Golf R32 gegen Astra OPC

Opel Astra GTC – VW Golf R32 Opel Astra GTC – VW Golf R32

Golf R32 gegen Astra OPC

— 04.10.2005

Wer ist hier der Supersportler?

240 und 250 PS, 244 und 250 km/h. Wir reden hier von Astra und Golf. Zwei wilde Kompakte? Oder wirklich ernstzunehmende Sportwagen?

Betriebskosten und Garantien

Die Nadel des Drehzahlmessers klebt bei 6000/min, der Tacho zeigt 260 km/h an. Anschlag, mehr geht nicht, 6. Gang, linke Spur. Ich sitze nicht etwa in einem Porsche Carrera, geschweige denn in einem Ferrari. Nein, das dicke Lenkrad in meinen Händen ziert der Blitz aus Rüsselsheim. Das Gerät heißt Astra OPC. Jeder "Tief, breit, hart"-Fan weiß, daß dies fürs Opel Performance Center steht. Die hauseigene Tuningabteilung, so was wie AMG bei Mercedes oder die quattro GmbH bei Audi. Wenn das dreitürige Astra-Coupé die OPC-Halle verläßt, ist unterm Blech nichts mehr so, wie es einmal war.

Der Zweiliter-Vierzylinder mobilisiert dank Turbo-Aufladung satte 240 PS und 320 Newtonmeter, sprintet in 7,3 Sekunden auf 100 und schafft in der Spitze echte 244 km/h. Schneller, stärker und teurer (28.000 Euro) war noch nie ein Opel Astra. Daten also, die sich ganz nach "King der Kompakten" anhören. Nur erhebt neben Rüsselsheim auch Wolfsburg Anspruch auf diesen Titel. Dort trocknet gerade der Lack eines Über-Golf, und seine Fans bekommen schon bei dem Gedanken an das Kürzel "R32" feuchte Hände. Dahinter stecken 250 PS aus einem 3,2-Liter-V6, der ebenfalls 320 Newtonmeter ins Getriebe schickt, permanenten Allradantrieb bietet, 6,0 Sekunden auf 100 braucht und eine Spitze von 250 km/h auf den Asphalt zaubert. Das alles für 32.200 Euro.

Klar, daß diese beiden Kompakt-Kracher nach einem Duell schreien. Wo sonst ist die Rivalität so ausgeprägt wie bei Golf gegen Astra? Zwei Autos, zwei Lager, zwei Weltanschauungen. Möge verhindert werden, daß die beiden jemals zusammen an der Ampel stehen. Und: Astra-Fahrer sollten sich möglichst fernhalten von einem Golf-Treffen – und umgekehrt. Bei uns geht es diesmal nicht um zwei Zentimeter mehr Ellbogenfreiheit oder um fünf Liter weniger Kofferraum, sondern mehrheitlich darum, was in diesen Kompaktsportlern rüberkommt.

Technische Daten und Testwerte

Wie fühlen sich die beiden an, wie sexy ist ihr Sound, wie cool der Auftritt? Hier strotzt der Astra OPC nur so vor Dynamik. Allein seine coupéhafte Karosserie, die tief heruntergezogene Frontschürze mit dem dicken Lufteinlaß, das zentrale Auspuffrohr oder die 18-Zöller vermitteln schon im Stand: Leg' dich bloß nicht mit mir an!

Kollege Golf wird darüber nur milde lächeln. Er kommt wesentlich dezenter daher, dennoch mit eindeutigen Aussagen in Sachen Sportlichkeit: GTI-Grill in Metalloptik, blaulackierte Bremssättel, ebenfalls 18-Zoll-Räder und zwei fette Auspuffrohre in der Heckmitte. Was dem einen vielleicht außen zu wenig ist, holt der R32 innen nach.

Super-Schalensitze in Rennoptik (Aufpreis 1150 Euro) mit perfektem Seitenhalt, dickes Lenkrad (unten abgeflacht) mit Lochleder, Cockpit im Chrono-Look und Aludekor-Einlagen mit dem Namen "Engine Spin". Auch die Recaro-Sportsitze im Astra gefallen mit gutem Halt. Insgesamt wirkt das Cockpit jedoch nüchterner, technisch kühler. Freuen wird den Astra-Fahrer da vielleicht ein kleiner Gimmick beim Start. Bei "Zündung ein" schlagen die Nadeln der Instrumente einmal voll aus, wollen sagen: Wir sind bereit.

Ganz konservativ per Schlüssel erwacht der Vierzylinder-Turbo zum Leben, dreht sehr agil hoch, nimmt willig auch schon bei niedrigen Touren Gas an und kann somit extrem schaltfaul bewegt werden. Er wäre mir aber eine Spur zu laut. Besonders im dritten Gang bei 80 und einer Drehzahl von 3600/min nervten im Testwagen unangenehme Dröhngeräusche. Der Golf wirkt in der Summe einfach leiser, erfreut durch einen kernig-sportlichen Sechszylinder-Sound. Daß auf der Autobahn im realen Leben keiner dem anderen davonfährt, ist klar, selbst wenn der Golf bei Höchstdrehzahl von 6500/min mal stolze 270 km/h anzeigt. Der Astra bleibt dran.

Bewertung und Fazit

Daher wollten wir wissen, wie sich die beiden auf einer abgesperrten Handlingstrecke verhalten, und wählten das Testgelände von Continental bei Hannover. Überraschung: Rundenzeiten auf die Zehntelsekunde gleich (Astra 1:41,76, Golf 1:41,70). Aber: Der Golf läßt sich etwas leichter um den Kurs dirigieren. Seine Lenkung ist gefühlvoller, bietet eine bessere Rückmeldung, und im Kurvengrenzbereich muß nur das Gas gelupft werden, um ihn wieder auf Kurs zu bekommen.

Der Astra reagiert nervöser. Schon allein wegen seines Frontantriebs. Das Lenkrad braucht eine feste Hand beim Beschleunigen. Die Räder zerren und haben Mühe, genügend Grip aufzubauen, der Vorderwagen schiebt extrem zum äußeren Kurvenrand. Insgesamt fehlt es dem getunten Opel an der gutdosierten Balance zwischen Vorder- und Hinterachse. Wohlgemerkt: All dies spielt sich nur kurz vor dem Grenzbereich ab, auf normaler Straße ist davon wenig zu merken. Doch nicht nur das vereitelt dem Astra den Sprung aufs Siegertreppchen.

Und selbst wenn Opel-Fans mir jetzt bitterböse Briefe schreiben werden: Der Golf ist in diesem Fall der bessere Kauf, trotz des 4200 Euro höheren Preises. Dieser wird mehr als aufgewogen durch den schöneren Sound, das besser abgestimmte Fahrwerk, den Allradantrieb, das angenehmere Handling und die Möglichkeit von zwei weiteren Türen (ab 695 Euro). Ein Alltagsbonus, der dem Astra-Fahrer im OPC verwehrt bleibt.

Fazit: Der teuerste, schnellste und stärkste Astra aller Zeiten gegen den teuersten, schnellsten und stärksten Golf aller Zeiten. Ein Fahrvergnügen der besonderen Art. Wer nur den Astra fährt, ist begeistert vom agilen Antritt des Turbos und dem hohen Tempo. Wer danach in den Golf steigt, spürt, daß alles noch etwas besser geht. Mit dem R32 hat Volkswagen in dieser Klasse einen perfekten Allround-Sportler auf die Räder gestellt: top Fahrleistungen, guter Komfort, kerniger Sound und als Fünftürer sogar schwiegermuttertauglich.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für den Opel Astra OPC und den VW Golf R32. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Michael Specht

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