"Effie" für DVR-Plakatkampagne

Goldener "Effie" für DVR-Plakatkampagne

— 19.10.2009

Ausgezeichnete Tragödie

Mit Schockfotos von Unfallautos hat der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) im vergangenen Jahr Autofahrer auf Gefahren im Straßenverkehr hingewiesen. Jetzt wurde die provokative Plakatkampagne sogar ausgezeichnet.

"Runter vom Gas!" Ein deutlicher Satz, und noch deutlicher die Bilder dazu: ein Haufen verbogenes Blech, Glasscherben, kaum noch als Auto-Wrack wahrnehmbar, und mitten drin der Aufkleber "Baby an Bord". Wie ein Blitz durchzuckt den Betrachter der Gedanke, was hier geschehen sein muss. Dieses Szenario sticht mitten ins Herz, und genau das beabsichtigten die Macher des Plakats. Oberlehrer-Sätze wie "Fahr sicher, dann kommen Du und Deine Kinder sicher an" oder ähnliches, das dem Betrachter das Denken erspart, wurde bewusst weggelassen. Ähnlich mit den fingierten Todesanzeigen: ein Foto von einem verliebten Pärchen, darüber das schmucklose Kreuz, ein schwarzer Trauerrand. Und lakonisch der Satz: "Zu schnell in die Kurve." Damit ist alles gesagt – und zwar ohne viel Worte. Den letzten – schmerzhaften – Schluss muss der Zuschauer selbst ziehen.

Die Plakate erzählen kleine Geschichten, die schrecklich enden

Schock-Motiv: Das Foto von einer netten kleinen Familie, im Arrangement mit Kreuz und Trauerrand eindeutig als Todesanzeige zu erkennen.

Da ist effektvolle Werbung – im Guten wie im Schlechten – nicht anders als gutes Kino. Wie der österreichische Regisseur Michael Haneke ("Funny Games") kürzlich sagte: "Wie eine Sprungschanze: Sie muss gut gebaut sein, aber springen muss letztendlich der Zuschauer." Der Aufprall nach dem Sprung tut dem Betrachter der DVR-Plakate jedenfalls richtig weh. Es sind kleine Geschichten, die dort erzählt werden, und sie enden jedes Mal schrecklich. Ob der bildgewaltige Appell "Runter vom Gas!" damit etwas bewirkt hat? Beweisen lässt sich so etwas vorläufig noch nicht. Aber die drastische Wirkung der ungemein dramatischen Bild-Geschichten wird sicher niemand bestreiten. Nun hat die Kampagne von berufener Seite höhere Weihen erhalten: Der Gesamtverband Kommunikationsagenturen (KWA) hat ihr den Siegtitel in der Kategorie "Gesellschaftliche Projekte" verliehen.

Mehr als 50 Millionen Deutsche kennen die Kampagne

Der "Effie" genannte Preis wird jedes Jahr verliehen, 2009 nahmen 130 Einsendungen in 15 Kategorien daran teil. Die Jury besteht aus Vertretern der Werbung, Medien, Agenturen und Marktforschungsinstituten. Sie lobten "Runter vom Gas!" vor allem für seine einprägende Wirkung: Man hat errechnet, dass über 50 Millionen Deutsche die Kampagne kennen. In den Medien wurde mehr als 250 Mal darüber berichtet. Jeder fünfte hat bereits mit Freunden und Bekannten darüber gesprochen. Damit ist "Runter vom Gas!" die erfolgreichste Initiative für Verkehrssicherheit, die es bisher in Deutschland gegeben hat. Für den DVR ein Signal, auch in Zukunft auf Gefühle wenig Rücksicht zu nehmen: "Mit einer emotionalen Ansprache möchten wir die Verkehrsteilnehmer für das Risiko überhöhter Geschwindigkeit sensibilisieren", sagt DVR-Präsident Walter Eichendorf.

Autor: Roland Wildberg

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