Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP)

GM-Vertreter in Berlin

— 12.11.2009

GM braucht 3,3 Milliarden für Opel

Was kostet die Rettung von Opel nach dem Verbleib bei General Motors? GM selbst nannte bei Gesprächen mit der Bundesregierung eine Summe von 3,3 Milliarden Euro. Wirtschaftsminister Brüderle lehnt eine Staatshilfe ab.

(dpa/cj) Der US-Konzern General Motors (GM) hat den Finanzierungsbedarf für die Sanierung von Opel auf 3,3 Milliarden Euro beziffert. Das teilte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) nach einem Gespräch mit dem neuen Europa-Chef Nick Reilly und GM-Vize John Smith in Berlin mit. Er erwarte, dass GM die Finanzierung grundsätzlich selbst aufbringt. GM wolle "zeitnah" ein neues Restrukturierungskonzept für Opel vorlegen, sagte Brüderle weiter. Nach Angaben des Ministers haben sich die GM-Spitzenmanager für die "schweren Kommunikationsfehler" nach dem geplatzten Verkauf von Opel an Magna und russische Investoren entschuldigt. Er habe auf die besondere Verantwortung von GM für Opel hingewiesen, so Brüderle.

Hier geht es zur Opel-Markenseite

GM versucht nach der überraschenden Kehrtwende im Opel-Poker, die Wogen zu glätten und die Verstimmung in der Bundesregierung und bei den Opel-Mitarbeitern zu beheben. Der US-Autobauer will seine deutsche Tochter Opel selbst sanieren und dafür bei den Regierungen der Länder mit Opel-Standorten um Unterstützung werben. Der Konzern will womöglich noch vor Jahresende auch mit der Abzahlung seiner Schulden an die US-Regierung beginnen.

"Viel Geld durch Zögern verbrannt"

GM habe laut Brüderle erneut darauf verwiesen,  dass sich in den vergangenen Monaten die Situation verändert habe. Die GM sehe nun größere finanzielle Spielräume und habe sich für den Verbleib von Opel unter dem GM-Dach entschieden. Zuvor hatte Brüderle dem GM-Management vorgeworfen, Entscheidungen zu lange verzögert zu haben. Dabei sei viel Geld verbrannt worden: "Der Ball liegt jetzt bei General Motors und nicht in Berlin." Details über die von GM geplanten Stellenstreichungen in Deutschland sollen laut GM-Chef Fritz Henderson erst in einigen Wochen vorliegen. "Zuerst müssen wir uns mit den Betriebsräten auf einen Restrukturierungsplan einigen." Der Autobauer will vermutlich 10.000 der rund 50.000 Stellen in Europa streichen und die Fixkosten um 30 Prozent senken. In Deutschland arbeiten etwa 25.000 Menschen für Opel.

Insolvenz-Drohung passé

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) forderte bis Weihnachten eine Zukunftsperspektive für Opel und machte gleichzeitig sein Misstrauen gegenüber GM deutlich: "Ich will das aber schriftlich haben." Unterdessen zog Henderson die Drohung zurück, Opel in die Insolvenz zu schicken, wenn die Beschäftigten nicht zu Zugeständnissen bereit sind. "Eine Insolvenz ist nicht notwendig und auch nicht wahrscheinlich." Die europäischen Opel-Händler sagten GM ihre Unterstützung bei der Opel-Sanierung zu. Geld wollen sie nach dem geplatzten Verkauf an Magna aber nicht mehr bereitstellen.

Blick nach Russland, Asien und USA

Die Zentrale von General Motors in Detroit: Könnte Opel auch auf dem Heimatmarkt seiner Mutter Fuß fassen?

Der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel sagte der Nachrichtenagentur dpa, er halte den Verkauf von Opel-Modellen in Russland, Asien und sogar den USA für möglich. Dass Henderson Opel als starke Regionalmarke ansehe, bezeichnete er als positiv. Damit bleibe Opel in Europa bestehen. "Wir kennen Planspiele, Opel in Europa durch Chevrolet zu ersetzen", sagte Einenkel. Opel sei in Russland beliebt und könne auch im asiatischen Markt punkten. Da GM in den USA keine kleinen Autos wie den Corsa, Astra oder Zafira anbiete, ließen sich solche Modelle auch dort verkaufen.

Für Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz ist die Möglichkeit, Opel in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln, nicht vom Tisch. GM-Chef Henderson sei für diese "Gedanken offen", sagte Franz in einem Interview mit Maybrit Illner für ZDFonline. Franz zeigte zugleich Verständnis dafür, dass Staatshilfen für Opel nach dem geplatzten Verkauf an Magna nicht selbstverständlich seien. "Wenn die Mutter kommt und nicht abgeben möchte, dann muss sie auch für die Tochter sorgen", sagte er. General Motors müsse nun die Finanzierung sicherstellen.

Whitrace verteidigt Entscheidung

Verwaltungsratschef Edward Whitacre sieht GM unter Druck, die Milliardenkredite so schnell wie möglich zurückzuzahlen. Der größte US-Autobauer steht beim amerikanischen Staat mit 6,7 Milliarden Dollar an direkten Krediten in der Kreide. Insgesamt bekam er Hilfen von 50 Milliarden Dollar, für den Großteil erhielt der Staat im Gegenzug Anteile an GM. Whitacre verteidigte die Entscheidung, das Europa-Geschäft rund um Opel zu behalten. "Wie kann man ein global player sein, ohne weltweit tätig zu sein?" Wann GM wieder Geld verdient, ließ er offen: "Ich sehe das kommen, kann aber kein genaues Datum versprechen."

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.