GM-Boss Rick Wagoner

GM und Chrysler erwägen Fusion

— 05.12.2008

Hochzeit als Rettung?

Die schwer angeschlagenen US-Autoriesen GM und Chrysler erwägen eine Art freiwillige Zwangsehe zur eigenen Rettung. Politik und Gewerkschaften zeigten sich skeptisch und misstrauisch.

(rtr/dpa/cj) Die bedrohten US-Autobauer General Motors (GM) und Chrysler haben dem US-Kongress im Gegenzug für beantragte Staatshilfen von 34 Milliarden US-Dollar eine Fusion angeboten. "Ich wäre sehr gewillt, dies ernsthaft in Betracht zu ziehen", sagte GM-Chef Rick Wagoner (Foto) in einer Anhörung vor dem Bankenausschuss des Senats in Washington. Sein Chrysler-Kollege Robert Nardelli stimmte dem Plan zu und kündigte an, möglicherweise auf seinen Job zu verzichten. "Falls ein Zusammenschluss das Unternehmen und seine Arbeiter rette, dann würde ich es machen", sagte er. Die beiden Vorstandsvorsitzenden und ihr Kollege von Ford, Alan Mulally, wollen zudem für ein symbolisches Jahresgehalt von einem Dollar arbeiten.

Investitionen in umweltfreundliche Modelle angekündigt

Spät, aber nicht zu spät? Der Chevy Volt soll mithelfen, General Motors aus der Krise zu führen.

Wagoner räumte im Senatshearing "Fehler" seines Unternehmens ein. General Motors habe nicht rasch genug in spritsparende Modelle investiert. Als Schlüsselelemente des Sanierungsplans nannte der GM-Chef unter anderem verstärkte Investitionen in umweltfreundliche Modelle wie den Chevy Volt, eine Verringerung von Marken, Modellen und Verkaufsfilialen sowie mit Blick auf die Arbeitskosten "volle Wettbewerbsfähigkeit" mit ausländischen Konkurrenten bis 2012. Bis dahin solle auch das Darlehen zurückgezahlt werden. Auch Nardelli kündigte umweltfreundliche Modelle und Kosteneinsparungen an. Mulally will über die nächsten sieben Jahre 14 Milliarden Dollar investieren, um den Benzinverbrauch der Ford-Flotte zu senken.

Zweifel bei Politikern und Gewerkschaftlern

Der Chef der Gewerkschaft United Auto Workers, Ron Gettelfinger, zeigte sich skeptisch. Eine Fusion würde zu "unglaublichen" Arbeitsplatzverlusten führen, sagte der Arbeitnehmervertreter. Viele Abgeordnete zweifelten die Versprechungen der Vorstände zudem wegen ihrer Fehler in der Vergangenheit an. "Ich bin dagegen, die drei großen Autohersteller freizukaufen", sagte der führende Republikaner im Bankausschuss, Richard Shelby. "Ich vertraue den Konzernspitzen nicht", erklärte der einflussreiche demokratische Senator Charles Schumer, fügte aber hinzu: "Wir können die Branche nicht zusammenbrechen lassen."

125 Mrd. Dollar für Rettung?

Nach Ansicht von Experten benötigen die "Großen Drei" für eine Rettung deutlich mehr als die beim Kongress beantragte Summe. Angesichts der vorhergesagten Verkaufsrückgänge bräuchte die Autobranche 75 bis 125 Milliarden Dollar, sagte Mark Zandi, Moody-Chefvolkswirt, in der Sitzung. Mit hoher Wahrscheinlichkeit würden die Hersteller zu einem späteren Zeitpunkt um weitere Hilfen bitten, so der Finanzerxperte. Mulally, Wagoner und Nardelli legten die mehr als 800 Kilometer von Detroit nach Washington in Hybrid-Autos zurück. Bei der ersten Kongressanhörung vor zwei Wochen hatte es scharfe Kritik gegeben, weil die drei trotz der dramatischen Lage ihrer Konzerne Firmenjets benutzten.

Damals ließ der Kongress die Firmenchefs abblitzen, da sie in den Augen der Abgeordneten keine geeigneten Sanierungskonzepte vorlegten.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.