GM-Krise

GM-Krise

— 21.04.2006

Hoffnung aus Europa

Ein Lichtblick in der GM-Krise ist Europa: Opel, Saab und Vauxhall erzielen Gewinne. Dazu ein Interview mit Entwicklungs-Chef Bob Lutz.

Europa sorgt fr etwas rosigere GM-Bilanz

Der weltgrte Autobauer General Motors (GM) hat das sechste Quartal in Folge rote Zahlen geschrieben. Die Verluste fielen allerdings deutlich geringer aus als im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum. Der US-Konzern, der 2005 einen Rekordverlust von mehr als zehn Milliarden Dollar (8,1 Milliarden Euro) eingefahren hatte, sah daher positive Anzeichen fr die weitere Geschftsentwicklung, insbesondere auch im Europa-Geschft. Der Kurs der GM-Aktie legte im vorbrslichen Handel um mehr als zwei Prozent zu.

General Motors verliert auf seinem Heimatmarkt vor allem gegen Konkurrenten aus Asien kontinuierlich Marktanteile. Zudem belasten hohe Gesundheits- und Pensionslasten die Bilanz. Sogar von einer drohenden Insolvenz war immer wieder die Rede. Vorstandschef Wagoner hatte angekndigt, die jhrlichen Kosten um sieben Milliarden Dollar drcken zu wollen. 30.000 Stellen will Wagoner streichen. Insgesamt 131.000 Arbeitern und Angestellten von GM und der frhren Tochter, dem Autozulieferer Delphi, wurden Angebote zur Frhpensionierung unterbreitet. Erste Kndigungen hat das Unternehmen ebenfalls bereits ausgesprochen. Zudem hat das Unternehmen seinen Finanzsparte GMAC fr 14 Milliarden Dollar verkauft.

Im aktuellen Quartal betrug der Konzernverlust 323 Millionen Dollar oder 57 Cent je Aktie. Im Vorjahr hatte das Minus noch 1,3 Milliarden Dollar betragen. Der Umsatz stieg auf 52,2 Milliarden Dollar von 45,8 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Ohne Einmalposten aber einschlielich einer Belastung von einer Milliarden Dollar fr Gesundheitsprogramme fr pensionierte Mitarbeiter lag der Fehlbetrag bei 529 Millionen Dollar oder 94 Cent je Aktie. Ohne diese Last htte das Unternehmen einen Gewinn je Aktie von 26 Cent verzeichnet. Analysten hatten hier im Schnitt mit einem Verlust von 42 Cent je Aktie gerechnet.

Der Absatz von GM-Autos auf dem Heimatmarkt fiel zwar im ersten Quartal um fnf Prozent. Der Konzern konnte jedoch den weltweiten Absatz um vier Prozent steigern. In dem seit Jahren defizitren Europa-Geschft mit den Marken Opel, Saab und Vauxhall schaffte GM sogar den Sprung in die Gewinnzone. Der bereinigte Gewinn von GM Europe habe bei 88 Millionen Dollar gelegen nach einem Verlust von 92 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. "Wir haben bei unserer Restrukturierung in Europa im ersten Quartal einen Gang hher geschaltet", sagte GM-Chef Rick Wagoner. In diesem Jahr wollen die Amerikaner in Europa die Gewinnschwelle erreichen. Im US-Geschft konnte GM immerhin die Verluste etwas eingrenzen. Die Nordamerika-Sparte verbuchte ein Minus von 946 Millionen Dollar nach 1,5 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum.

Interview mit GM-Entwicklungschef Bob Lutz

New York "Auto-Mann" Bob Lutz (74) ist Entwicklungs-Chef bei General Motors. AUTO BILD-Redakteur Hauke Schrieber sprach mit ihm auf der Internationalen Auto Show in New York.

AUTO BILD: Rabattschlachten, Schulden, sinkende Absatzzahlen fast tglich gibt es neue Horrormeldungen ber General Motors. Wann ist GM pleite? Bob Lutz: Gerade in Deutschland lese ich immer: "GM schlittert in den Abgrund". Da frage ich mich: Fr welche Firma arbeite ich eigentlich? Denn das Gegenteil ist der Fall. In China luft das Geschft hervorragend, und auch in den USA machen wir unsere Hausaufgaben.

Bald wird Toyota GM als den grten Autobauer der Welt ablsen. Das mu schlimm fr Sie sein. Es ist ein Fhrungswechsel wie beim Autorennen. Aber das Rennen ist noch nicht zu Ende.

Wie sehr frchten Sie den wachsenden Einflu Chinas auf dem Automobilmarkt? Da habe ich Angst und auch wieder keine Angst. Die Konkurrenz auf dem Weltmarkt wird sich verschrfen, aber der Markt in China bietet auch riesige Chancen.

Wo auf der Welt werden in 20 Jahren Autos gebaut? Wahrscheinlich berall. Lhne, Gehlter und Lohnnebenkosten, aber auch Lebensstandards werden sich allmhlich anpassen. In den reichen westlichen Lndern wird es runtergehen mssen, in China oder Indien wird das Niveau steigen.

Opel bringt die zweite Generation des Erdgas-Zafira. In der Hybridtechnik kooperiert GM mit DaimlerChrysler und BMW . Was ist die Antriebsform von morgen? Langfristig ist es wohl die Brennstoffzelle. Bis dahin gibt es andere Lsungen: Diesel, Diesel-Hybrid, Benzin-Hybrid, Ethanol E85 mit 85 Prozent Ethyl-Alkohol aus Biomasse und 15 Prozent Benzinanteil, damit die Leute das Zeug nicht trinken.

Kommen solche Ideen auch nach Europa? Es ist in Europa weniger dringend als in den USA, weil in Europa eine breite Diesel-Kultur herrscht. Es wird aber mit Sicherheit in relativ naher Zukunft ein oder zwei Opel-Modelle mit Hybridantrieb geben.

Haben Sie Angst, Ihren Europa-Chef Carl-Peter Forster zu verlieren? Er wird zur Zeit als Volkswagen-Chef gehandelt... Carl-Peter Forster hat mir eine E-Mail geschickt. In der stand, da er gar nicht daran denkt, GM zu verlassen. Es hat ihn auch keiner gefragt. Eine Zeitungsente.

Sie sind jetzt 74 Jahre alt. Wie lange wollen Sie den Job noch machen? Solange ich mich gut fhle und mir die Arbeit Spa macht. Ich schtze mal so bis Mitte 80. Als mein Vater aufhrte zu arbeiten, war er 93.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen gnstig kaufen und Geld sparen.


Kfz-Versicherung