GM-Rückrufskandal: Chefs wurden 2002 gewarnt

GM-Rückrufskandal: Chefs wurden 2002 gewarnt

— 24.06.2014

Verschleierungs-Vorwürfe gegen GM

Laut einem ehemaligen Mitarbeiter der Qualitätsprüfung wurden die GM-Chefs schon 2002 über Sicherheitsmängel informiert, hätten aber nicht reagiert.

(reu) Beim Autobauer General Motors sind neue Hinweise auf eine Verschleierung gravierender Sicherheitsmängel aufgetaucht. Der damalige Chef der internen GM-Qualitätsprüfung, William McAleer, warnte 2002 in einem Brief an alle zwölf GM-Verwaltungsräte, es würden regelmäßig Fahrzeuge mit ernsthaften Sicherheitsproblemen vom Band laufen. Der Konzern müsse "die anhaltende Auslieferung unsicherer Fahrzeuge stoppen" und "verdächtige Autos zurückrufen, die sich bereits bei Kunden befinden", hieß es in den Briefen, die die Nachrichtenagentur Reuters einsehen konnte.

Mindestens 13 Todesfälle durch Unterlassung von Rückrufen

GM hat in diesem Jahr bereits mehr als 20 Millionen Autos in die Werkstätten beordert. Skandalös ist dabei der Rückruf von mehreren Millionen Fahrzeugen wegen defekter Zündschlösser, weil das Problem im Konzern mindestens zehn Jahre lang bekannt war, bevor der Opel-Mutterkonzern einen Rückruf startete. Der Defekt hat zu mindestens 13 Todesfällen geführt. Die neue GM-Chefin Mary Barra hatte Anfang Juni mit Blick auf diesen Skandal erklärt, das Top-Management treffe keine Schuld. Eine interne Untersuchung habe ergeben, dass die Probleme nicht an die Führungsetage herangetragen worden seien. Es habe keine abgestimmte Verschleierung gegeben. Vielmehr seien die Probleme auf Versäumnisse und Inkompetenz einiger weniger Personen zurückzuführen.

Auch GM-Chef Rick Wagoner bekam den Warn-Brief

McAleer forderte den Verwaltungsrat dazu auf, die Qualitätskontrollen "unabhängiger von Konzernpolitik und Kostensenkungen" zu machen. Sein für die Prüfung von Autos vor der Auslieferung zuständiges Team habe regelmäßig ernsthafte Probleme bei Neuwagen aufgespürt. Als er seine Bedenken geäußert habe, sei er aufgefordert worden, sich aus Sicherheitsfragen herauszuhalten. McAleer erklärte der Nachrichtenagentur Reuters, die Manager hätten damals in der ständigen Angst gelebt, ihre Jobs zu verlieren, falls sie Sicherheitsfragen ansprechen sollten. Zu den Managern, die 2002 die warnenden Briefe erhielten, gehörten auch der damalige GM-Chef Rick Wagoner und Verwaltungsratschef John Smith.

GM-Vizepräsident LaSorda intervenierte 2002

In dem Brief wirft McAleer dem damals ranghöchsten GM-Qualitätsmanager in den USA, Tom LaSorda, vor, ihn zu isolieren, indem er etwa Kontakt zum höheren Management unterbinde. LaSorda war damals einer der GM-Vizepräsidenten und wurde später Chrysler-Chef. LaSorda habe eine Sicherheitsprozedur eingeführt, die auf einem Procter&Gamble-Programm für Zahnpasta basierte. McAleer beschreibt das in dem Brief als unzureichend. Dies habe zur Fortsetzung der Defekte geführt und komme einer "mutwilligen Ignoranz" gleich. LaSorda lehnte eine Stellungnahme ab.

Protokolle liefern keine Hinweise auf Warnung

McAleer wurde 1998 von seinem Posten in der Qualitätssicherung versetzt. Gerichtsunterlagen zufolge verklagte er seinen Arbeitgeber mindestens vier Mal vergeblich und bemühte sich um Informantenschutz. McAleer schickte vor etwa einer Woche Kopien der Briefe an Mitglieder von Kongressausschüssen, die sich mit dem Thema befassen. Ein GM-Sprecher sagte zu den Vorhaltungen, er könne nichts zu Vorgängen sagen, die schon zwölf Jahre zurücklägen. Die Protokolle der Sitzungen des GM-Verwaltungsrates von 2002 lieferten aber keine Hinweise darauf, dass der Brief von McAleer diskutiert worden sei.

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.