General Motors: Weitere Rückrufe in den USA

GM-Rückrufe in den USA

— 19.06.2014

Milliarden-Schaden durch Sammelklage?

US-Autobauer GM droht wegen des Rückruf-Skandals ein weiterer Schaden in Milliardenhöhe. Grund ist eine Sammelklage von Gebrauchtwagenbesitzern. Auch Chefin Mary Barra hatte ungemütliche Fragen zu beantworten.

(dpa/rtr/cj/brü) Opel-Mutter General Motors ist in den USA auf Zahlung von zehn Milliarden Dollar (ca. 7,4 Mrd. Euro) Schadenersatz verklagt worden, weil wegen der vielen Rückrufe der Wiederverkaufswert von GM-Gebrauchtwagen gesunken sein soll. Die Kanzlei Hagens Berman Sobol Shapiro erklärte am Mittwoch (18. Juni 2014) bei Einreichung der Klage vor einem Gericht in Kalifornien, GM habe Defekte verschleiert. Kosteneinsparungen seien dem Konzern wichtiger als die Sicherheit der Fahrzeuge gewesen.
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GM hat allein in diesem Jahr rund 20 Millionen Autos bei mehr als 40 Rückrufen und die Werkstätten gerufen. Das habe zu einem Wertverfall der Marke GM geführt, argumentieren die Kläger. Besitzer der Autos müssten daher beim Verkauf ihrer Fahrzeuge je nach Typ und Baujahr Preisabschläge zwischen 500 und 2600 Dollar hinnehmen. Das treffe Millionen Autobesitzer und die müsse GM entschädigen.
Rückruf betrifft 7450 Autos in Europa

Ingenieure wussten zehn Jahre Bescheid

Auch ein Opel-Modell wurde von der Rückrufwelle erfasst: 4223 Opel GT müssen in die Werkstatt.

Eine Reihe tödlicher Unfälle wegen fehlerhafter Zündschlösser bei älteren Kompaktwagen hatten die Rückrufwelle zu Jahresbeginn ausgelöst. Bei Unfällen mit Kompaktwagen, die bei voller Fahrt ausgingen, starben nach GM-Angaben 13 Menschen. Verbraucherschützer gehen von mehr als 300 Toten aus. Der technische Defekt mutierte zum Skandal, nachdem herauskam, dass GM-Ingenieure von dem Problem seit mehr als zehn Jahren wussten, aber nichts taten. Auch von Opel sind einige Tausend Roadster vom Typ GT betroffen, die auf einem US-Modell basieren.

Unbequeme Fragen an Konzernchefin Barra

Wegen des Skandals musste sich auch die seit Jahresbeginn amtierende GM-Chefin Mary Barra erneut kritische Fragen vor dem Kongress in Washington gefallen lassen – auch nach ihrer eigenen Rolle. Abgeordnete wollten am Mittwoch (18. Juni 2014) bei einer Anhörigen wissen, wie ein gefährlicher Defekt mehr als zehn Jahre lang ignoriert werden konnte. Zwar habe ein GM-Bericht die Verfehlungen einzelner Mitarbeiter aufgeführt, jedoch habe dieser nicht geklärt, wer letztlich an der Spitze verantwortlich gewesen sei, sagte die Abgeordnete Diana DeGette. Sie merkte an, dass Barra vor ihrer Berufung zur Konzernchefin die Entwicklungsabteilung geleitet habe und damit auch zuständig für die Fahrzeugsicherheit gewesen sei.

"Niemand darf vergessen, was passiert ist"

Vor dem US-Kongress muss GM-Chefin Mary Barra Rede und Antwort stehen.

"Das ist eine tragische Angelegenheit, die niemals hätte geschehen dürfen und die niemals wieder geschehen darf", sagte Barra in einer vorbereiteten Stellungnahme für den Ausschuss, die bereits Vortag der Anhörung veröffentlicht wurde. Sie versprach, "nicht zu ruhen" bis sich die Firmenkultur beim Umgang mit Mängeln geändert haben; dazu habe sie eine Reihe von Maßnahmen ergriffen. "Ich will, dass niemand bei GM vergisst, was passiert ist." Die neue Konzernchefin lässt gezielt nach Mängeln fahnden, was die galoppierende Anzahl der Rückrufe erklärt, die sich bislang auf 44 summieren. Manche Autos müssen auch wegen mehrerer Fehler in die Werkstätten. Die veranschlagten Kosten für die Reparaturen liegen bei mittlerweile rund zwei Milliarden Dollar (1,5 Mrd. Euro).

Rückrufe Nummer 39 bis 44

Bei den defekten Zündschlössern kann der Schlüssel während der Fahrt in die "Aus"-Position springen.

Der Anwalt Anton Valukas hatte im Auftrag von GM die Geschehnisse rund um die Zündschlösser in einem Bericht zusammengefasst und dabei das Topmanagement entlastet. Die Probleme waren seiner Ansicht nach nie zur Chefetage durchgedrungen. Bei 2,6 Millionen Kompaktwagen war der Schalter des Zündschlosses zu schwach ausgelegt, weshalb der Zündschlüssel während der Fahrt zurückspringen kann. Das schaltet nicht nur den Motor, sondern auch Bremskraftverstärker, Servolenkung und womöglich Airbags ab. General Motors startete erst am 16. Juni die Rückrufe Nummer 39 bis 44 in diesem Jahr. Den mit Abstand größten Posten insgesamt machten 3,4 Millionen Limousinen weltweit aus, bei denen es die gleichen Probleme wie bei den Kompaktwagen gibt.

Reparaturkosten führen zu Gewinneinbruch

Die Aufarbeitung früherer Fehler stellt für GM nicht nur einen finanziellen Kraftakt dar: Im ersten Quartal hatte der Konzern 1,3 Milliarden Dollar für Reparaturen zur Seite gelegt und deshalb einen Gewinneinbruch verbucht. Im zweiten Quartal werden weitere 700 Millionen Dollar fällig. Es bedeutet auch eine logistische Herausforderung, da in vielen Fällen die Ersatzteile in der ausreichenden Stückzahl erst hergestellt und schließlich von den Werkstätten eingebaut werden müssen. Das dürfte Monate dauern.

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