GM-Massenrückruf: US-Kongress schaltet sich ein

GM-Massenrückruf: GM am Pranger

— 17.03.2014

Zündschloss als Todesfalle

Hat General Motors ein verhängnisvolles Problem mit Zündschlüsseln verschleppt? Tödliche Verkehrsunfälle werden in den USA neu untersucht.

(dpa/sb) Es sind Fotos wie von Natasha Weigel und ihrer Freundin Amy Rademaker, die die USA derzeit bewegen. Die beiden 18 und 15 Jahre jungen Frauen starben vor acht Jahren, als ihr Auto von einer Landstraße in Wisconsin abkam und gegen Bäume prallte. Der Grund blieb damals unklar. Heute steht fest: Ihr Chevrolet Cobalt gehörte zu jenen Modellen aus dem Hause General Motors, bei denen während der Fahrt die Zündung ausgehen kann. Weder Servolenkung noch Bremskraftverstärker oder Airbags funktionieren dann. General Motors hatte im Februar den Rückruf mehrerer Modelle aus den Jahren 2003 bis 2007 gestartet, bei denen der Zündschlüssel während der Fahrt in die "Aus"-Position zurückspringen kann.     
Probleme mit dem Zündschloss: Rückruf Opel GT

Auch 1200 Opel GT sind betroffen

In einem solchen Chevrolet Cobalt starben zwei junge Frauen in den USA.

Der Opel-Mutterkonzern muss sich nun die Frage gefallen lassen, warum er so lange brauchte, um das Problem anzugehen. Die betroffenen Wagen stammen aus den Jahren 2003 bis 2007. Damals hatte GM ein Zündschloss eingebaut, das zu schwach ausgelegt war. Die Folge: Wenn etwas Schweres am Schlüsselbund hängt oder die Straße zu schlecht ist, droht der Zündschlüssel in die "Aus"-Position zurückzuspringen – mit möglicherweise fatalen Folgen. In Europa sind 2300 Opel GT betroffen, davon 1200 in Deutschland. Der Roadster ist nahezu baugleich mit den US-Modellen Saturn Sky und Pontiac Solstice. Der aktuelle Rückruf umfasst in den USA außerdem Chevrolet Cobalt und HHR, Pontiac G5 sowie den nur in Kanada verkauften Pontiac Pursuit. GM selbst bringt zwölf Unfalltote mit dem fehlerhaften Zündschloss in Verbindung. Die Verbraucherschutzorganisation Center for Auto Safety berichtete unter Berufung auf eine externe Auswertung offizieller Unfalldaten über 303 Tote bei Crashs, in denen die Airbags nicht ausgelöst hätten. Möglicherweise liege die Zahl auch noch höher, deutete die Organisation an. In die Untersuchung wurden demnach nur zwei von sieben zurückgerufenen Modellen sowie bestimmte Unfallhergänge einbezogen. GM spricht von "purer Spekulation".     

Mary Barra macht den Rückruf zur Chefsache

In Deutschland sind rund 1200 Opel GT vom Rückruf betroffen.

Längst ist der Fall zu einer Gefahr für das Image des Autokonzerns geworden. "Die menschliche Seite des GM-Rückrufs", betitelte die landesweite Zeitung "USA Today" einen Fotostrecke mit Opfern, die auch Natasha und Amy zeigte. Andere namhafte Medien wie die "New York Times" berichteten ebenfalls ausführlich über die Schicksale hinter den Unfallstatistiken. Oft geht es um Teenager und ihre trauernden Eltern. Bei den Autos handelte es sich um typische Anfängerfahrzeuge. Die seit Jahresbeginn an der GM-Spitze stehende Mary Barra hat den Fall längst zur Chefsache gemacht. Ihr täten die Umstände unendlich leid, schrieb sie in einem Brief an die Belegschaft, den der Konzern veröffentlichte. "Wir werden dafür einstehen." Sie kündigte eine umfassende interne Aufklärung an und hat dafür jenen Staranwalt angeheuert, der schon den Untergang der Investmentbank Lehman Brothers untersuchte. General Motors hat nach der Beinahepleite in der Wirtschaftskrise 2009 gerade erst wieder in die Spur zurückgefunden. Der Staat ist als Anteilseigner ausgestiegen, die Gewinne florieren und die neuen Modelle heimsen Qualitätspreise ein. Umso belastender sind die Fehler der alten General Motors, die das Unternehmen nun einholen. Welche Auswirkungen verlorenes Vertrauen haben kann, hat die Rückrufwelle 2010 bei Toyota gezeigt. Damals ließen Berichte über rutschende Fußmatten und klemmende Gaspedale die Verkäufe in den USA einbrechen.

So weit ist es bei General Motors nicht. Doch beinahe täglich kommen neue prekäre Details ans Licht. GM räumte unlängst ein, dass es schon 2001 während der Entwicklung Probleme mit dem Zündschloss gab. Das sei aber behoben worden, hieß es in einem damaligen Bericht. Auch in den Jahren darauf kam es immer wieder zu Beschwerden von Fahrern und zu Berichten über Unfälle. Nun untersuchen die Justiz, der Kongress und die Verkehrssicherheitsbehörde in den USA, ob General Motors die Warnzeichen ignoriert hat. Dabei müssen sich die staatlichen Aufseher selbst die Frage gefallen lassen, warum sie nicht früher auf einen Rückruf drängten. Die technische Lösung des Problems dürfte nicht einmal besonders teuer sein, schätzt die Ratingagentur Fitch und kalkuliert mit weniger als 100 Millionen Dollar. Ein derartiges Zündschloss koste in der Produktion zwischen zwei und fünf Dollar, sagte eine Sprecherin des Zulieferers Delphi, der die Originalschlösser hergestellt hatte. Der Einbau in der Werkstatt sei eine Sache von wenigen Minuten.

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