GM-Massenrückruf: US-Kongress schaltet sich ein

GM-Massenrückruf: US-Kongress schaltet sich ein

— 11.03.2014

GM unter Verdacht

GM und die US-Behörde NHTSA sollen lebensgefährliche Mängel an 1,6 Millionen Autos verschleppt haben. Auch Opel-Fahrzeuge sind betroffen.

(dpa/jb) Ein Ausschuss des US-Kongresses untersucht, ob der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) oder die Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA ein sicherheitsrelevantes Problem mit mehreren Baureihen ein Jahrzehnt lang verschleppt haben. Bei 1,6 Millionen Autos mehrerer Baureihen aus den Jahren 2003 bis 2007 kann der Zündschlüssel während der Fahrt in die Aus-Position zurückspringen – 31 Unfälle mit 13 Toten werden in den USA mit dem Defekt in Verbindung gebracht. Bei ausgeschalteter Zündung funktionieren Airbags, Servolenkung oder Bremskraftverstärker in der Regel nicht.
Probleme mit dem Zündschloss: Rückruf Opel GT

Auch 1200 deutsche Autos sind betroffen

In Deutschland sind rund 1200 Opel GT betroffen.

Der aktuelle Rückruf umfasst in den USA Chevrolet Cobalt und HHR, Saturn Sky und Ion, Pontiac Solstice und G5 sowie den nur in Kanada verkauften Pontiac Pursuit. Auf Anfrage von autobild.de hat Opel bestätigt, dass auch rund 1200 deutsche Autos betroffen sind: Der mittlerweile nicht mehr gebaute Opel GT ist baugleich mit den US-Modellen Pontiac Solstice und Saturn Sky.

General Motors (GM) muss sich nun unbequeme Fragen gefallen lassen. "Haben das Unternehmen oder die Aufsichtsbehörden etwas übersehen, das schon früher auf dieses Problem hätte hinweisen können?", fragte der Vorsitzende des House Energy and Commerce Committee, Fred Upton, am 10. März 2014 in Washington. Recherchen von US-Medien deuten in diese Richtung. "Wenn die Antwort Ja lautet, müssen wir herausfinden, warum dies passiert ist." Er kündigte an, in den kommenden Wochen eine Anhörung zu dem Thema abzuhalten.

Mary Barra macht den Rückruf zur Chefsache

Nach Recherchen der "New York Times" waren in den vergangenen elf Jahren mehr als 260 Beschwerden bei den US-Verkehrsaufsehern eingegangenen. Sie betrafen GM-Modelle, die während der Fahrt ausgehen. Die Beamten hätten das Problem jedoch nicht weiter untersucht. Nach Angaben des "Wall Street Journal" wussten GM-Mitarbeiter schon seit Anfang 2004 von dem fehlerhaften Zündschloss. Der Rückruf begann indes erst im vergangenen Monat. Die Zeitung "USA Today" zeigte online eine Bildergalerie mit tödlich verunglückten Autoinsassen - viele davon Teenager. GM hat den Fall inzwischen zur Chefsache gemacht. Die seit Januar amtierende Konzernlenkerin Mary Barra hatte in einem Schreiben an die Belegschaft erklärt, ihr Team habe erst vor einigen Wochen von der Sache erfahren. Sie kündigte eine rückhaltlose Aufklärung an und engagierte dafür den bekannten Anwalt Anton Valukas, der schon den Bankrott der US-Investmentbank Lehman Brothers untersucht hatte.

Die Erinnerung an Toyota wird geweckt

Der Umgang mit dem gefährlichen Defekt könnte am gerade erst wieder aufpolierten Image von General Motors kratzen. Der Konzern war 2009 in die Insolvenz gerutscht und hatte vom Staat gerettet werden müssen. Mittlerweile steht GM wieder auf eigenen Beinen; neue Modelle heimsten nach einer langen Durststrecke Preise für ihre Qualität ein. Die zurückgerufenen Fahrzeuge werden nicht mehr gebaut. Der Rückruf lässt Erinnerungen an Toyotas Debakel vor vier Jahren wachwerden. Klemmende Gaspedale und rutschende Fußmatten standen damals im Verdacht, für zahlreiche Unfälle mit Todesopfern verantwortlich zu sein. Toyota startete einen weltweiten Rückruf; auf dem wichtigen US-Markt brachen die Verkäufe ein. Der Autobauer musste eine Strafe in den USA zahlen, weil der japanische Hersteller nach Ansicht der Aufsichtsbehörde die Probleme nicht rechtzeitig gemeldet hatte. Auch damals gab es eine Anhörung vor einem Kongressausschuss.

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