GM und PSA: Kooperationspläne

— 29.02.2012

Neue Hoffnung für Opel?

Peugeot und Citroën wollen mit General Motors kooperieren. Für die Franzosen – und auch für GM-Tochter Opel – könnte das einen Ausweg aus der Krise bedeuten.



(dpa) Neue Hoffnung für Opel: Der Mutterkonzern General Motors (GM) schmiedet eine strategische Allianz mit dem angeschlagenen französischen Autobauer PSA (Peugeot-Citroën). Die beiden Unternehmen gaben am 29. Februar 2012 die Unterzeichnung einer entsprechenden Vereinbarung bekannt. GM und Peugeot-Citroën wollen künftig gemeinsam Autos entwickeln und gemeinsam einkaufen. Das soll zu milliardenschweren Einsparungen führen, die sich allerdings erst in einigen Jahren zeigen. General Motors wird nach der Übereinkunft im Zuge einer PSA-Kapitalerhöhung um eine Milliarde Euro eine Sieben-Prozent-Beteiligung an der traditionsreichen französischen Gruppe mit dem Löwen im Logo erwerben. GM wird damit zweitgrößter Aktionär bei dem französischen Traditionsunternehmen, in dem die Gründerfamilie über ihre Holding stärkster Anteilseigner bleibt. Gesteuert werden soll die Allianz durch ein paritätisch besetztes Lenkungsgremium. GM und PSA wollen den Angaben zufolge künftig gemeinsame Fahrzeugplattformen nutzen. Damit könnten sie schneller und günstiger Autos entwickeln und Modelle auch in höheren Stückzahlen fertigen.

Jahresbilanz GM 2011: Opel drohen Einschnitte

Opel müssen sich trotz der GM-Zusammenarbeit mit Peugeot-Citroën zunächst aber weiter auf Einschnitte gefasst machen. "Diese Allianz ersetzt nicht unsere anhaltenden Bemühungen, unser Europageschäft profitabel zu machen", sagte der Chef des Opel-Mutterkonzerns General Motors, Dan Akerson, in einer Telefonkonferenz. GM-Strategiechef Stephen Girsky ergänzte, die Allianz sei ein "weiteres Werkzeug im Werkzeugkasten". Der Opel-Betriebsrat sprach in einer ersten Reaktion davon, die Allianz habe "Chancen und Risiken" für Opel. 2011 hatte das Europageschäft von GM mit der Hauptmarke Opel einen operativen Verlust von 747 Millionen Dollar eingefahren. Nun laufen Gespräche zwischen dem Management und den Arbeitnehmervertretern über einen neuen Sparplan. Immer wieder kochen dabei Spekulationen hoch, dass das Werk Bochum geschlossen werden könnte.

Auch Peugeot-Citroën schrieb zuletzt angesichts der schwierigen Automärkte in Europa in seiner Autosparte Verluste. Firmenchef Philippe Varin betonte, auch die Franzosen verfolgten ihre eigenen Sparpläne weiter. Die Allianz der beiden Autobauer GM und PSA basiert auf zwei Säulen: Zum einen geht es um die gemeinsame Nutzung von Komponenten und Modulen sowie dem Aufbau eines weltweiten Einkaufs-Joint-Ventures. Das erste gemeinsam entwickelte Modell wird für 2016 erwartet. Zum anderen geht es um die gemeinsamen Auslotung weiterer Kooperationsmöglichkeiten. Die Kooperation sieht auch integrierte Transport- und Logistikketten vor. Beide Konzerne wenden zusammen jährlich 125 Milliarden Dollar (94 Milliarden Euro) für Rohstoffe, Teile und Dienstleistungen auf. Die beiden Unternehmen gehen davon aus, dass nach rund fünf Jahren im Rahmen der Allianz Synergien in Höhe von ungefähr zwei Milliarden US Dollar (1,5 Milliarden Euro) pro Jahr entstehen. Diese würden im Wesentlichen aus den neuen gemeinsamen Fahrzeugprogrammen resultieren.

Der größte französische Autobauer PSA steckt seit Monaten durch schrumpfende Marktanteile und Verluste im Kerngeschäft tief in der Krise. Nach den jüngst veröffentlichten Bilanzzahlen verbuchte die Autosparte 2011 einen Verlust von 92 Millionen Euro – nach einem Gewinn von 621 Millionen Euro im Vorjahr. Der Absatz sank auf 3,55 Millionen Fahrzeuge. Bislang hat sich die Peugeot-Familie als größter Aktionär stets gegen Kapitalverflechtungen ausgesprochen. PSA kooperiert unter anderem bereits mit BMW, Ford und Mitsubishi.

Der Opel-Betriebsrat kommentierte, kurzfristig wären vor allem Vorteile bei externen Komponenten und Logistikdienstleistungen zu realisieren. Mittel- bis langfristig könnten positive Effekte durch eine Bündelung im Einkauf erwartet werden. Zudem gebe es für Opel/Vauxhall Chancen bei Motoren und bei der Entwicklung von Fahrzeugarchitekturen. Es gebe aber auch Risiken – etwa durch die zunehmende Komplexität der vielen, bei PSA schon vorhandenen Kooperationen mit anderen Herstellern. Opel-Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug sagte: "Entscheidend ist, welche Freiheitsgrade Opel/Vauxhall bei der Ausgestaltung der weiteren Verträge mit PSA haben wird." Durch die Allianz dürfe es keine Nachteile für die Beschäftigten insbesondere in den europäischen Entwicklungs- und Produktionsstandorten entstehen. Die Identität der Marken Opel und Vauxhall müsse erhalten bleiben.

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