Drei Kompaktvans im Test

Golf Sportsvan/B-Klasse/2er Active Tourer: Test

— 15.12.2014

Meisterschaft der Hochsitze

Kompakte Raumautos stehen hoch im Kurs. Also frischt Mercedes die B-Klasse auf und tritt gegen Active Tourer und VW Golf Sportsvan an.

Kennen Sie Bouldern? Oder Downhill? Von Dragracing haben Sie bestimmt schon gehört. Auch nicht? Macht nichts. Denn nur die Namen sind seltsam. Dahinter stecken etablierte Sportarten wie Klettern, mit dem Mountainbike bergab rasen oder mit aufgemotzten Autos besonders schnell durchstarten. Etwas Ähnliches gibt es auch bei Autos: exotischer Name, unspektakuläres Konzept. Hinter den Tarnnamen Active Tourer, Sportsvan oder Sports Tourer versammeln sich nämlich ganz normale Kompakte mit Hochbau-Hut, praktische Alleskönner also.

Mercedes hat der B-Klasse neue Assistenten spendiert

Video: B-Klasse vs. Active Tourer vs. Sportsvan

Neue B-Klasse im Vergleich

Typen wie die B-Klasse von Mercedes zum Beispiel. Der aufgestockte Benz wurde gerade aufgehübscht, stellt sich mit feinerem Innenleben und mehr Technik (Assistenzsysteme, Multimedia) der Konkurrenz im eigenen Land. Genauer: Der Mercedes B 200 CDI fordert in der Meisterschaft der Hochsitze den VW Golf Sportsvan 2.0 TDI sowie den BMW 218d Active Tourer heraus. Alle drei hohen Herren zeigen sich sehr ähnlich trainiert. Zwischen 136 und 150 PS stark, zwischen 33.455 und 37.140 Euro teuer, dazu als sparsame Diesel für Pendeltouren oder Familienausflüge prädestiniert. Also: Wer steht am Ende ganz oben auf dem Podest? Der Mercedes hat zumindest gute Chancen. Weil neben den (eher marginalen) kosmetischen Maßnahmen eine Menge Hightech unter die Haube gezogen ist. Automatisch Einparken? Kein Problem. In Notsituationen von allein bremsen? Machbar. Verkehrszeichen lesen? Ein Klacks für den schlauen Benz.
Alle News und Tests zur Mercedes B-Klasse

Schlechte Straßen sind nicht das Ding des BMW

Ungewöhnlich für einen Van: Der BMW 2er Active Tourer gibt markentypisch den Dynamiker im Testtrio.

Allerdings: An den Motorschrauben haben die Entwickler kaum gedreht. So humpelt er der Konkurrenz etwas hinterher. Sein CDI läuft brummiger, werkelt unter Volllast arg vorlaut, verbraucht etwas mehr und kann sich nicht so recht zwischen durchzugsstark oder drehfreudig entscheiden. Dafür arbeitet die Federung ordentlich und bügelt kaputten Asphalt mit Erfolg glatt. Zusammen mit den bequemen Sitzen und der im Vergleich deutlich indirekteren Lenkung ergibt das ein gemütliches Fahrgefühl. Dynamisch sollen also die anderen. So wie der BMW. Der ist im direkten Abgleich geradezu wie ein Rennwagen gefedert. Über leicht wellige Straßen zitternd, stresst dieses spröde Ansprechverhalten. Auf derben Wellen wird es besser, hier gibt die Federung großzügiger nach. Unter Beladung schlägt das Fahrwerk jedoch auch mal durch – an gleicher Stelle bieten Mercedes und VW noch Reserven.
Alle News und Tests zum BMW 2er Active Tourer

Auch läuft der 2er zu aufgekratzt geradeaus, ständig sind kleine Korrekturen an der speziell um die Mittellage herum unverbindlichen Lenkung erforderlich. Noch ein störendes Detail: Die Lenksäule steht in leichter Schräglage zum Fahrer hin. Empfindliche Naturen werden sich mit dieser aufgezwungenen Lümmel-Haltung wohl nicht so bald anfreunden.

In Sachen Nutzwert hängt der Sportsvan die Konkurrenz ab

Keine Kritikpunkte: Der Golf Sportsvan macht seine Sache gut, gewinnt den Test am Ende deutlich.

Der Motor des 218d ist dagegen über jeden Zweifel erhaben. Der Zweiliter geht druckvoll an die Arbeit (lässt aber die Vorderräder scharren), ist selbst unter voller Last kaum zu hören oder zu spüren. Leider trinkt er. Die 5,9 Liter Durchschnittsverbrauch überbietet keiner. Schon gar nicht der VW – dem wir auch sonst nichts vorwerfen können. Alles am Sportsvan wirkt geschliffen und angenehm "allroundig". Beispiele? Das Fahrwerk hält den Van verbindlich in der Spur und federt dennoch komfortabel. Motor: Der 2.0 TDI gibt gleichmäßig Kraft ab, bietet daneben typischen Turbodiesel-Druck und scheut sogar Drehzahlen bis an die 5000 Touren nicht. Nebenbei fährt er der Konkurrenz im Sprint davon. Dazu passen die hervorragenden Sitze, die direkte Schaltung und die feine Lenkung. Außerdem ist der Sportsvan noch der Chef-Spediteur in diesem Trio. Zuladung, Kofferraum, Variabilität – der Golf stellt die Konkurrenz in Sachen Alltagskönnen voll in den Schatten. Und er kostet nicht mal die Welt, bietet im Vergleich sogar am meisten Luxus.
Alle News und Tests zum VW Golf Sportsvan

Fahrzeugdaten BMW Mercedes VW
Modell 218d Active Tourer B 200 CDI Sportsvan 2.0 TDI
Motor Vierzylinder, Turbo Vierzylinder, Turbo Vierzylinder, Turbo
Einbaulage vorn quer vorn quer vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Kette Kette Zahnriemen
Hubraum 1995 cm³ 2143 cm³ 1968 cm³
kW (PS) bei 1/min 110 (150)/4000 100 (136)/3200 110 (150)/3500
Nm bei 1/min 330/1750 300/1400 340/1750
Vmax 210 km/h 210 km/h 212 km/h
Getriebe Achtstufenautomatik Sechsgang manuell Sechsgang manuell
Antrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 225/45 R 18 W 225/45 R 17 W 225/45 R 17 W
Reifentyp Pirelli PZero Michelin Primacy HP Dunlop Sport Maxx RT
Radgröße 7,5 x 18" 7,5 x 17" 7,5 x 17"
Abgas CO2 109 g/km 111 g/km 112 g/km
Verbrauch* 4,7/3,8/4,1 l 5,4/3,6/4,3 l 5,1/3,9/4,3 l
Tankinhalt 51 l/Diesel 50 l/Diesel 50 l/Diesel
Kältemittel R134a R134a R134a
Vorbeifahrgeräusch 71 dB (A) 71 dB (A) 72 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. 1300/725 kg 1500/740 kg 1600/730 kg
Kofferraumvolumen 468-1510 l 488-1547 l 500-1520 l
Länge/Breite/Höhe 4342/1800-2038**/1555 mm 4359/1786-2010**/1557 mm 4338/1807-2050**/1578 mm
Testwagenpreis 37.140 Euro 36.313 Euro 33.455 Euro
* innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km; ** Breite mit Außenspiegeln
Messwerte BMW Mercedes VW
Beschleunigung
0–50 km/h 2,9 s 3,8 s 3,2 s
0–100 km/h 8,8 s 10,4 s 8,8 s
0–130 km/h 15,1 s 18,0 s 15,2 s
Zwischenspurt
60–100 km/h 5,0 s 5,7 s 4,9 s
80–120 km/h 6,6 s 7,4 s 6,2 s
Leergewicht/Zuladung 1501/454 kg 1528/497 kg 1452/518 kg
Gewichtsverteilung v./h. 59/41 % 62/38 % 61/39 %
Wendekreis links/rechts 11,4/11,3 m 10,8/11,0 m 11,1/11,0 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 38,0 m 37,1 m 37,5 m
aus 100 km/h warm 35,0 m 35,2 m 35,2 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 57 dB (A) 58 dB (A) 59 dB (A)
bei 100 km/h 66 dB (A) 66 dB (A) 66 dB (A)
bei 130 km/h 69 dB (A) 70 dB (A) 70 dB (A)
Testverbrauch – CO2 5,9 l – 156 g/km 5,7 l – 152 g/km 5,4 l – 144 g/km
Reichweite 860 km 870 km 920 km
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Jan Horn

Jan Horn

Fazit

Rundum Sorglos-Qualitäten? So etwas gibt es nur bei VW. Zumindest in der Liga der Hochdachtypen. Dem Sportsvan ist nämlich nichts vorzuwerfen. Den Konkurrenten hapert es dagegen an Feinschliff. Entsprechend müssen sich B-Klasse und 2er mit reichlich Abstand hinter dem Groß-Golf einreihen.

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