Goldenes Lenkrad 2015: Podiumsdiskussion zum Abgasskandal

Goldenes Lenkrad 2015: Podiumsdiskussion zum Abgasskandal

— 10.11.2015

Nachdenkliche Töne in Berlin

Erstmals seit der Abgasaffäre trafen sich Spitzenmanager der deutschen Autoindustrie zu einer Podiumsdiskussion. Alle Hersteller seien gefordert, das Vertrauen zurückzugewinnen, sagte Opel-Chef Neumann.

Die Talk-Runde in Berlin (v.r.): Harald Krüger (BMW), Marion Horn (BILD am SONNTAG), Jürgen Stackmann (VW), Rupert Stadler (Audi), Karl-Thomas Neumann (Opel), Verkehrsminister Alexander Dobrindt und Bernd Wieland (AUTO BILD).

Der VW-Abgasskandal war ein Thema bei der Verleihung des 40. Goldenen Lenkrads durch BILD am SONNTAG und AUTO BILD in Berlin. Vor der Verleihung der begehrten Autopreise hatte Mathias Döpfner, der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer SE, zu einer Podiumsdiskussion geladen. Es war die erste Diskussionsrunde von Spitzenmanagern der deutschen Automobilindustrie seit Bekanntwerden der Affäre im September 2015. Dabei standen die Folgen des "Dieselgate" und die "CO2-Manipulation" für die Autoindustrie in Deutschland im Mittelpunkt. Döpfner gab in seiner Begrüßungsrede zu bedenken: "Nur wegen eines Konzerns kann nicht eine ganze Branche in Kollektiv-Haftung genommen werden."

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VW will verlorenes Vertrauen zurückgewinnen

Im Mittelpunkt der Talk-Runde, die von BILD am SONNTAG-Chefredakteurin Marion Horn und AUTO BILD-Chefredakteur Bernd Wieland moderiert wurde, standen die aktuellen Geschehnisse im  Volkswagen-Konzern. Schließlich wurde der VW Touran in der neuen Kategorie "Familienauto" aus der Wertung genommen, weil Manipulationen am Motor nicht ausgeschlossen werden konnten. Als Konzernvertreter sprach Jürgen Stackmann für Volkswagen. Der Markenvorstand des Konzerns versicherte, VW werde alles tun, volle Transparenz für die Kunden herzustellen. Bei der Aufklärung gehe es vor allem um Gründlichkeit, auch wenn jetzt alle schnelle Ergebnisse forderten: "Wir kämpfen um das Vertrauen, ohne das wir nie eine Weltmarke geworden wären." Sein Konzern-Kollege Rupert Stadler, Vorstandsvorsitzender der Audi AG, ergänzte: "Es läuft ein Prozess, bei dem alles auf den Kopf gestellt wird." Es gehe darum, volle Transparenz zu schaffen. Stadler setzt auf baldige Aufklärung der Affäre und ging auf die Vorwürfe der US-Umweltbehörde EPA ein, die dem Konzern die Manipulation von 3,0-Liter-TDI-Motoren vorgeworfen hatte: "Wir haben in Amerika den Verkauf des Q7 zurückgestellt. Das war ein wichtiges Signal für die Zusammenarbeit mit den amerikanischen Behörden." In Deutschland hingegen sei der Sechzylinder-Diesel gesetzeskonform.
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Mitarbeiter bräuchten mehr Mut

Auch die hochrangigen Vertreter von BMW und Opel zeigten sich nachdenklich. BMW-Chef Harald Krüger plädierte für eine offene Unternehmenskultur: "Mitarbeiter müssen ihren Chefs sagen dürfen, wir schaffen das nicht. Etwa, dass die Kostenziele nicht erreichbar sind." Die Dieseltechnologie sei enorm wichtig, denn: "Ohne Dieseltechnologie erreicht kein Autohersteller die 2020-Ziele", also das EU-Ziel von Neuwagen, die nur noch 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Opel-Chef Karl-Thomas Neumann verwies auf die gemeinsame Verantwortung der Autohersteller: "Alle Hersteller müssen ihren Beitrag leisten, um Vertrauen für die Branche zurückzugewinnen." Er forderte: "Wir müssen aufhören, ideologisch gegen den Diesel vorzugehen. Der Diesel ist nicht nur schlecht!" Die Frage von AUTO BILD-Chefredakteur, ob der Opel Astra, Gewinner des Goldenen Lenkrads in der Kompaktklasse, sauber sei, beantwortete der Opel-Boss mit "Ja".

Dobrindt plädiert für bessere Kontrollen

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) verteidigte sich gegen Kritik, dass staatliche Kontrollen in der Affäre versagt hätten. Dobrindt sagte: "Wir werden weiter unabhängige Prüfdienste beim KBA einsetzen." Gleichzeitig kündigte der Minister an: "Wir werden bis 2017 flächendeckend die verschärften Prüfverfahren umsetzen können." Er ging auf die aktuelle Testpraxis mit Werten vom Prüfstand ein und sagte: "Wir werden den Weg vom Rollentest zum Straßentest gehen." Dobrindt ergänzte: "Wir wollen dafür sorgen, dass es auffällt, wenn einer die Regeln bricht."

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Abgasskandal

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