GM/Opel Hy-wire

GM/Opel Hy-wire

— 07.01.2003

"Ich fuhr in die Zukunft"

Das Auto von morgen ist ein Airbus auf Rdern mit Wasserstoffantrieb. Nur fliegen kann er nicht.

Keine Bremspedale, keine Lenksule

Ich habe in meinem Leben schon viel Gummibereiftes unterm Hintern gehabt: vom Maurer-Union (Baujahr um 1900, steht jetzt im Deutschen Museum) ber Fiat Topolino, Bayer-Kunststoff-Porsche, Schwalbe-Duo-Dreirad bis hin zum Ferrari Testarossa. Vergangenheit.

Die Zukunft hat mich jetzt im Griff. Und die heit Hy-wire von GM/Opel. Ich entere den Schalensitz, drehe einen Schlssel. Da tffelt nichts, da knetert kein Zweitakter, rhrt kein Zwlfzylinder. Nein, irgendwo im Heck fngt es leise an zu rauschen, ein Monitor meldet allerlei Daten. Mein Beifahrer, Dipl.-Ing. Christof Scherl von der Opel-Forschung, erklrt: Hy steht fr Hydrogen, also den Antrieb mittels Wasserstoff. Und per Draht (wire) wird Hy-wire gelenkt, diese Technik arbeitet schon seit 20 Jahren in allen Airbussen.

Ich greife nach der Lenkung in Playstation-Form: Die beiden Griffe lassen sich wie beim Motorrad drehen, damit wird also Gas gegeben; drcke ich sie, wird gebremst; schwenke ich das Ganze, folgen die Vorderrder. Meine Fe machen nichts, sie stren hchstens den Blick durch die glserne Schnffelnase der Bertone-Karosse. Denn ein Bremspedal gibt es nicht mehr, auch fehlen natrlich Lenksule und Lenkgetriebe, hier geht ja alles ber Kabel, eben by wire.

60-kw-Elektromotor sorgt fr Vortrieb

Wann der Gesetzgeber so was erlauben knnte? "In drei bis vier Jahren knnte es so weit sein", schtzt Christof Scherl und fhrt spielerisch die Lenkkonsole mal zu sich herber. Dank der Drhte kann auch der Beifahrer problemlos das Kommando bernehmen. Und fr den Export in Lnder, die auf der falschen Seite fahren, braucht nichts verndert zu werden.

Jetzt aber zurck in die Zukunft: Das sanfte Drehen an den Griffen setzt ein summender 60-kW-Elektromotor in Vortrieb um, stoppt aber leider auch meinen Tatendrang aus Sicherheitsgrnden bei 60 km/h. Immerhin, ein kleiner Slalomkurs zeigt, wie sich der Lenkeinschlag dem Tempo anpassen kann (schnell fahren: kleiner Winkel; langsam fahren: starker Einschlag). Noch sind Lenkung und Bremse gefhllos, da die Rckkoppelung fehlt. Hy-wire ist eben eine Studie, die in ihrem Sandwich-Boden noch mehr berraschungen bereithlt.

Gedanklich entwerfe ich schon den Werbespot 2010: Papi geht morgens in die Garage, wo nur das 4,4 Meter lange Skateboard-Chassis auf den Rdern steht. An der Decke hngen Fiberglas-Karossen: Roadster, Limousine, Van oder Wohnmobil. So wie die Krawatte aus dem Schrank so sucht sich Papi das zum Tag passende Gehuse aus. Zehn Steckverbinder klacken die Zukunft fhrt zur Arbeit.

Autor: Diether Rodatz

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