Gnadenfrist für Eurotunnel

Gnadenfrist für den Eurotunnel

Gnadenfrist für Eurotunnel

— 03.08.2006

Die Züge rollen. Noch

Durchatmen bei den Eurotunnel-Betreibern: Ein Pariser Gericht gewährt sechs Monate Aufschub für einen neuen Umschuldungsplan.

Die Firma Eurotunnel hat ein halbes Jahr Zeit gewonnen, um mit ihren Aktionären über ein Umstrukturierung der gewaltigen Schuldenlast von 9,1 Milliarden Euro zu verhandeln. Diese Frist räumte das Pariser Handelsgericht der hoch verschuldeten Betreibergesellschaft des Eurotunnels unter dem Ärmelkanal ein.

Kommt in der Zeit keine Einigung zustande, droht dem Unternehmen die Zahlungsunfähigkeit. Eurotunnel betreibt seit 1994 den 50 Kilometer langen Tunnel zwischen Frankreich und Großbritannien. Durch den Gerichtsbeschluss muss Eurotunnel an sofort weder Schulden begleichen noch Zinsen zahlen. Der Betrieb des Tunnels zwischen dem britischen Folkestone und dem französischen Coquelles läuft dagegen normal weiter. Das Gericht legte für die Verhandlungen mit den Gläubigern eine sechsmonatige "Beobachtungsphase" fest.

Dabei können die Gläubiger in den kommenden zwei Monaten zunächst ihre Forderungen geltend machen. Eurotunnel-Chef Jacques Gounon begrüßte die von ihm beantragte Entscheidung. Er hoffe, dass jetzt eine Einigung mit allen Schuldnern möglich sei. Dazu würden Verhandlungen "ziemlich schnell" aufgenommen. Eine erste Einigung über ein Umschuldungsabkommen war von einem Teil der Gläubiger blockiert worden. Unter den Geldgebern ist auch die Deutsche Bank. Sie gehört zu einer Gläubigergruppe, in der hauptsächlich Kreditinstitute und US-Investmentfonds vertreten sind.

Herrscht bald gähnende Leere im Eurotunnel? In sechs Monaten soll eine Entscheidung fallen.

Wie in allen anderen Gruppen müsste auch hier mindestens 75 Prozent des Kapitals einer Umschuldung zustimmen. Dabei hat die Deutsche Bank laut Eurotunnel in der Gruppe mit rund 25 Prozent eine Sperrminorität, ihre Zustimmung ist also unabdingbar. Das Geldhaus ließ Bewegung erkennen. "Wir haben heute Fortschritte erzielt", sagte der Frankreich-Chef der Deutschen Bank, Jacques-Henri David. Eurotunnel machte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 793 Millionen Euro. Die 25 Shuttle-Züge des Unternehmens brachten dabei zwei Mio. Autos, 1,3 Mio. Lkw und 77.000 Autobusse mitsamt Insassen durch den Tunnel. Mit dem Hochgeschwindigkeitszug Eurostar fuhren zudem 7,5 Millionen Bahn-Passagiere zwischen Paris und London unter dem Kanal durch.

Eurotunnel ist schon seit dem Beginn des Projektes in den 80er Jahren in finanzieller Schieflage. Die Kosten für den Tunnelbau zwischen Frankreich und Großbritannien waren unterschätzt worden, die Auslastung blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Zur Zeit beschäftigt das Unternehmen noch 2300 Mitarbeiter.

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