Opel Logo

GM nabelt sich von Opel ab

— 27.05.2009

Abspaltung, Teil 1

GM hat die europäischen Werke, die Patente und den Zugriff auf Technologien auf die deutsche Opel-Tochter übertragen. Damit ist die Bundesregierung dem favorisierten Treuhandmodell einen Schritt näher.

(dpa) Der angeschlagene US-Autokonzern General Motors (GM) hat mit der Abspaltung seiner europäischen Unternehmensteile einen entscheidenden Schritt zur Rettung von Opel getan. GM übertrug am Mittwoch (27. Mai) die europäischen Werke, die Patente und den Zugriff auf Technologien auf die deutsche Tochter, wie Opel in Rüsselsheim mitteilte. Die Bundesregierung will nun eine Brückenfinanzierung beschließen und mit einem Treuhandmodell Zeit für Verhandlungen mit möglichen Investoren gewinnen. Am Abend war ein Spitzentreffen zu Opel im Kanzleramt geplant. Dabei sollten auch letzte Details des Treuhandmodells geklärt werden, mit dem Opel aus der nahenden GM-Insolvenz herausgehalten werden soll, wie der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg sagte. Steg sagte, dass es beim Treuhandmodell etwas bei der US-Regierung "hake". Er ging aber davon aus, dass am Abend eine Einigung erzielt werden könne.

Ein Autoexperte des US-Finanzministeriums sollte an dem Spitzentreffen teilnehmen. Steg sagte, eine Voraussetzung für das Treuhandmodell sei immer die Herauslösung von Opel aus dem GM-Konzern gewesen. Er betonte, dass die Verkaufsentscheidungen weiter im wesentlichen bei GM und der US-Regierung liegen. Die deutsche Position habe dabei sicherlich eine gewisse Relevanz. Das Herauslösen der europäischen Teile von GM bedeutet nur eine rechtliche Trennung. Hauptanteilseigner bleibt zunächst GM. Steg sagte, die deutsche Seite habe ihre "Hausaufgaben" erledigt. "Wir sind vorbereitet."

Eine erneute Ministerrunde habe am Mittwochvormittag die "klare Prämisse" ausgegeben, dass bei den staatlichen Leistungen für eine Brückenfinanzierung größtmögliche Sicherheit gegeben sein müsse. Mit Blick auf die bisherigen Bemühungen der Interessenten Fiat und Magna, die Risiken eines Einstiegs bei Opel möglichst beim Staat zu belassen, sagte Steg, die Bundesregierung werte die Bereitschaft eines Investors, mehr Risiko zu übernehmen, als Zeichen, dass er von seinem eigenen Unternehmenskonzept überzeugt sei. Neben Magna, Fiat und dem US-Investor Ripplewood hat ein chinesisches Unternehmen Interesse an Opel.

Unterdessen scheiterte der ums Überleben kämpfende GM-Konzern mit seinem Angebot an die Gläubiger zum Schuldenverzicht. Damit gilt ein baldiger Insolvenzantrag des größten US-Autobauers als kaum mehr vermeidbar. Der Aufsichtsrat der Opel GmbH akzeptierte auf einer außerordentlichen Sitzung das geplante Treuhandmodell der Bundesregierung. In Berlin geht es angesichts der drohenden Insolvenz von General Motors unter anderem um die Bewertung der Konzepte von Magna, Fiat und Ripplewood.

Bisher überzeugen die Angebote Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) noch nicht. Der Minister forderte Nachbesserungen, andernfalls sei auch eine Insolvenz von Opel möglich. Berater der Bundesregierung haben nach einem Zeitungsbericht ein vernichtendes Urteil über die Konzepte der Bieter gefällt. Sie empfehlen der Bundesregierung nach Informationen des Handelsblatts (Mittwoch) deshalb, keinesfalls bereits an diesem Mittwoch einen Bieter auszuwählen. Eine Vorfestlegung wäre eine Katastrophe, habe es in den Beraterkreisen geheißen. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) sagte, das Papier sei die Meinung eines Investmentbankers und nicht die der Bundesregierung. Dass solche Papiere "durchgestochen" würden, zeuge von der Intensität der "Bieterschlacht". In dem Papier war insbesondere die geringe Eigenkapitalausstattung beim Magna-Modell kritisiert worden.

An dem Treffen im Kanzleramt sollten am Abend neben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Guttenberg auch die Regierungschefs der vier Bundesländer mit Opel-Standorten, GM-Europachef Carl-Peter Forster und ein Vertreter des US-Finanzministeriums teilnehmen. Bei den Gesprächen sollten zudem die Manager der Interessenten getrennt voneinander Rede und Antwort stehen. Steg ließ aber offen, ob nach den Gesprächen im Kanzleramt eine Präferenz für einen bestimmten Opel-Interessenten geäußert wird. Es sei wahrscheinlicher, dass die Gespräche in den nächsten Tagen mit mindestens zwei Interessenten fortgesetzt würden. Der chinesische Interessent für Opel sei mit seinem Konzept für das Spitzentreffen zu spät gekommen, sagte Steg. Er werde aber bei den Verhandlungen in den nächsten Tagen berücksichtigt. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) erwartet keine schnelle Lösung.

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.