidität, um das eigene Geschäft und die Sanierung von Opel zu stemmen. Insofern stehe GM vor der gleichen Ausgangslage, wie zu Beginn der Verkaufsverhandlungen: Opel zu behalten ergebe für GM zwar strategisch Sinn, gleichzeitig fehlten dem Konzern aber die Mittel, um die notwendige Sanierung zu finanzieren.

Forster neuer Tata-Chef?

Der bisherige Europachef von General Motors, Carl-Peter Forster, hatte seinen Posten vergangene Woche verlassen. Er hatte sich für die Übernahme einer Opel-Mehrheit durch ein Konsortium um den Zulieferer Magna ausgesprochen, die überraschend von General Motors abgesagt worden war. Laut einem Bericht des "Manager Magazins" wird Forster neuer Chef des indischen Autoherstellers Tata Motors. Forster habe den Vertrag bereits unterschrieben und werde voraussichtlich zum Jahresende seinen Posten in Indien antreten, schreibt die Zeitschrift unter Berufung auf Detroiter GM-Kreise. 

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